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Kryptografie-Ausstellung: Tarnung und Täuschung

Agent 007 lässt grüßen: Im Paderborner Heinz Nixdorf Museumsforum läuft noch bis zum 6. Dezember die Sonderschau "Krypto & Stegano". Die Ausstellung zeigt das Geschäft der Spione mit Verschlüsslungsmaschinen, winzigen Geheimkameras und trickreichen Taschen.

Von Christoph Koch

Der 87-Jährige öffnet den Klappdeckel seines kompakten, blechernen Apparates, steckt einen Sicherheitsschlüssel in dessen Schloss und dreht dann an einigen kleinen Walzen - fertig. Das geheime Geschäft kann beginnen, Oskar Stürzinger wird eine vertrauliche Botschaft verschlüsseln. Er weiß, was er tut, denn den Apparat, der Klartext zu Buchstabensalat vermengt, den hat er vor vier Jahrzehnten selbst konstruiert: Stürzinger war lange, lange Jahre Chefkonstrukteur der Crypto AG im schweizerischen Zug und die ist im Geschäft der geheimen Nachrichten ganz weit vorn.

Zweitälteste Gewerbe der Welt

Stürzingers Konstrukte - "voll mechanisch, Schweizer Feinwerkkunst, braucht keinen Strom, keinerlei Abstrahlungsgefahr" - sind bis zum 6. Dezember im Paderborner Heinz Nixdorf Museumsforum zu sehen, zusätzlich zur ohnehin schon großen Dauerausstellung zur Nachrichten- und Informationstechnik aus 5.000 Jahren. "Krypto & Stegano" heißt die Schau, zu Deutsch: Geheim und Verborgen. Das "zweitälteste Gewerbe der Welt" (Kryptographen über Kryptografen) zeigt hier sein Handwerkszeug: Ein filigraner, goldener Zirkel aus dem 17. Jahrhundert ist dabei, mit einem drehbaren Ring erzeugt er den Geheimtext. Ein Chiffrierring vom Hofe Maria Theresias - praktischerweise nicht nur mit Buchstaben-Verschleierungsfunktion sondern gleich mit vorgefertigten Bröckchen französischem Diplomatenjargons: Was Staaten einander zu sagen haben, besonders abwechslungsreich scheint es nicht zu sein.

Die Minox aus Stammheim ist da, für die RAF-Gefangenen wurde sie eingeschmuggelt in den Zellenblock, vielleicht als Generalprobe für den Transport der Pistolen. Dazu Porträts von Baader, Ensslin, Raspe, von den Häftlingen selbst gemacht. Denn neben der geheimen Übermittlung von Nachrichten mit reitendem Kurier und Funkverbindung mussten in der verborgenen Welt auch stets Gegenstände transportiert werden - die Spionagekamera, der falsche Pass, Mikrofilme aus dem NATO-Hauptquartier. Dementsprechend gibt es viel zu bewundern, das der Erfindungsgeist der Stasi-Ingenieure hervorgebracht hat: hohle Batterien, die Filme aufnehmen, aber tatsächlich funktionieren, weil die Truppe von Markus Wolf eine Knopfzelle eingelötet hat. Eine elektronische Taschendatenbank, deren gesamter Inhalt durch Druck in ein spezielles Bohrloch für immer verschwindet, falls morgens um vier das BKA vor der Tür steht. Hohle Nägel, Schrauben, Tuben. Aktentaschen, die durch trickreiche Konstruktion im Röntgengerät ein Bild erzeugen, das mit dem wahren Inhalt keine Ähnlichkeit hat: Der falsche Pass des Spions blieb unentdeckt.

Meister-Entschlüssler aus England

"Der kalte Krieg war an dieser Front wirklich heiß", sagt Museumskurator Dr. Stefan Stein, "es wurden keine Kosten gescheut, um dem Gegner überlegen zu sein" - der Stasi-Apparat etwa verschlang Millionen und Abermillionen, die der DDR-Wirtschaft entzogen wurden. Gewonnen haben die geheimen Arbeiter und Bauern dennoch nicht. Aber die Engländer - die haben einige Jahrzehnte zuvor gewonnen, denn sie knackten die feindlichen Codes, sie brachen die Enigma, das wichtigste deutsche Chiffriergerät. So konnten die Meister-Entschlüssler im alten Herrenhaus von Bletchley Park nördlich Londons Hitlers U-Boot-Offensive das Rückgrat brechen.

Mit einem besonderen Event wird am 15. und 16. November dieses Höhepunkts in der Weltgeschichte der Kryptologie gedacht: Die Deutschen werden mit einer Originalmaschine Lorenz SZ42 verschlüsselte Funksprüche erzeugen und sie in den Äther senden. Die Briten werden sie auffangen und mit einem funktionsfähigen Nachbau der damaligen Entschlüsselungsautomaten den Code zu brechen versuchen. Das ist nicht leicht - aber noch diffiziler war es, den historischen Lorenz-Geheimschreiber nach Paderborn zu holen: Er ist nämlich Kriegsbeute. Der britische Abhördienst GCHQ befürchtete, die Deutschen könnten den kostbaren Apparat zurückrequirieren, sobald er in seinem Ursprungsland eintrifft. Unterdessen sei die Besorgnis beseitigt, sagt Nixdorf-Museumschef Norbert Ryska - er beschaffte Garantie-Briefe: Die Maschine wird ins Vereinigte Königreich zurückkehren, versicherten Bundesverteidigungsministerium und Bundeskanzleramt. Versprochen.

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