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Mini-Atomkraftwerke: Der strahlende Bill Gates

Microsoft-Gründer Bill Gates will mit seinen Milliarden die Welt retten. Also auch die Energieprobleme lösen. Deshalb investiert er groß in kleine Kernkraftwerke.

Von Matthias Ruch

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Kleine, kompakte Kernkraftwerke werden einmalig mit Brennstäben befüllt und liefern dann pausenlos Strom. 100 Jahre oder mehr - fast ohne Wartung, ohne Abfall, ohne Risiko. Bonsai-Reaktoren quasi, die auch Kritiker mit der Atomkraft versöhnen sollen. Bill Gates: Will mit Bonsai-Reaktoren die Energieprobleme der Welt lösen Hinter der neuen Technologie stecken der japanische Toshiba-Konzern und das junge US-Energieunternehmen Terrapower. Nun loten die beiden eine Kooperation aus. Terrapower gehört zur Ideenschmiede Intellectual Ventures, und hinter der steht der Mann, der mit seinen Bonsai-Reaktoren die Energieprobleme der Welt lösen will: Bill Gates.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Microsoft-Gründer den ganz großen Fragen zuwendet. Seit seinem Rückzug aus dem Softwarekonzern Ende 2008 widmet sich der 54-Jährige vor allem gemeinnützigen Projekten: Initiativen gegen Seuchen und Krankheiten, Armut und Umweltzerstörung. Hinter dem mexikanischen Telekomunternehmer Carlos Slim Helú ist Gates der reichste Mann der Welt, sein Privatvermögen wird auf 53 Mrd. US-Dollar geschätzt. Damit finanziert er auch die Reaktorforschung von Terrapower im Bundesstaat Washington.

Wunderwaffe gegen Energiemangel

Die Laufwellenreaktoren, wie Ingenieure die Bonsai-Kraftwerke nennen, gelten in Amerika tatsächlich als Wunderwaffe gegen den drohenden Energiemangel. "Theoretisch können diese Nuklearreaktoren über mehrere Jahrhunderte laufen", schwärmte Terrapower-Chef John Gilleland vergangenen Herbst bei einem Vortrag an der Berkeley-Universität in Kalifornien. "Die kommerzielle Nutzung dieser Anlagen könnte bereits in 15 Jahren beginnen."

In den USA rechnen sich Toshiba und Terrapower besonders gute Chancen aus. Schließlich hat Präsident Barack Obama gerade erst den Start in eine neue Kernkraftära ausgerufen. Anders als herkömmliche Reaktoren sollen die neuen Anlagen weitestgehend ohne angereichertes Uran (U-235) auskommen - und stattdessen sogenanntes abgereichertes Material (U-238) nutzen, das anderswo als Atommüll gelagert wird. "Damit besteht auch nicht die Gefahr eines Missbrauchs zur Produktion atomarer Waffen", sagte Gilleland.

Ob das neue Verfahren in der Praxis tatsächlich funktioniert, ist heute noch völlig offen. Bisher wurde die Technologie nur in Simulationen getestet. Um die Entwicklung der Zwerg-Reaktoren voranzutreiben, ist Bill Gates nach einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" nun sogar bereit, zusätzlich mehrere Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen zu investieren. Wird hier eines Tages womöglich der nächste Weltkonzern entstehen? Die Verantwortung für Gates' Ideenschmiede Intellectual Ventures trägt Nathan Myhrvold. Und der war vorher Technologiechef von Microsoft.

FTD
  • Matthias Ruch