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RFID im Supermarkt: Die Antenne von Kasse 4

Dank RFID-Technik könnte sich das Einkaufen im Supermarkt in den nächsten Jahren grundlegend verändern: Statt des Kassenpersonals rechnen dann womöglich Antennen alle Artikel im Einkaufswagen ab.

In zehn bis 15 Jahren sollen winzige Computerchips nach der Vorstellung des Handelskonzerns Metro (Real, Media Markt) die Kassiererinnen im Supermarkt überflüssig machen. Diese so genannten RFID-Chips kleben dann auf allen Milchtüten, Tomatendosen oder Schokoladentafeln. Die hauchdünnen Chips können über Funk Daten übertragen, etwa den Preis des Produktes. An der Kasse muss der Kunde den Einkaufswagen nur noch an einer Antenne vorbeischieben und ein Computer rechnet alle Einkäufe für den Kassenzettel zusammen.

Nach Angaben des zuständigen Metro-Managers Gerd Wolfram sollen die Kassiererinnen aber dadurch nicht arbeitslos werden. Sie sollen andere Aufgaben übernehmen, sagte Wolfram. Es gehe nicht in erster Linie um Personaleinsparungen. Stattdessen soll der immens teure Umgang mit Waren schneller, besser und billiger werden. Schon seit 2006 statten rund 40 Hersteller ihre Umkartons mit Funkchips aus, sagte Wolfram. Dadurch müssten zum Beispiel bei der Warenanlieferung nicht mehr die Kartons auf den Paletten nachgezählt werden, sagte der Manager.

Einsparungen in der Lieferkette

Andere Vorteile: Der Marktleiter weiß jederzeit genau, wie viele Packungen noch im Regal sind. Diebstähle werden erschwert, abgelaufene Packungen rechtzeitig aussortiert. In der gesamten Lieferkette - von der Produktion bis zum Kunden - sehen alle Beteiligten noch gigantische Sparpotenziale, die durch moderne Computertechnik gehoben werden können, auch durch Hilfe der RFID-Chips. Vor allem kann so die Lagerhaltung deutlich heruntergefahren werden: Die Konzerne könnten Millionen an Kapitalkosten sparen, wenn Waren nicht auf Lager genommen werden, sondern immer nur gerade genug für die Nachfrage vorhanden ist. Mit Hilfe von RFID lässt sich diese Lagerhaltung wesentlich genauer steuern.

RFID steht für "Radio Frequency Identification". Die wenige Zentimeter großen und hauchdünnen Funketiketten sind die Nachfolger der Strichcode-Etiketten. Wie bei diesen werden auch die RFID-Informationen von einem Lesegerät aufgenommen. Neben dem eigentlichen Chip bestehen die in der Fachsprache als RFID-Tags bezeichneten Etiketten aus einer Antenne, einem analogen Schaltkreis zum Empfangen und Senden (Transponder) und einem digitalen Schaltkreis zwischen Chip und Antenne. Die RFID-Technik kann im Einzelhandel, aber auch für zahllose andere Zwecke eingesetzt werden. Auch in die Tickets der Fußball-WM sind RFID-Chips integriert.

Datenschützer fürchten "gläsernen Menschen"

Datenschützer befürchten, dass mit RFID die Vorstellung vom "gläsernen Menschen" Wirklichkeit wird, dessen Konsumverhalten und Bewegungsprofile von Staat oder Wirtschaft kontrolliert werden können. Noch sind RFID-Chips mit rund 14 Cent pro Stück zu teuer, um etwa einen 29 Cent teuren Joghurtbecher auszuzeichnen. Die Industrie rechnet aber mit einem kräftigen Preisverfall in den nächsten Jahren.

Claus-Peter Tiemann/AP / AP
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