Roboter-Therapie Kann ein Roboter den Menschen ersetzen?


In japanischen Krankenhäusern und Altenpflegeheimen gibt es immer mehr Therapiesitzungen mit Robotern. Ist das menschenunwürdig oder tatsächlich eine Alternative?

Die älteren Patienten in dem japanischen Krankenhaus leiden alle an schwerer Demenz. Aber ihre Gesichter hellen sich auf, wenn sie den kleinen hundeähnlichen Roboter sehen, wie er in Kleider gehüllt durch die Krankenhausflure geht. Einige klatschen, andere lächeln. Von den Pflegern ermuntert, streicheln ihn einige sogar ganz vorsichtig. "Er ist so goldig", ruft eine Patientin.

Es gibt immer mehr Therapiesitzungen mit Robotern in japanischen Krankenhäusern und Altenpflegeheimen. Für einige Forscher sind die Roboter die Antwort auf das Problem der Überalterung der Gesellschaft in Japan und anderen Industrieländern. Für sie ist der Roboter nicht nur Hilfsmittel, der an die Einnahme von Arzneien erinnert, sondern auch Begleiter. Im Idealfall gibt es riesige Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben, eine geringere Belastung für Familienangehörige und Pfleger, und die Alten und Kranken sind in besserer Verfassung.

Angebote gehen oft an den Bedürfnissen vorbei

"Das ist eine Technik, die die globale Gemeinschaft braucht", sagt Russell Bodoff, Direktor des Zentrums für technische Dienstleistungen für Ältere (Center for Aging Services Technologies) in Washington D.C. "Wenn sie 30 Jahre in die Zukunft blicken, dann haben wir eine weltweite Krise vor uns: Dann gibt es mehr ältere Menschen, als wir verkraften können."

Japan ist führend in der Forschung an solchen "Partner-Robotern". Die Angebote gehen aber noch oft an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei. Zum Teil, weil ihre Erbauer noch nicht wissen, welche Art von Robotern bei Alten und Kranken auf Zustimmung stößt. Auch wenn die Anhänger dieser Technik hier keinen Unterschied zum Beispiel zu Therapien mit Tieren sehen, so stößt die Vorstellung einer emotionalen Beziehung zu Maschinen bei vielen Menschen doch auf Ablehnung. "Es gibt immer Aufgaben, die ein Mensch ausführen muss", sagt Kimika Usui, Professorin für Gerontologie in Osaka. "Es ist wichtig, dass ein Mensch zum Patienten spricht."

Entwicklung aus Imagegründen

Für viele Experten stehen wir am Beginn des Zeitalters der Robotik. Die Fortschritte in der Mikroelektronik machen Maschinen möglich, die noch vor kurzer Zeit undenkbar und unfinanzierbar waren. In den vergangenen Jahren haben gerade japanische Firmen wie Honda, Toyota oder Sony etliche eindrucksvolle Roboter vorgestellt. Zumeist dienten sie aber vor allem Werbezwecken und der Verbesserung des Firmenimages. Von einer Pflegekraft sind sie noch weit entfernt. Die Heimroboter, die es derzeit gibt, sind kaum mehr als Unterhaltungsgeräte.

"Es sieht oft so aus, als ob die Firmen derzeit einfach nur das zusammenbauen, was an Technik gerade verfügbar ist", sagt Takanori Shibata, der Erbauer von Paro, einem Roboter, der einer Robbe ähnelt. Shibata investierte umgerechnet rund 7,5 Millionen Euro in die Entwicklung des Roboters, ein kommerzielles Modell soll noch in diesem Jahr zum Preis von rund 2.350 Euro auf den Markt kommen. Er hat schon überschwängliche Kritiken in Therapiesitzungen nicht nur in Japan, sondern auch in den USA, in Italien und Schweden bekommen.

"Dem Menschen gefallen seine einfachen Bewegungen"

Toshiyo Tamura, Professor am Nationalen Institut für Langlebigkeitsforschung, hat auch schon mit tierähnlichen Robotern gearbeitet. Er nutzt Sonys Aibo, der die meisten Menschen an einen kleinen Hund erinnert. Ihm fehlt zwar eine umfangreiche Programmierung, aber den Menschen gefallen seine einfachen Bewegungen, sagt Tamura, der im Krankenhaus von Ohbu in Mitteljapan mit Demenzkranken arbeitet. Er veröffentlichte kürzlich mit Kollegen Ergebnisse, wonach bei einigen Patienten Aktivitäten wie Sprechen, Gehen und Anfassen zunahmen, wenn Roboter an den Therapiesitzungen beteiligt waren. "Das Spielen mit den Robotern verringert das Problemverhalten", sagt Tamura. Ähnliche Effekte traten aber auch auf, wenn Stofftiere eingesetzt wurden.

Ungeklärt ist noch, wie Roboter den Menschen verändern. Machen sie uns gleichgültiger oder menschlicher? John Jordan von der Beratungsfirma Cap Gemini, der den Einfluss der Technik auf die Erwartungshaltung untersuchte, ist überzeugt, dass Roboter ähnlich starke Gefühle beim Menschen auslösen werden wie es Videospiele, Filme und das Auto schon getan haben. "Menschen sind sehr gut darin, wenn es darum geht, Gefühle auf Dinge zu übertragen, die nicht menschlich sind. Das wirft natürlich viele moralische Fragen auf."

In Japan gibt es kaum Diskussionen

In Japan, wo es eine lange Tradition gibt, auch unbelebten Objekten wie Steinen eine Seele zuzuweisen, gibt es solche Diskussionen bislang kaum. "Die Japaner betonen die Harmonie", sagt Masahiro Mori, Roboterexperte und Ehrenprofessor am Technischen Institut in Tokio. "Der Gedanke, dass Roboter eine Gefahr sein könnten, existiert in Japan nicht."

Yasuyuki Toki, Forscher bei NEC System Technologies, plädiert aber dafür, die emotionalen Bindungen genau zu untersuchen. NECs sprechender Roboter wurde einmal zu Forschungszwecken an eine Familie ausgeliehen. Als er für Wartungsarbeiten abgeholt werden musste, geriet das Kind der Familie so außer sich, dass diese sich weigerte, den Roboter noch einmal zu nehmen.

Assistenzprofessor Ryuhei Kimura von der Teikyo-Universität für Forschung und Technik, der Robotertherapien mit Kindern macht, sähe die Forschungen zum Einsatz von Robotern gerne mehr auf ihre Fähigkeit zum Stressabbau hin ausgerichtet als auf künstliche Intelligenz. "Die Kinder hier sind den ganzen Tag in ihren Betten, es fehlt ihnen die Anregung", sagt Kimura. "Kommunikation ist das Allerwichtigste."

Juri Kageyama/AP AP DPA

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