Robotertechnik Der Soldat von morgen verspürt keine Angst


Krieg führen per Fernbedienung: Intelligente Roboter, die schießen, Gebäude erkunden und immer gehorchen, sind noch Zukunftsmusik. Eine Leistungsschau zeigt, was heute schon möglich ist.

Der ideale Soldat von morgen ermüdet nicht, findet auch in scheinbar ausweglosen Situationen noch eine intelligente Lösung und überlebt sogar Explosionen unbeschadet. Diese Anforderungen stellt die Bundeswehr nicht an ihre neuen Rekruten, sondern an ihre anderen Hoffnungsträger für die Zukunft - die Roboter. In einer europaweit einmaligen Leistungsschau im unterfränkischen Hammelburg begutachtete die Armee jetzt die neuesten Entwicklungen in der Robot-Technik und stieß auf viel versprechende Ergebnisse.

"Hier sieht man, was noch alles möglich ist", sagte der Chef der Heeresleitung, Generalmajor Wolfgang Korte, auf der 1. European Land Robot Trail (Elrob), einer mehrtägigen Roboter-Rallye. Geht es nach ihm, sollen die Computer-Soldaten künftig ihren menschlichen Kollegen bei gefährlichen Aufgaben zur Seite stehen und ihr Leben beschützen. Möglichst in fünf Jahren wolle die Bundeswehr diese Technik verstärkt nutzen, sagte Oberstleutnant Jürgen Ammann. "Noch sind wir da aber ganz am Anfang."

Roboter auf realitätsnahen Missionen

Zwar setzt das deutsche Heer bereits seit Jahren ferngesteuerte Roboter zur Bombenentschärfung ein und macht Erkundungsflüge mit unbemannten Drohnen. Aber vom Einsatz intelligenter Maschinen, die wie bei der Rallye in Hammelburg völlig selbstständig Gebäude erkunden, Munition transportieren oder gar Waffen abfeuern, ist das Heer noch weit entfernt. "Da ist noch eine Menge Zukunftsmusik drin", sagte der Robotik-Experte der Universität Würzburg, Prof. Klaus Schilling. Zumal die Geräte von Jahr zu Jahr besser würden.

Deshalb sollte die Elrob der Bundeswehr als ein Ausgangspunkt für das kommende Roboter-Zeitalter dienen. Erstmals durften die Entwickler in dieser Größenordnung der Bundeswehr präsentieren, was derzeit technisch möglich ist. 20 Teams aus acht europäischen Ländern, darunter Rüstungsunternehmen und Universitäten, schickten ihre meist skurril aussehenden Roboter auf realitätsnahe Missionen. In einem Übungsdorf mit verwinkelten, düsteren und brennenden Häusern sowie in der freien Wildbahn mussten die Maschinen zeigen, wie gut sie tatsächlich Soldaten unterstützen können.

Kein Einheitsroboter, sondern verschiedene Maschinen

Als erstes dürfte den Gutachtern aufgefallen sein: Den Alleskönner im Standardoutfit gibt es nicht. Die Bandbreite bei der Schau reichte vom wieselflinken Überwachungsroboter mit dem Ausmaß einer Autobatterie bis zum computerisierten Kleinwagen Smart, der während seiner unbemannten Fahrt in Echtzeit 3D-Karten zeichnet, vom Mond-Buggy mit ausfahrbarer Kamera bis zum fliegenden Roboter mit Spinnen-Antlitz. Der Variantenreichtum sei gewollt, sagte Ammann: "Es sollen keine Einheitsroboter angeschafft werden, sondern verschiedene Maschinen für unterschiedliche Aufgaben."

Einen Sieger und ein Preisgeld gab es bei der Rallye nicht, dafür aber die Chance auf internationale Anerkennung. Mehr als 1000 geladene Gäste aus aller Welt, darunter Militär-Attachés und Unternehmer, wollten die Roboter sehen. Dazu kamen fast 30 Kamerateams. Dass auch gleich Aufträge von der Bundeswehr winken, erscheint allerdings fraglich: "Es wird eine kritische Auswertung geben", kündigte Korte zwar an. Ein Budget für die neuen Mitarbeiter aus Stahl und Plastik gibt es auch noch nicht.

Marco Mierke/DPA DPA

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