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Innendesign Terracotta statt Steingrau: Warum das Ende der kalten Wandfarben droht

"Faded Terracotta" ist eine Kombination der Farbe mit einem Grau.
"Faded Terracotta" ist eine Kombination der Farbe mit einem Grau.
© Farrwo & Ball / PR
Grau gilt als kultiviert und als sichere Sache, bei der man nichts falsch machen kann. Doch inzwischen hat es sich überlebt – das "flache" Grau wird abgelöst von komplexen Mischungen, die die Wohnungen warm und wohnlich halten.

Grau hat über zehn Jahre das Innendesign dominiert. Das neutrale Grau war die Nummer Sicher der Inneneinrichtung und dabei auch abwechslungsreicher als das alte stumpfe "U-Boot Grau" – Farben wie "Lamp Room Gray" und "Down Pipe" von Farrow & Ball zeugten nicht von Industriearchitektur, sondern für einen modernen Look.

Das Grau an der Wand spielt die gleiche Rolle wie das Schwarz in der Kleidung – es passt zu jedem anderen Ton. Doch nun nach einer Dekade sind die Grautöne allgegenwärtig – wer etwas Neues sehen will, muss weg vom Grau. Nach wie vor führen graue Sofas oder Küchen die Verkaufscharts an, aber bei Pinterest, wo man etwas wagemutiger sein kann, ist Grau nur noch auf Platz 15 der meistgesuchten Farben für die Wohnzimmerdekoration.

Kühl ist vorbei 

Joa Studholme, Farbkuratorin bei der Edelfarbenmarke Farrow & Ball, sagte dem "Telegraph", dass sich die Farbpalette zu wärmeren Tönen verschiebt. Sie glaubt, dass der Wunsch nach einer harten, düsteren Umgebung nachgelassen habe. Seitdem die Menschen wegen der Pandemie viel mehr Zeit in ihren Häusern verbringen, sind kühle Grautöne nicht mehr so gefragt. Doch Grautöne mit einem warmen Grundton bleiben und sind sogar im Kommen. Viele Kunden wollen ihre Einrichtung lieber etwas dezenter halten, und werden den aktuellen Trend zu kräftigen Farben nicht mitmachen. Ein stumpfer Rosaton wie "Dead Salmon" kombiniert die dezente Zurückhaltung des Graus mit einer wohltuend warmen Ausstrahlung.

Räume mit Willkommen-Look

Auch die Innenarchitektin Bee Osborn findet Grautöne heute zu kalt und nüchtern, aber auch sie bleibt bei dezenten Tönen für die großen Flächen. "Ich liebe erdige Taupetöne und Beigetöne, die warm, ruhig und beruhigend wirken. Sie ergänzen jede Akzentfarbe und sind leicht zu verarbeiten." Ähnlich sieht es bei Farbenhersteller Little Greene aus. Die Kreativdirektorin Ruth Mottershead sieht die wachsende Beliebtheit von warmen Gelbtönen wie "Indian Yellow" und "Giallo".

Die sichere Sache 

"Die Leute entscheiden sich für Grau, wenn sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen, weil sie denken, dass es eine sichere Sache ist, weil es nicht anstößig ist", so die Innenarchitektin Sophie Robinson zu der Zeitung. "Ich verstehe, dass Grau sehr beruhigend wirkt, und man verbindet damit, dass es sehr kultiviert aussieht, aber ich fürchte, dass es seinen Reiz verliert und anfängt, ziemlich flach auszusehen." Tatsächlich stirbt Grau aber nicht aus – es wandelt sich. Schon der Aufstieg war damit verbunden, dass die Grautöne komplexer waren als ein verdünnter Schwarzton. Die Trendforscher von WGSN sehen in den kommenden Jahren einen Abstieg des "flachen Graus" zu komplexen Grautönen mit Nuancen von Lila, Graublau, Salbeigrün und erdigem Rosa. Das Unternehmen nennt den Trend einen sanften Industrielook.

Das neue Grau ist keine eigenständige Farbe, sondern ein zurückhaltender Grundton, der sich in verschiedene Farbrichtungen entwickeln lässt. Die Zeit des Grau-in-Grau-in-Grau ist allerdings vorbei. In den warmen komplexen Grautönen, die die Bewohner willkommen heißen, werden kräftige Trendfarben Akzente setzen. Die Zeiten der quietsch-bunten 1970er und 1980er werden aber definitiv nicht wiederkommen.

Quelle: Telegraph

Kra

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