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Pebble Time im Test Ist das die Alternative zur Apple Watch?

Die Pebble Time bekommt schnell viele Schrammen
Bekommt schnell viele Schrammen: die Pebble Time.
Die Smartwatch Pebble Time ist der Gegenentwurf zu Apple Watch und Co.: Lange Laufzeit, schlichte Optik und wenige Funktionen. Der stern hat die Uhr getestet und sagt, ob sich der Kauf lohnt.
Von Malte Mansholt

Als das Start-Up Pebble vor drei Jahren seine erste smarte Uhr über Kickstarter finanzierte, war die Produktkategorie Smartwatch praktisch nicht vorhanden. Die einfach gehaltene Uhr war zwar nicht hübsch, technisch aber durchaus spannend. Vor allem hatte sie de facto keine Konkurrenz. In der Tech-Szene war sie dementsprechend ein Hit. Heute ist die Konkurrenz deutlich besser aufgestellt - und lässt den Nachfolger Pebble Time mächtig alt aussehen. Der stern sagt Ihnen, warum.

Aufs Nötigste reduziert

Nimmt man die Pebble Time das erste Mal in die Hand, fällt zuerst einmal das schlichte Design auf. Die Uhr ist auf das Nötigste reduziert und besitzt einen schlichten Metallrahmen, unter dem die aus Plastik gefertigte Uhr sitzt. Das Armband besteht aus Gummi und wirkt nicht besonders edel. Am Arm angelegt, fällt es aber nicht negativ auf.

Leider ist der Metallrahmen extrem kratzempfindlich. Ich scheine ständig mit dem rechten Handgelenk gegen Gegenstände zu stoßen - ohne es zu merken. Nach nur einer Woche Tragezeit war der Rahmen in einem Maße zerkratzt, wie man es vielleicht nach einem Jahr erwartet hätte. Das ist wirklich schade und dürfte für einigen Ärger bei Käufern sorgen.

Das Kung Fury Watchface für die Pebble Time
Ein Retro-Watchface für die Pebble Time erinnert an die 80er-Persiflage "Kung Fury"

Retro-Charme oder einfach veraltet?

Eine Stärke der Pebble-Uhren war schon immer, dass sie statt eines LED-Displays auf die aus Ebooks bekannte E-Ink-Technologie setzen. Damit sie auch im Dunkeln nutzbar ist, lässt sich auch kurzzeitig eine Hintergrundbeleuchtung einschalten. Die Bildschirme verbrauchen so nur Strom, wenn sich das Bild ändert, dadurch sind sie extrem sparsam. In der ersten Pebble und auch beim Nachfolger Pebble Steel kamen Schwarz-weiße Displays zum Einsatz, die Pebble Time bietet erstmals Farben. Leider ist das kein Pluspunkt: Zwar ist es ganz nett, dass etwa die einzelnen Apps eine eigene Farbe zugeordnet bekommen. Einen echten Mehrwert bietet es nicht.

Das Farbdisplay hat sogar einen etwas paradoxen Effekt: Es lässt die Uhr veraltet wirken. Während etwa das monochrome Display der Pebbel Steel einen Retro-Charme in Erinnerung an alte Digitaluhren erweckt, wirken die Farben der Pebble Time im Vergleich zu den tollen Displays anderer Smartwatches - etwa der Apple Watch - einfach nur altbacken. Dass es sich nicht um einen Touchscreen handelt, verstärkt diesen Eindruck noch.

Einen Vorteil hat die Pebble Time von ihren Vorgängern geerbt: Anders als etwa die Apple Watch zeigt sie immer die Zeit an. Was bei jeder Uhr selbstverständlich erwartet wird, ist bei Smartwatches leider immer noch die Ausnahme - die Displays verbrauchen sonst zu viel Strom. Einige andere Uhren wie die LG G Watch R bieten diese Funktion allerdings ebenfalls.

Drücken statt tatschen

Die Bedienung über die vier an der Seite angebrachten Knöpfe ist zwar nicht besonders modern, geht aber nach kurzer Eingewöhnungszeit routiniert von der Hand. Der Knopf auf der linken Seite führt immer einen Schritt zurück, rechts wird mit der oberen und unteren Taste hoch und runter navigiert, die mittlere bestätigt die Auswahl. Das alle Apps auf die gleiche Weise bedient werden, hat man sich schnell an die Steuerung gewohnt. Wirklich toll fühlt sie sich das Ganze aber nicht an.

Von einer Smartwatch erwartet man in erster Linie, dass sie Mitteilungen des Smartphones aufs Handgelenk bringt und im Idealfall auch noch ohne Telefon-Unterstützung zumindest einen Teil der Funktionen behält. Und in diesem Bereich kann die Pebble Time wirklich punkten. Sie zeigt von Haus aus E-Mails, SMS und Nachrichten vieler anderer Apps an - solange die Pebble unterstützt wird.

Pebble Time im Test: Ist das die Alternative zur Apple Watch?

Weniger Apps als die Apple Watch

Zusätzlich hat die Uhr aber einen eigenen App-Store an Bord, der sich über die für Android und iPhone erhältliche Smartphone-App nutzen lässt. Dort finden sich Apps für jeden Nutzungszweck, vom Organizer bis zum einfachen Spiel. So groß wie bei der Apple Watch ist die Auswahl aber nicht, viele große Konzerne wie etwa die Bahn bieten keine Anwendung. Es gibt aber einige löbliche Ausnahmen: Air Berlin hat der eigenen App bereits letztes Jahr einen Pebble-Support spendiert und erlaubt so das Einchecken über die Uhr.

Eingehende Anrufe, Benachrichtigungen, Termine oder Wecker zeigt die Uhr sowohl auf dem Display als auch mit einem leichten Vibrieren an. Im Testzeitraum ist mir so keine Meldung entgangen, auch als Wecker funktioniert  die Pebble Time prima. Je nach Art der Benachrichtigung bietet die Uhr an der rechten Seite verschiedene Interaktionsmöglichkeiten. Bei Whatsapp-Nachrichten lassen sich etwa Standard-Antworten oder Smileys als Antwort verschicken. Das funktionierte im Alltag wirklich gut, unter Android haben die Nutzer aber deutlich mehr Möglichkeiten als auf dem iPhone. Für längere Nachrichten muss aber ohnehin das Smartphone zur Hand genommen werden.

Eigene Watchfaces kann man im Handumdrehen erstellen
Eigene Watchfaces kann man im Handumdrehen erstellen

Viele Anpassungsmöglichkeiten und ein Killer-Akku

Eine Stärke der Pebble Time ist ihre große Anpassbarkeit. Sowohl Apps als auch Ziffernblätter lassen sich sehr einfach installieren und für Tüftler sogar selber basteln. So bietet die Seite "Watchface Generator" eine ganz einfache Möglichkeit, sich selbst Ziffernblätter zu basteln und sogar eigene Bilder einzubauen. Besonders gelungene Exemplare finden sich zuhauf im Internet und lassen sich sehr einfach installieren. Der Wechsel erfolgt über Smartwatch oder Menü und dauert nur Sekunden. Ein Fest für jeden Bastler.

Der mit Abstand größte Vorteil der Pebble gegenüber den Smartwatch-Konkurrenten ist die Akku-Laufzeit. Während es Konkurrenten im Idealfall auf zwei Tage bringen, hielt die Pebble eine ganze Woche durch und war nach nur einer knappen Stunde bereits wieder voll geladen. Die Apple Watch braucht dafür einige Stunden - um dann nur etwas mehr als einen Tag durchzuhalten. Damit ist die Pebble zwar immer noch weit von den Laufzeiten klassicher Uhren entfernt. Der Unterschied zu anderen Smartwatches ist aber doch dramatisch.

Fazit

Die Pebble Time wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Während die erste Pebble noch richtungsweisend war, hat die Konkurrenz zu stark aufgeholt. Das Farbdisplay verstärkt den altbackenen Eindruck noch, die Steuerung ohne Touchscreen ist längst nicht mehr zeitgemäß. Obwohl sie ihre Kernaufgaben durchaus überzeugend erledigt, wirkt die Pebble Time einfach nicht mehr modern.

Auch die wirklich beeindruckende Akkulaufzeit kann diesen Eindruck leider nicht mehr retten. Nur wer gerne eigene Ziffernblätter bastelt oder gar eigene Apps entwickeln will, ist mit der Pebble Time tatsächlich gut bedient. Doch selbst dann ist der Preis von beinahe 340 Euro völlig überteuert. Dafür bekommt man beinahe eine  Apple Watch - und gleich zwei oder drei Uhren mit Android Wear.

Update: Auf der Webseite des Herstellers selbst lässt sich die Pebble Time bereits zu einem Preis von 249 Euro vorbestellen. Damit ist der Preis für das Gebotene zwar deutlich angemessener, aber immer noch relativ teuer.

Smartwatch Test: Hier geht es zum Smartwatch Vergleich.


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