HOME

Smartwatch LG G Watch R im Test: Total geil - und völlig nutzlos

Die LG G Watch R ist eine der besseren Smartwatches: schick, schnell, mit langer Laufzeit. Leider kann auch sie noch nicht zeigen, warum man so etwas eigentlich braucht.

Von Malte Mansholt

Die LG G Watch R bietet eine ganze Reihe von Ziffernblättern, von digital bis analog.

Die LG G Watch R bietet eine ganze Reihe von Ziffernblättern, von digital bis analog.

Man muss es mal klar sagen: LG hat bei der Entwicklung seiner neuen G Watch R vieles richtig gemacht. Die Uhr ist weniger als Nerd-Spielzeug zu erkennen, ihr Akku hält länger durch und sie bietet dennoch die meisten Funktionen der noch jungen Geräte-Gattung. Eines kann allerdings auch sie noch nicht: Ihre eigene Existenz und noch weniger ihren Preis wirklich befriedigend erklären. Doch der Reihe nach.

Die LG G Watch R ist der Nachfolger der im Juni dieses Jahres veröffentlichten G Watch, der ersten smarten Uhr des südkoreanischen Herstellers. Die Zusatzbezeichnung R verdankt sie der Tatsache, dass sie im Gegensatz zu ihrem eckigen Vorgänger ein rundes Design erhalten hat. Warum LG das Wort Round nicht einfach ausgeschrieben hat, bleibt wohl LGs Geheimnis. Tatsächlich ist die runde Form eines der herausstechenden Features der Uhr, denn im Vergleich zu ihren eckigen Konkurrenten fällt sie deutlich weniger als Smartwatch auf. Durch die leider funktionslose Lünette und das schlichte Lederarmband geht sie fast als gewöhnliche Uhr durch, wenn auch als ziemlich klobige.

An einem Männerhandgelenk fällt die Uhr kaum auf, für Frauen dürfte sie allerdings zu klobig ausfallen.

An einem Männerhandgelenk fällt die Uhr kaum auf, für Frauen dürfte sie allerdings zu klobig ausfallen.

Klobig und doch zu klein

Wie alle bisherigen Smartwatches leidet die G Watch R nämlich an der nicht ausreichend fortgeschrittenen Miniaturisierung: Die ausgefeilte Technik passt noch nicht in filigranere Gehäuse. Was an meinem Männerhandgelenk noch passend wirkt, sieht am zierlichen Handgelenk einer Frau schnell lächerlich aus. Bei der Nutzung zeigt sich aber schnell: Viel kleiner können die Gehäuse gar nicht mehr werden, sonst müsste auch das Display mitschrumpfen. Womit wir auch schon beim nächsten Problem wären: Trotz einer Größe von 1,3 Zoll ist das Display eigentlich für die meisten Anwendungen immer noch zu klein. Das ist natürlich nicht LGs Schuld, schließlich kämpfen alle Hersteller mit der Unvereinbarkeit zwischen der Tragbarkeit am Handgelenk und der durch die kleine Größe eingeschränkten Bedienbarkeit. Durch die runde Form ist aber zum Beispiel das Lesen einer E-Mail noch ein Stück unkomfortabler als auf einem eckigen Bildschirm.

Dabei ist das Display sonst eine der Stärken der smarten Uhr. Es ist trotz der bemerkbaren Reflektion immer gut ablesbar und nicht störend hell. Seine P-OLED-Technik ermöglicht zudem ein Feature, das bisher die wenigsten schlauen Uhren vorweisen können: Die G Watch R zeigt ganz wie eine klassische Uhr immer die Zeit an. Was eigentlich selbstverständlich klingt, ist bei Smartwatches noch die Ausnahme: Die meisten müssen das Display abschalten, um Strom zu sparen. Die G Watch R schaltet stattdessen in einen Energie-Sparmodus, der sich auf die Zeitanzeige beschränkt. Dank P-OLED verbrauchen dann schwarze Pixel keinen Strom. So kann man bei der G Watch R einfach mal auf die Uhr schielen, ohne durch ein grelles Leuchten darauf hinzuweisen.

Mit seiner Uhr zu reden ist zunächst ungewohnt - und bleibt es in meinem Fall auch.

Mit seiner Uhr zu reden ist zunächst ungewohnt - und bleibt es in meinem Fall auch.

Sprachgesteuert

Dass die Uhr trotzdem durch Aufleuchten und Vibration auf sich aufmerksam macht, liegt an der Verknüpfung mit dem Smartphone. Standardmäßig zeigt die Uhr sämtliche von Apps auf dem Smartphone abgesetzten Mitteilungen, unliebsame lassen sich aber in der so genannten Companion App ausschalten. Wie abhängig die G Watch R von meinem Smartphone ist, merkte ich deutlich, als es durch Softwareprobleme in der Testwoche zwei Tage ausfiel. Das alte iPhone musste einspringen, die Smartwatch unterstützt bisher aber nur Geräte mit Android – und diente während des Ausfalls als reiner Zeitanzeiger. Nachrichten habe ich trotzdem keine verpasst.

So schnell man sich daran gewöhnt, Benachrichtigungen, E-Mails und Anrufe zuerst auf dem Handgelenk angezeigt zu bekommen, es ist doch in erster Linie bequem und nicht lebensnotwendig. Zumal man für die meisten Interaktionen sowieso auf das Smartphone schauen muss. Zwar lassen sich Befehle auch per Sprache absetzen, die Ausführung überlässt die Uhr aber doch wieder dem Telefon. Und warum sollte man per Smartwatch eine Routenplanung beginnen, wenn sie dann doch nur Google Maps auf dem Handy öffnet. Auch eine Google-Suche zeigt nur die Ergebnisse, die Seiten öffnet die Uhr nicht alleine. Was meinen Sohn nicht davon abhielt, ständig "OK Google, zeige mir Dinosaurier" in die Uhr zu rufen.

Fazit

Das größte Problem der G Watch R ist nicht die von LG hergestellte Hardware. Die spritzwassergeschützte Uhr ist technisch auf dem Stand der Zeit, sie reagiert stets schnell und hatte im Test keinerlei Aussetzer. Auch die Akku-Laufzeit fällt mit zwei Tagen überdurchschnittlich lang aus. Mit Kompass, Barometer und Musikwiedergabe via Bluetooth-Kopfhörer hat LG sogar mehr technische Spielereien verbaut als viele Konkurrenten. Fragen mich Freunde und Kollegen, muss ich zugeben, dass mir die Uhr durchaus gefällt. Trotzdem würde ich sie mir nicht kaufen. Denn besonders smart ist die sogenannte Smartwatch eigentlich gar nicht. Solange die Geräte nur als Zweitdisplay für das Smartphone dienen, braucht man sie schlicht noch nicht. Vor allem nicht zu einem Preis von 269 Euro, die LG für die G Watch R als unverbindliche Preisempfehlung ansetzt. Bis sich also die Hersteller etwas richtig Smartes einfallen lassen, bleiben Smartwatches leider Spielerei. Und ich warte weiter.

Themen in diesem Artikel