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Editorial: Rot-Grün in Not

Liebe stern-Leser! Noch sechs Monate bis zur Bundestagswahl. Ein halbes Jahr, in dem wir Ihnen

Liebe stern-Leser! Noch sechs Monate bis zur Bundestagswahl. Ein halbes Jahr, in dem wir Ihnen künftig jede Woche aktuelle Umfrageergebnisse zur politischen Situation in Deutschland präsentieren werden. Im Auftrag von stern und RTL fragt Forsa jeweils von Montag bis Freitag 2500 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger in West und Ost: Wen würden Sie wählen, wenn jetzt Bundestagswahl wäre? Und: Wen würden Sie direkt zum Kanzler wählen? Eines zeigen schon die bisherigen Umfragen: Rot-Grün ist in Not. Die Regierungskoalition hat das Vertrauen der Deutschen verspielt. Gerhard Schröder hat jeden zehnten SPD-Wähler von 1998 wieder verloren. Diese Menschen sind zurück zur CDU/CSU oder FDP gewandert – nicht, weil sie diese Parteien wirklich besser finden, sondern aus Enttäuschung darüber, dass der „Reformkanzler“ mit seiner „ruhigen Hand“ auch nicht viel mehr angepackt hat als Helmut Kohl. Und jetzt noch die Kölner SPD-Spendenaffäre. Die kriminelle Energie, mit der Sozialdemokraten dort offenbar Gelder kassiert und falsch verbucht haben, steht dem Umgang der CDU mit ihren „schwarzen Kassen“ in nichts nach. Wie die Wähler darauf reagieren, werden wir erst in den nächsten Wochen sehen.

Mit Stoiber als ihrem Kanzlerkandidaten, so zeigt sich aber auch, haben CDU/CSU ihr Potenzial bei 41 Prozent offenbar ausgeschöpft. Sie verlieren schon wieder. Falls die Konjunktur bald anzieht – wofür momentan vieles spricht – und falls Schröder noch ein Befreiungsschlag gelingt, könnte er die Union in der Wählergunst am Ende vielleicht doch wieder überholen. Und dann? Im Falle eines Wahlsieges der SPD würde Schröder sicherlich der Union eine große Koalition anbieten (was er eigentlich schon 1998 vorhatte). Nur eine breite Mehrheit, so seine Überzeugung, kann die ebenso notwendigen wie schmerzhaften Reformen bei Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen und Bundeswehr wirklich durchsetzen. Im Falle eines Wahlsieges von CDU/CSU würde Stoiber wohl eine Koalition mit der FDP anstreben. Wie auch immer: Rot-Grün ist auf jeden Fall erledigt.

Der Art Directors Club zeichnet jedes Jahr die besten Kreationen in Journalismus und Werbung aus. Der stern bekam am vergangenen Wochenende in Berlin zwölf Medaillen und Auszeichnungen für Fotografie, Gestaltung sowie seine Werbung. Mit einer Silbermedaille wurde die Fotostrecke „Türkische Küche“ von Christian von Alvensleben ausgezeichnet, mit einer Bronzemedaille Jan Grarups eindrucksvolle Schwarzweißbilder der „Kinder von Ramallah“. Ebenfalls eine Bronzemedaille bekam die beklemmende Bildstrecke über die Todeszellen in den USA („Der letzte Akt“) mit Fotos von Lucinda Devlin und Layout von John Skudra. Ein weiteres Mal Bronze gab es für den Medizin-Beitrag „Neues Leben in der zweiten Haut“ mit Fotos von Raphaël Gaillarde und Layout von Susanne Söffker.

Herzlichst Ihr

Thomas Osterkorn Chefredakteur