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Autoversicherungen: Rabatt auf alles

Bei Anbietern von Autoversicherungen tobt ein Preiskampf: Mit individuell zugeschnittenen Policen senken sie die Prämien. Wer bis Monatsende die Gesellschaft wechselt, kann viel sparen.

Bei den Autoversicherern geht es derzeit zu wie auf dem Wochenmarkt kurz vor Schluss. Die etwa 120 Anbieter auf dem deutschen Markt übertreffen sich mit Rabatten, obwohl die Preise schon seit drei Jahren fallen. Die Kunden freut es: In diesem Jahr können sie ihre Autos so günstig versichern wie nie zuvor. Kostete eine durchschnittliche Haftpflichtversicherung im Jahr 2004 noch 263 Euro, ist sie nun für rund 242 Euro zu haben. Bis zum 30. November haben Versicherte noch die Möglichkeit, sich einen günstigeren Tarif zu suchen und ihre alte Versicherung zu kündigen.

Grund für den Preissturz: Die Versicherer kalkulieren immer individueller, binden immer mehr Details von Fahrzeug, Fahrer und Nutzungsgewohnheiten in ihre Tarifgestaltung ein. Im Einzelfall sind bis zu 200 Euro Ersparnis möglich, bei Vollkaskoversicherungen sogar mehr. Die Beitragsunterschiede zwischen "Top-Kunden" und solchen mit hohem "Schadensrisiko" sind dabei riesig: Nach Berechnungen von "Finanztest" zahlt ein 44-jähriger verheirateter Einfamilienhausbesitzer für seinen Ford Focus (6000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr) beim günstigsten Anbieter, der WGV-Versicherung, nur 128 Euro jährlich für den Vollkaskoschutz. Der teuerste Tarif kostet ihn 323 Euro. Wäre der Halter älter, würde das Auto von mehreren Fahrern rund 45 000 Kilometer im Jahr genutzt und stünde es nachts an der Straße, kostete ein entsprechender Tarif für einen 3er-BMW bei der WGV stolze 646 Euro.

Doch die neue Tarifvielfalt hat ihre Tücken: Im Zuge der Rabattschlacht locken die Versicherer auch mal mit zweifelhaften Angeboten. Beliebt sind momentan sogenannte Select-Tarife: Bei denen verpflichtet sich der Versicherte, im Schadensfall nur Vertragswerkstätten seines Versicherers zu benutzen. Ersparnis auf den Normaltarif: zwischen 5 und 15 Prozent. Sparfreudige Verbraucher denken dabei meist nicht an den programmierten Interessenkonflikt: Dem Versicherer ist daran gelegen, Schäden möglichst günstig zu beheben, der Versicherte hingegen möchte sein Auto in der Werkstatt optimal versorgt wissen. Ob sich die Tarifersparnis im Schadensfall wirklich lohnt, ist fraglich.

Besonders agGressiv gehen die Direktversicherer vor. Im Gegensatz zu klassischen Versicherungen, die einen teuren Außendienst mit Vertretern unterhalten, schließt man seinen Vertrag dort per Telefon oder übers Internet ab. Teures Personal wird eingespart. Mit Riesenrabatten von 30 Prozent lockt etwa die DA-Direkt, die ihre Autopolicen seit neuestem über den Textilhändler C&A vertreibt. In den Genuss kommt aber nur, wer vollkaskoversichert, älter als 25 ist und ein höchstens acht Jahre altes Auto hat.

Noch liegt der Anteil der Direktversicherer am Autoversicherungsmarkt deutlich unter zehn Prozent, schätzt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Aber der Trend ist nicht aufzuhalten. Um konkurrieren zu können, haben einige große Versicherungen längst Internetableger wie die Allianz24 oder die Huk24 gegründet. Deren Abschlüsse steigen jedes Jahr. Waren bei der Huk24 vor fünf Jahren etwas mehr als 13 000 Fahrzeuge versichert, wuchs die Zahl im vergangenen Jahr auf knapp 400 000.

Wer jetzt seine Versicherung wechselt, sollte einige Grundregeln beachten, damit der neue Tarif nicht nur günstig, sondern auch gut ist:

  • Der Kfz-Haftpflichtvertrag sollte eine Deckungssumme von 100 Millionen Euro aufweisen.
  • Bei der Kaskoversicherung sollte die "grobe Fahrlässigkeit" ausgeschlossen sein.
  • Mindestens die ersten sechs Monate sollten Schäden am Neuwagen auch zum Neuwert und nicht zum Zeitwert ersetzt werden.
  • Der Haftpflichtschutz sollte sich auch auf ein im Ausland gemietetes Fahrzeug erstrecken ("Mallorca-Police").

Tipp für alle Wechselwilligen: Nicht per Fax oder E-Mail kündigen, sondern bis zum 27. November die Kündigung per Einschreiben mit Rückschein abschicken.

Elke Schulze / print

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