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berlin: Warten auf das Semesterticket

Immer noch keine Einigung um das Berliner SEMTIX

Immer noch keine Einigung um das Berliner SEMTIX

Wieder beginnt in Berlin ein Semester ohne das gleichermaßen begehrte wie verhasste Semesterticket (SEMTIX). Wieder werden jene Studenten warten müssen, die sich zu diesem Wintersemester das Kosten sparende Ticket erhofft hatten. Für jene Studenten jedoch, denen daran gelegen ist, das »Zwangsticket« so lang wie möglich herauszuzögern, dürften der Semesterbeginn und der erneute Aufschub ein Grund zur Entspannung sein.

Dabei scheinen die beteiligten Verkehrsunternehmen und die Studierendenvertreter dieses Jahr einer endgültigen Lösung des SEMTIX-Problems näher gekommen zu sein. Das jahrelange Tauziehen um das Ticket, das für Studenten die monatlichen Kosten zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel senken soll, schien schon im Mai aus Sicht der verhandlungsführenden Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kurz vor seinem Ende zu stehen.

Wolfgang Schenk, Direktor für Vertrieb und Marketing der BVG, sprach zu Beginn des Sommers noch von einer »realistischen Chance«, das Ticket endgültig zum Wintersemester einzuführen. Auch die studentische »Länderkoordinationsgruppe« zeigte sich in einer Veröffentlichung von Anfang August diesen Jahres hoffnungsvoll, dass die Verhandlungen in Kürze abgeschlossen sein könnten, dies aber nicht mehr zum kommenden Wintersemester.

Im gleichen Monat erließ das Bundesverfassungsgericht zwei Beschlüsse zu Gunsten der Verfechter des Semestertickets, indem es die Klage eines Duisburger Studenten verwies. Dieser hatte geklagt, seine monatliche finanzielle Belastung sei nach Einführung des verpflichtenden Semestertickets um 14 Mark gestiegen. Im Ruhrgebiet existiert es seit Anfang der neunziger Jahre.

Das Bundesverfassungsgericht schaffte Klarheit für mögliche zukünftige Klagen. Aber auch für die Berliner Situation, wo es das Ticket noch einzuführen gilt.

Die Problematik ist inzwischen ein alter Hut. Jahrelang stritten sich Berliner Studentenvertreter untereinander, verhandelten immer wieder mit den Verkehrsbetrieben, führten Urabstimmungen um das Für und Wider unter den Studierenden durch. Verschiedene Universitäten, verschiedene Meinungen, an Homogenität mangelte es lange. Aber auch die andere Seite, die Verkehrsunternehmen, verstrickte sich, verhandelte mit verschiedenen Partnern und verschiedenen preislichen Vorstellungen.

Mitte der neunziger Jahre lagen die zu verhandelnden Beträge zwischen 110 und 205 Mark, die Höhe abhängig von der jeweiligen Verhandlungspartei. In der Zwischenzeit hat die BVG enorme Preiserhöhungen durchgeführt und so die Verhandlungsbasis für das Semesterticket auf über 200 Mark hochgeschraubt. Die momentan angestrebten 215 Mark haben bei der studentischen Koordinationsgruppe erst nach eingehenden Verhandlungen Zustimmung gefunden. Dabei ergibt schon eine einfache Kalkulation, dass diese 215 Mark eine recht große Ersparnis für die Studierenden bedeuten würde. Momentan kommen diese auf einen 6-Monatsschnitt von rund 470 Mark.

Auch die Studierendenvertreter scheinen diese Zahl inzwischen als Erfolg zu werten. Doch gibt es immer noch Unstimmigkeiten über verschiedene Details wie z.B. die Bezahlung des Tickets, die zu Semesterbeginn mit dem Studentenbeitrag fällig werden soll. Auch wird argumentiert, dass die Mehrzahl der Studenten nicht ganzjährig auf ein Ticket der BVG zurückgreift, sondern im Schnitt nur fünf Monatskarten erwirbt. Alternative Fortbewegungsmittel, wie das beliebte Fahrrad oder bei vielen auch das Auto, treten an die Stelle des öffentlichen Nahverkehrs.

Daher sehen viele Studenten das Semesterticket nicht unbedingt als Entlastung und soziale Leistung, sondern zu etwas gezwungen, was ihnen auf den ersten Blick wenig Vorteile verschafft. Oder sie lehnen grundsätzlich jeglichen Zwang ab.

So gibt es das Semesterticket bisher erst an der evangelischen Alice-Salomon-Fachhochschule, die mit gerade einem Prozent der Berliner Studierenden wenig repräsentativ ist. Ihre Entscheidung hingegen, den Vertrag der BVG anzunehmen, wird von studentischer Seite zu einer symbolbehafteten hochstilisiert.

Nun hat das Bundesverfassungsgericht mit seiner grundsätzlichen Entscheidung dem ganzen Hin und Her ein vorläufiges Ende gesetzt, und in Berlin beginnt vielleicht das letzte Semester ohne das »Zwangsticket«. Angekündigt ist das Semesterticket zum Preis von 215 Mark zum Sommersemester 2001, wenn sich die Studentenvertreter und die Verkehrsbetriebe auf die noch offenen Fragen geeinigt haben. Bisher stehen noch Entscheidungen darüber aus, ob so genannte soziale Härtefälle künftig kostenlos fahren dürfen oder welche Tarifzonen das Ticket umschließen wird. Sind diese Details ausgehandelt, kommt es zur wohl letzten Hürde, die genommen werden muss. Vor der endgültigen Einführung wird die Berliner Studentenschaft zu einer Urabstimmung aufgerufen werden. Auf Wahlbeteiligung und Ergebnis darf man gespannt sein. (kl)

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