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Der geheime Code der Liebe : Mein Partner sucht erotische Abenteuer mit anderen Frauen

Sehr geehrte Frau Peirano,

seit 3 Jahren bin ich mit meinem Partner zusammen. Wir haben uns kennengelernt nachdem ich 2 Jahre zuvor meinen Ehemann an Krebs verloren hatte und als alleinerziehende Mutter wieder die ‚Frau‘ in mir entdecken wollte. Unsere Beziehung stand anfangs vor allem unter dem Stern des Vergnügens. Ich wollte wieder das Leben genießen und nicht an morgen denken. Am Anfang unserer Beziehung hat mein Freund klargestellt, dass er seinen Freiraum benötigt. Zu dem Zeitpunkt hat er sich auch mit anderen Frauen getroffen und das habe ich toleriert und akzeptiert. Er hat auch einige Frauen in seinem Freundeskreis, die er regelmäßig trifft und mit ihnen abends weggeht.

Nach einiger Zeit wurden die Gefühle auf beiden Seiten tiefer und nach anderthalb Jahren zog mein Freund zu mir und meiner Tochter in die Wohnung. Seitdem leben wir als Familie zusammen. Er hat mir erklärt, dass er noch nie eine Frau wie mich an seiner Seite hatte und dass er gerne die Vaterrolle für meine Tochter übernehmen möchte. Außerdem versprach er mir treu zu sein. Treue bedeutet für mich, dass man mit keinem anderen Menschen schläft und auch keine anderen sexuellen Praktiken ausübt. Das habe ich ihm auch gesagt. Mir ist klar, dass das Leben manchmal Gelegenheiten bietet, denen vor allem Männer nicht widerstehen können. Daher habe ich meinem Freund gesagt, dass wir offen über Wünsche reden sollten und wenn es zum Äußersten kommen sollte, ich mir wünsche Bescheid zu wissen.

Seit diesem Zeitpunkt haben sich für mich die Regeln geändert, aber wie ich erfahren musste, hat er seine Regeln nicht verändert. Er trifft sich weiterhin mit seinen Freundinnen und wir haben abgemacht, dass das in Ordnung geht, sofern ich sie kennenlernen darf. Freundschaft kann ich tolerieren, auch wenn es sich schon seltsam anfühlt, wenn ich alleine auf dem Sofa sitze (wg. Kind zu Hause bleiben muss) und er bis spät in die Nacht mit Bekannten ausgeht.
Er gewährt mir dieselbe Freiheit, allerdings habe ich keine männlichen Freunde. Ich gehe also auch ab und zu mit meinen Freundinnen aus und er passt dann aufs Kind auf.

Nun hatte ich in zwei Fällen ein seltsames Bauchgefühl und hatte die Befürchtung, dass bei diesen Frauen mehr als Freundschaft dahinter steckt. In beiden Fällen habe ich durch seine Nachlässigkeit (Hotelrechnung im Altpapier entsorgt, am gemeinsamen Rechner Hotel gebucht) von seinem Stelldichein mit einer anderen Frau erfahren. Es war in beiden Fällen keine Übernachtung, sondern ‚nur‘ stundenweise am Nachmittag. Dennoch ist klar, dass in dieser Zeit alles passiert sein könnte.

Ich habe ihn zur Rede gestellt und er hat in beiden Fällen zugegeben, die Frauen massiert zu haben. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Mal hat er mir gesagt, dass es nicht wieder vorkommt. Bevor ich ihm die Beweise vorgelegt habe, hat er alles geleugnet und mich als übereifersüchtige Frau dargestellt, die ein Problem mit sich selbst hat. Mein Vertrauen in ihn ist erschüttert. Mein Herz schmerzt und ich bin sehr traurig. Diese beiden Fälle lagen nur 4 Monate auseinander und nach dem ersten ‚Fall‘ hat er mir einen Heiratsantrag gemacht, um mir zu verdeutlichen, dass er nur mich liebt und neben mir keine andere Frau eine Chance hat.

Wir erleben viele schöne Momente zusammen und er ist ein toller ‚Ersatzpapa‘ für meine Tochter. Mir ist unser gemeinsames Leben sehr wichtig und in allen anderen Punkten passen wir wunderbar zusammen. Daher habe ich mich entschieden unserer Beziehung nicht zu beenden sondern daran zu arbeiten. Er sagt ihm fehlt nichts in unserer Beziehung und auch unsere Sexualität lässt bei ihm keine Wünsche offen. Ich bin durchaus freizügig und bin auch nicht abgeneigt neues zu probieren. Mein Ego hat sehr damit zu kämpfen, dass ich mir mehr Sex wünsche als er mir geben kann. Wir schlafen alle 1-2 Wochen miteinander, denn er hat nicht öfter Lust. Und dann werde ich von ihm betrogen – denn so fühlt es sich für mich an. Es ist ja nicht einmal so, dass er einen One-Night-Stand mit einer X-beliebigen Person hat. Er plant diese ‚Ausflüge‘ mit Frauen, die er gut kennt und die er als Freundinnen bezeichnet. Er hat mir erklärt, dass es sein Ego ist, dass diese Bestätigung von anderen Frauen benötigt und sein Selbstwertgefühl so steigt.

Wie kann ich mein Vertrauen in Ihn wieder gewinnen? Zur Zeit würde ich am liebsten sein Handy durchsuchen und jeden seiner Schritte verfolgen. Aber das ist keine Lösung und auch kein Leben. Mein Selbstwertgefühl liegt am Boden, dabei bin ich so eine tolle Frau!
Kann ich von ihm eine Therapie verlangen? Er sagt das Problem sei er und nicht ich. Ist eine Paartherapie da überhaupt sinnvoll?

Danke im voraus!

LG
Jenny I.

Liebe Jenny I.,
es hört sich für mich so an, als wenn Ihr Partner in vielen Punkten sehr gut zu Ihnen passt, aber in einem nicht oder nicht mehr: Seine Auffassung von Treue ist eine andere als Ihre. Als Sie sich kennen gelernt haben, ging es Ihnen beiden um Vergnügen und jeder hatte seinen Freiraum. Er konnte sich mit anderen Frauen treffen (und mit ihnen alles mögliche machen) und Sie waren damit einverstanden.
Ich denke, dass Ihr Partner in genau diesem Partnerschaftsmodell geblieben ist. Für ihn ist es ein tiefes Bedürfnis, neben einer festen Beziehung mit Ihnen noch erotische Begegnungen mit anderen Frauen zu haben. Er kann das nicht aufgeben und geht lieber in die Heimlichkeit, um Ihnen gegenüber keine Rechenschaft ablegen zu müssen.
Sie hingegen haben sich verändert. Mit der festeren Verbindung und tieferen Partnerschaft kam in Ihnen der Wunsch nach Treue und Exklusivität. Ihr Partner hat mit seinem Verhalten klar gezeigt, dass er damit nicht einverstanden ist. Er trifft seine Freundinnen im Hotel, scheint diese Treffen zu seiner Bestätigung zu brauchen und konnte damit auch nicht aufhören, als er merkt, wie verletzt Sie darüber sind.
Ich befürchte, dass Sie mit Ihrem Partner keine klassisch monogame Beziehung nach Ihren Vorstellung werden leben können. Es würde immer wieder zu Enttäuschungen und Vertrauensbrüchen kommen. Und wie Sie selbst sagen: Kontrolle ist keine gute Lösung, sondern reibt Sie nur auf, zerstört das Vertrauen und führt zu noch mehr Heimlichkeiten. Wenn Sie an der jetzigen Partnerschaft festhalten wollen, empfehle ich Ihnen, der Realität ins Auge zu sehen und nicht den Partner zu wechseln, sondern über ein neues Beziehungsmodell nachzudenken.
Als Einstieg empfehle ich Ihnen das Buch: "Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe " von Hoger Lendt und Lisa Fischbach. Die beiden Psychologen kommen zu der Erkenntnis, dass viele Paare mit der Forderung nach unzerbrüchlicher Treue an ihren Bedürfnissen vorbei leben und in vielen Fällen eine ehrliche Unterhaltung über die Bedürfnisse nach sexuellen oder erotischen Begegnungen mit anderen Partnern angebracht wäre.
Bei Ihnen und Ihrem Partner klingt es so, als wenn Sie beide von einer Öffnung der Beziehung profitieren könnten. Ihr Partner lebt dieses Modell sowieso schon heimlich und ihm scheint in einer exklusiven Beziehung etwas Wichtiges zu fehlen.
Sie selbst schreiben, dass Sie recht freizügig und experimentierfreudig sind und gerade nicht genug Sex mit Ihrem Partner haben. Vielleicht könnten auch Sie in anderen Beziehungen Dinge ausleben, die Sie in Ihrer Partnerschaft nicht bekommen.
Zudem wäre es kein Vertrauensbruch mehr, wenn Sie beide sich gegenseitig diese Freiräume einräumen und Spielregeln festlegen. Wichtig wäre, dass Sie genau vereinbaren, ob und wie Sie über die Außenbeziehungen sprechen. Bei vielen Paaren, die eine offene Beziehung führen, ist der ehrliche Austausch darüber die wichtigste Voraussetzung!
Ich empfehle Ihnen, sich in diese Richtung vorzutasten und selbst zu entscheiden, ob das etwas für Sie beide sein könnte.
Und noch etwas: Der Heiratsantrag scheint zu diesem Zeitpunkt etwas unpassend und überstürzt zu sein, da Sie gerade ein grundlegendes Problem haben. Ich würde mit der Hochzeit warten, bis Ihre Probleme geklärt sind.
Alles Gute für Sie!
Ihre Julia Peirano

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Julia Peirano

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.