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Ganz viel Körper: Fett, nackt und verliebt

Ob eine Beziehung beide Partner glücklich macht, kann man Paaren oft schon aus der Ferne ansehen: an ihrer Körpersprache und daran, wie sie miteinander umgehen. Da bekommt das Wort Schönheit eine ganz neue Bedeutung.

Welches Verhältnis wir zu unserem Körper haben, wird von vielen Einflüssen geprägt, die ersten wirken schon in der Kindheit auf uns ein. Da werden Vorbilder und Ideale geprägt. So werden manche zu Leseratten, andere zu Sportskanonen, wieder andere leben ihre soziale Ader aus und werden gleich zum Klassensprecher gewählt, manche bleiben erst einmal in sich gekehrt und finden ihren Weg oder ihre Leidenschaft erst später. In der Pubertät verändert sich der Körper und oft auch unser Blick auf ihn. Wir fangen an, uns mit anderen zu vergleichen und nehmen Unterschiede bewusster wahr. Zum Beispiel unsere Figur. Und die vorherrschende Meinung, dass schlanke Menschen attraktiver sind. Für Dicke beginnt ein Höllentrip.

Um dem eingeschränkten, von oberflächlichen Kriterien beeinflussten Blick etwas entgegenzusetzen, um zu zeigen, dass Schönheit nicht an einer Kilogrammzahl auf der Waage endet, hat die Fotografin Substantia Jones das Adipositivity Project ins Leben gerufen. Der zusammengesetzte Begriff (adipös und positiv) weist bereits darauf hin, was ihre Intention ist: die Akzeptanz menschlicher Größenvariationen. Jones möchte zur Diskussion der Körperpolitik anregen, nicht indem sie die Verdienste dicker Menschen herausstellt, sondern indem sie "fette Körperlichkeit" zeigt, wie sie es nennt. Sie zeigt, was sonst verborgen bleibt und will damit die Definition von physischer Schönheit erweitern. Im wörtlichen Sinn.

Jones lebt in New York, in Manhattan genauer gesagt, und hat mit ihren Fotos bereits diverse Preise gewonnen. Doch Fotografie ist nicht ihre einzige Leidenschaft, sie moderiert auch eine Radioshow, befüllt die Tumblr Smile, Sizeist! und Uppity Fatty und hält Vorlesungen. Mit ihren Arbeiten zeigt sie, dass es keinen Grund gibt, sich zu schämen, nur weil der eigene Körper anders aussieht als ein anderer. Jones hat mit ihren Arbeiten bereits geholfen, für eine "Fett-Akzeptanz" zu sorgen. Ein Drittel der Amerikaner ist stark übergewichtig, Jones will erreichen, dass niemand wegen seines Gewichts – ebenso wenig wie wegen seiner Hautfarbe, sexuellen Ausrichtung oder anderer scheinbarer Minderheitenattribute – ausgegrenzt wird. Oder sich gar selbst aus der Gesellschaft ausgrenzt. Und: Das Wort fett ist für Jones keine Beleidigung.

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