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Moderatorin prangert Sexismus bei Youtube an: "Du solltest schärfere Kleidung tragen"

Warum moderieren nicht mehr Frauen Wissenschaftssendungen? Moderatorin Emily Graslie vermutet, es liegt an den sexistischen Zuschauerkommentaren - und zitiert die schlimmsten in ihrer Sendung.

Von Daniel Bakir

Einmal die Woche präsentiert Emily Graslie in ihrer Sendung "The Brain Scoop" Kurioses und Wissenswertes aus dem Fundus des Naturkundemuseums Chicago. Das Format kommt an, der Youtube-Kanal hat 175.000 Abonnenten. Emily Graslie hat sichtlich Spaß dabei, nur eines vermiest ihr die Arbeit regelmäßig. "Frustrierende, negative und sexistische Kommentare, die ich täglich bekomme." Die überwiegende Mehrheit der Kommentare sei zwar positiv und ermutigend, doch warum zwischendurch immer wieder dieser ganze Schmutz?

Diese Woche reichte es Graslie, und sie machte die schmutzigen Kommentare zum Thema ihrer Sendung. Sie vermutet, dass solche Kommentare gerade im männerdominierten Feld der Naturwissenschaften und Technik, Frauen davon abhalten, Sendungen wie ihre zu machen. "Wir haben Angst vor den Rückmeldungen unserer Abonnenten und Kommentatoren, weil wir Angst haben, dass unsere Zuschauer mehr auf unser Äußeres achten, als auf die Qualität unserer Inhalte", sagt Graslie.

"Bizarrer Lesben-Porno"

Um zu demonstrieren, was sie konkret meint, lässt sie einen Kollegen ein paar dieser Kommentare vorlesen. Einer lautet: "Sie braucht einfach eine Brille, die sexy ist. Ich kann nicht aufhören, ihre Nase anzustarren. Sie sieht so seltsam aus, wie eine Art nerdiges Schweinchen." Ein anderer: "Emily, auch wenn deine Kleidung es verbirgt, scheint es mir, als ob du darunter ziemlich heiß aussiehst. Vielleicht solltest du etwas schärfere Kleidung tragen." Und ein weiterer: "Sie ist wirklich süß. Aber es scheint, als ob sie sich selbst absichtlich unattraktiv macht."

Solche Kommentare erzeugten einen Druck, dass Frauen alles mitbringen müssen: Sie sollen nicht nur intelligent und wortgewandt sein, sondern auch noch attraktiv, beklagt Graslie. Besonders unangenehm wird es für sie, wenn die Gäste ihrer Show gleich mitverunglimpft werden, von "bizarrem Lesben-Porno" oder ähnlichem schwadroniert wird. Es sei ganz schön seltsam zu wissen, dass der Gast diese absurden Kommentare möglicherweise ebenfalls lese. Schließlich fordert Graslie auch die Männer auf, das Thema Sexismus und Internet-Mobbing endlich ernst zu nehmen - und die Frauen, sich nicht entmutigen zu lassen.

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