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Bildung: Jungs geraten ins Abseits

Immer mehr männliche Schüler und Jugendliche geraten auf dem Weg ins Berufsleben ins Abseits. Grund: Die Gesellschaft kümmert sich zu wenig um sie.

"So richtig und erfolgreich besondere Förderungen der Mädchen in den vergangenen Jahrzehnten war, die Jungen sind darüber vernachlässigt worden", heißt es in einer Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, sagte dazu: "Jetzt macht nicht mehr nur der Papst gegen den Feminismus mobil, sondern auch der DIHK."

Der DIHK-Studie zufolge haben Mädchen im Schnitt die besseren Schulabschlüsse und Noten. Es gebe unter ihnen weit weniger Sitzenbleiber und Schulabbrecher als unter den Jungen. Das habe Folgen: Junge Männer im Alter unter 25 sind von Arbeitslosigkeit weit häufiger betroffen als gleichaltrige Frauen. Von 100 Jugendlichen ohne Job sind laut der Untersuchung fast zwei Drittel männlich. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben forderte im "Hamburger Abendblatt", die Jungen müssten mit gezielter Förderung aus dem Abseits geholt werden.

Frauen sucht man vergebens in den Führungsetagen der Wirtschaft

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Schewe-Gerigk, räumte ein, junge Männer seien in einer Welt, in der "typische weibliche Fähigkeiten" immer relevanter würden, zunehmend verunsichert. "Sie brauchen männliche Vorbilder, in Schulen und Kindergärten, die ihnen eine neue Idee von Männlichkeit geben können." Die Grünen-Politikerin rief die Männer deshalb dazu auf, "ihre erzieherische Verantwortung für den männlichen Nachwuchs zu übernehmen".

Dass Jungen wegen der Mädchen vernachlässigt würden, wies Schewe-Gerigk zurück. "Obwohl Frauen heute inzwischen über bessere Schulabschlüsse verfügen als Männer, sucht man sie in den Führungsetagen der Wirtschaft und an den Schalthebeln der Macht vergeblich." Daneben verdienten sie immer noch im Schnitt 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. "Wo bleibt hier der Aufschrei des DIHK?", fragte Schewe-Gerigk.

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