bochum »Eine offene und kooperative Atmosphäre«


RUB-Rektorat verhandelte mit NRW-Wissenschaftsministerium

RUB-Rektorat verhandelte mit NRW-Wissenschaftsministerium

Bald ist es amtlich: Die Lehrerausbildung an der Ruhr-Universität Bochum wird es ab dem Wintersemester 2002/03 in der Form, wie sie zur Zeit an der Hochschule im Herzen des Ruhrgebiets praktiziert wird, nicht mehr geben. Das machte Professor Dr. Dietmar Petzina vergangene Woche auf einer Pressekonferenz des Universitätsrektorats unmissverständlich deutlich. »Es herrschte eine offene und kooperative Atmosphäre«, kommentierte der Rektor der RUB die Gespräche mit dem NRW-Wissenschaftsministerium, die am 20. März in Bochum statt fanden.

Anlass für die Unterredung war ein von einer Expertenkommission im Auftrag des Ministeriums erstellter Bericht, der sich mit der aktuellen Situation an den NRW-Hochschulen auseinandersetzt (Die Bochumer Uni-Reporter berichteten). Die Experten empfahlen, die Lehrerausbildung zugunsten der Dortmunder Universität in Bochum einzuschränken, sie forderten eine stärkere Kooperation im Bereich der Ingenieurswissenschaften und schlugen die Schließung der theologischen Fakultäten und der Sektion für Publizistik vor. Rektor Petzina: »Wir haben die Forschungsqualität und das Leitbild der RUB diskutiert und problematisiert und unseren Standpunkt deutlich gemacht.« Die Universität wolle am Konzept der Voll-Universität fest halten, sich aber regional kooperationsbereiter zeigen.

Im Bereich der Lehrerausbildung möchte die Ruhr-Uni in Zukunft eine Vorreiterrolle spielen. Bereits seit 1993 läuft das Projekt eines gestuften Magister-Studiengangs, das sogenannte »M.A.-Reformmodell«. Dieses Modell ermöglicht es den Studenten, bereits nach sechs Semestern den international anerkannten BA-Abschluss zu machen, um sich im weiteren Verlauf des Studiums dann in einem Fach zu spezialisieren und den Master-Titel zu erlangen. Ein solch konsekutiv gestuftes Modell soll jetzt auch im Lehramt an der RUB eingeführt werden, die Referendariatsphase an die Universitätsausbildung rückgekoppelt werden. Petzina ist sich sicher, dass auch das Ministerium grünes Licht für Planungen in diese Richtung geben wird: »Ich bin zuversichtlich, dass kein anderer Standort hier so gute Voraussetzungen hat wie die Ruhr-Universität.«

Auch für angehende Maschinenbauer wird sich in Zukunft einiges ändern, geht es nach dem Willen der Universitäten Dortmund und Bochum. Bereits ab dem kommenden Wintersemester möchten die beiden Hochschulen einen gemeinsamen Studiengang Maschinenbau anbieten. Demnach soll jeder Standort das Grundstudium anbieten, im Hauptstudium können die Studenten ihre Vertiefungsrichtung dann aus den Angeboten der beiden Unis frei kombinieren.

Ebenfalls von Kooperationsbestrebungen betroffen sind die Bauingenieure. Petzina: »Es gibt nur zwei Lösungen für unser Problem: Entweder die Fusion zweier Fakultäten wird von oben herab diktiert oder aber wir erkennen die Vorteile einer Kooperation mit den Nachbaruniversitäten.« Petzinas Blick richtet sich dabei allerdings nicht nur auf die Uni in Dortmund. »Wir sind auch nach Westen offen«, stellt der Rektor mögliche Zusammenarbeit mit Essen und Düsseldorf in Aussicht. Petzina geht sogar noch weiter: »Vielleicht können wir auch eine ,Westfälische technische Universität' etablieren.«

Im Bereich der Theologien hat die RUB leider nur wenig mitzureden. »Wir sind zwar in diesem Bereich ein passives Objekt von Entscheidungen, wollen aber in die Verhandlungen von Kirchen und Ministerium mit einbezogen werden«, machte Petzina den Standpunkt der Ruhr-Uni deutlich. Für ihn gehöre die Theologie zum Konzept einer Voll-Universität.

»Die Publizistik in der bisherigen Form wird in Bochum zugunsten eines neu im Aufbau befindlichen Studienganges 'Medienwissenschaften' aufgehoben«, geht ganz klar aus einer Pressemitteilung der RUB vom 21. März 2001 hervor - für das Rektorat ein notwendiger Schritt. »Der neue Studiengang wird einen philologisch-ästhetisch und einen sozialwissenschaftlich orientierten Zweig enthalten«, so Petzina. Während der eine Zweig auch Fächer wie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft abdecken soll, wird der sozialwissenschaftliche Bereich Themenfelder wie Medienrecht, Medienwirtschaft und Medienpädagogik beinhalten.» Auch die Vertreter des Ministeriums zeigten sich von der Idee einer Neuausrichtung der Publizistik angetan, erste Ergebnisse sind aber nicht vor dem Sommer zu erwarten. «Wir stecken derzeit noch in der Planungsphase», verdeutlichte RUB-Pressesprecher Dr. Josef König den Stand der Entwicklungen.

Was bereits vorher klar war: Die Ergebnisse der Gespräche mit dem NRW-Wissenschaftsministerium werden in einer Rechtsverordnung münden. Ein erster Entwurf soll bereits am 5. oder 6. April vorliegen. Danach ist die Politik gefragt. Petzina: »Im Laufe des Mai findet dann ein parlamentarischer Beratungsprozess in Düsseldorf statt.« (sf)


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