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bochum: Aus für Lehrerausbildung, Theologien und Publizistik?

Universitätsverwaltung widerspricht Empfehlungen der NRW-Expertenkommission

Universitätsverwaltung widerspricht Empfehlungen der NRW-Expertenkommission

Im vergangenen Jahr verkündete die Zeitung Rubens, das offizielle Organ der Ruhr-Universität, die Fusion der Bochumer und Dortmunder Hochschulen. »BoDo« sollte das neue Gebilde heißen. Damals stellte sich diese Nachricht bei eingehender Betrachtung als Aprilscherz heraus, bald jedoch könnte aus dieser witzigen Vision bitterer Ernst werden. Diese Vermutung legt jedenfalls die Lektüre der Empfehlungen der von der Landesregierung NRW eingesetzten Expertenkommission nahe, die die nordrhein-westfälische Hochschullandschaft unter die Lupe genommen hat.

In dem vor kurzem vorgelegten Abschlussbericht, der allein der Ruhr-Uni 23 Seiten widmet, empfehlen die Experten eine stärkere Zusammenarbeit mit der Nachbarhochschule. So heißt es in den Ausführungen des Rates: »Eine enge Kooperation bietet sich vor allem mit der nur 20 Kilometer entfernten Universität Dortmund an.« Bei dieser Zusammenarbeit sollte laut Expertenbericht vor allem auf Synergieeffekte bei den Ingenieurwissenschaften und der Lehrerausbildung gesetzt werden. Das würde bedeuten, dass die Ruhr-Uni zum Beispiel kein eigenes Lehrerbildungszentrum unterhält, sondern auf Ressourcen in Dortmund zurückgreift, die Lehrerausbildung folglich von der Nachbarstadt aus koordiniert wird.

Gegen diese Vorschläge stellt sich Professor Dr. Dietmar Petzina. In einer Pressemitteilung, die kurz nach Vorlage der Empfehlungen des Expertenrates erschien, unterstrich der Rektor der Ruhr-Universität die vorzügliche Eignung seiner Hochschule für die Erprobung eines neuen Modells universitärer Lehrerausbildung. Offensichtlich habe der Expertenrat das neue Konzept noch nicht berücksichtigen und würdigen können.

Doch die Empfehlungen des Expertenrates gehen noch weiter. So legt der Rat eine Schließung der theologischen Fakultäten nahe. Nach Meinung der Experten sollte ein Verbleib der Theologien mit dem Verbleib der Magister- und Lehramtsstudiengänge in den klassischen Philologien verknüpft werden. Auch hier stellt sich die Universitätsleitung quer: »Das Ruhrgebiet darf nicht zu einer theologiefreien Zone verkümmern«, bekräftigt Rektor Petzina in einer Pressemitteilung vom 2. März. Der Expertenrat widerspreche sich selbst, wenn er der Ruhr-Uni das Prädikat »Volluniversität« zugestehen wolle, allerdings eine Schließung der theologischen Fakultäten empfehle. Weiterhin heißt es in der Pressemitteilung: »Die Schließung der theologischen Fakultäten würde nicht nur den Abschied von der Volluniversität in Bochum signalisieren, sondern zugleich den Rückzug der Theologie aus der Wissenschaftslandschaft des bevölkerungsreichsten Ballungsraums Nordwesteuropas.«

Wenn es nach dem Willen der Expertenkommission geht, droht auch der Sektion für Publizistik und Kommunikation das baldige Aus. Die Experten begründen ihre Entscheidung mit dem sehr geringen fachlichen und an den Interessen der Studenten und zukünftiger Arbeitgeber vorbei gehenden Angebot der Sektion. Zudem verweist der Expertenrat auf den wesentlich praxisbezogeneren Studiengang Journalistik in Dortmund. So heißt es über den Dortmunder Studiengang: »Das Institut bedient sich im starken Maße Lehrbeauftragter aus der Praxis, so wie überhaupt der Praxisbezug eine Besonderheit der Dortmunder Journalistik-Ausbildung ist.« Doch ein Blick in das Vorlesungsverzeichnis der Bochumer Sektion für Publizistik offenbart ein ähnliches Bild. Im vergangenen Jahr war niemand geringerer als der anerkannte Journalist und Weltenbummler Peter Scholl-Latour als Lehrbeauftragter am Institut tätig - die Bochumer Uni-Reporter berichteten -, und auch im nahenden Sommersemester warten die Bochumer Kommunikationswissenschaftler wieder mit einer Reihe externer Dozenten auf.

Zum Thema Publizistik schweigt sich die Ruhr-Universität zur Zeit noch aus. Weder auf den Internet-Seiten der publizistischen Sektion noch auf den Seiten der Ruhr-Uni-Verwaltung ist eine Stellungnahme zur Schließung der zur Disposition stehenden Lehrstühle zu finden. Dr. Josef König, Pressesprecher der Ruhr-Universität, ist sich zwar der Schwächen der publizistischen Sektion bewusst, möchte aber erst einmal das Gespräch zwischen RUB-Rektorat und Vertretern des NRW-Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung abwarten, bevor er zu einer Stellungnahme bereit ist. Und genau diese Unterhaltung ist für den 20. März angesetzt. König: »Die Ergebnisse des Gesprächs sollen in einer Rechtsverordnung münden, die dann dem NRW-Landtag vorgelegt wird.« Gibt der grünes Licht, könnten bereits erste Veränderungen ab dem Wintersemester 2001/02 an den NRW-Unis greifen. (sf)

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