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BOCHUM: Qians Traumland im Ruhrgebiet

Chinesischer Garten steht wieder als Ruhepol zur Verfügung

Chinesischer Garten steht wieder als Ruhepol zur Verfügung

Manchmal hat man Glück und kann auch zu Beginn des Wintersemesters noch ein bisschen Sonnenschein außerhalb der Hörsäle genießen. Gerade im goldenen Oktober zieht es viele Menschen nach draußen, bevor es endgültig kalt und ungemütlich wird. Der Kemnader Stausee wird noch einmal zum beliebten Studentenziel und auch in Essen oder Düsseldorf gibt es hübsche Orte zum Bummeln, Inline Skaten oder Seele baumeln lassen. Doch was tun zwischen zwei Seminaren? Wo »mal eben« eine halbe Stunde auftanken, wenn man an der Uni ist? Im vermeintlich allumfassenden Betongrau der Ruhr-Universität Bochum gibt es tatsächlich einen Platz der Ruhe und der Entspannung. Fast ein wenig versteckt liegt im Botanischen Garten der Revieruni ein Kleinod, das nach langer Sanierung ab sofort wieder den Angehörigen der Uni und Besuchern zugänglich ist - der Chinesische Garten.

Ein wenig unvermittelt taucht er auf, fast als wollte er für jeden Besucher immer wieder eine neue Überraschung sein. Die Pavillons, Wege und Miniatur-Landschaften sind umgeben von einer schlichten weißen Mauer, die einen Garten im Garten umgrenzt - abgeschlossen und offen zugleich. Maueröffnungen, Pagodendach und die flüchtig erlaubten Blicke ins Innere machen neugierig. Die Flügeltür lädt ein in die Eingangshalle. Mit einem Schritt steht man in China, weit weg von Bochum und dem Ruhrgebiet. Ein Wandelgang führt durch Qians Garten.

Verzauberte Atmosphäre

Der Name des Gartens »Qian Yuan« ist eine Referenz an den chinesischen Literaten Tao Qian, der im vierten Jahrhundert erstmals vom Pfirsichblütenland erzählte. Die Philosophie dieses abgeschnittenen Traumlandes voller Poesie und im Einklang mit der Natur zeigt sich an jeder Ecke der Anlage. Im südchinesischen Stil erbaut, trägt die Schlichtheit der natürlichen Materialien wie Holz, Ziegel und Stein ebenso zur verzaubert-poetischen Atmosphäre bei wie die ruhigen Farben weiß, schwarz, grau und dunkelrot.

Der Besucher geht langsam weiter zur Haupthalle. Die Aussicht über den gesamten Garten erschließt auch dem ungeübten Blick die Harmonie der vielen kleinen Details. Der Wasserpavillon ist ebenso eine Entdeckung wie die Ziegelschnitzereien und der alte Brunnen, der seinen Platz in einer Mauernische gefunden hat. Chrysanthemen setzen mit ihren gelben Blüten kleine Farbkleckse in die unwirkliche Idylle.

Die Ruhe des Gartens lässt jeden Besucher innehalten. Landschaftsbilder aus Felsen, Höhlen und kleinen Hütten bieten dem staunenden Betrachter einen kleinen Ausschnitt der Natur Chinas. Dazwischen immer wieder Wasser: Brunnen, Teiche und sogar ein Wasserfall zeigen das Element in allen Formen. Zwischen Ruhe und Bewegung bleibt das Zusammenspiel harmonisch, repräsentiert die Philosophie des Yin und Yang.

Der Rundgang dauert nicht lange, denn groß ist der Garten nicht. Das muss er auch nicht sein, so viele Einzelheiten auf so kleinem Raum beschäftigen das Auge jedes Mal aufs Neue. Und irgendwann findet jeder Besucher seinen eigenen Ort im Traumland von Qian - zum Ausruhen, Nachdenken oder um sich an der Überraschung eines kleinen Stücks von China mitten im Ruhrgebiet zu freuen. (ts)

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