HOME

BOCHUM: Wie konnten Ärzte so etwas tun?

Medizinhistorische Ausstellung an der Ruhr Universität

Medizinhistorische Ausstellung an der Ruhr Universität

»Er war ein hochintelligenter und gebildeter, kalter Zyniker, der sich des Unrechts des gesamten Geschehens in Auschwitz voll bewusst war.« Dieser Satz charakterisiert »Dr. Auschwitz« Josef Mengele, der wie keine andere Person in der Geschichte der Medizin dafür steht, den hippokratischen Eid missbraucht und mit Füßen getreten zu haben. Der Lagerarzt des KZ Auschwitz-Birkenau, erlangte seinen Platz in den Geschichtsbüchern als Symbol der Willkürherrschaft in den Konzentrationslagern durch seine vererbungswissenschaftlichen Zwillingsversuche.

Eine bemerkenswerte Ausstellung der Universität Erlangen begibt sich auf die Suche nach dem Begreifen dieser pervertierten Wissenschaft und ihrer Täter. Bis zum 27.01.2002 ist die Ausstellung »gewissenlos - gewissenhaft. Menschenversuche im Konzentrationslager« noch in der Medizinhistorischen Sammlung der RUB im Bochumer Malakowturm zu sehen.

Die Ausstellung zeigt zunächst die wissenschaftlichen, juristischen und ideologischen Hintergründe auf, wobei auch ein Rückblick auf die Geschichte der Menschenversuche bis in die Antike geboten wird.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Versuche mit Fleckfieber und Gasbrand, in Unterdruckkammern und vor allem die grauenhaften Zwillingsversuche des Josef Mengele. Die Versuche zeigen, dass wissenschaftliche Forschung längst nicht der einzige Grund für die Taten war - militärische und wirtschaftliche Interessen spielten eine ebenso große Rolle.

Außerdem dokumentiert die Ausstellung die Aufarbeitung der Verbrechen im Nürnberger Ärzteprozess und die anhaltende Gewissenlosigkeit der Täter. »So hat mir, wie ich mich bemühte zu zeigen, das Dritte Reich ... auf ärztlichem Gebiete eine große Chance gegeben. Ich habe die Chance genutzt.« sagte Karl Gebhardt 1947 und steht damit exemplarisch für viele der verbrecherischen Mediziner, die sich auf ihren Forscherdrang beriefen.

Willkürherrschaft der KZ-Ärzte

Die klare Struktur der Ausstellung und die aussagekräftigen Bilder und Exponate verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Opfer werden nicht »präsentiert«, nur vereinzelt finden sich Bilder oder Zitate. Diese wenigen Aussagen reichen aus, um die Willkürherrschaft der KZ-Ärzte widerzugeben. »Ungefähr eine Woche nach meiner ersten Operation kam [der KZ-Arzt] Rosenthal in betrunkenem Zustand in unser Zimmer. Wir fragten ihn, warum wir operiert waren, und er antwortete? weil ihr junge Mädchen seid und polnische Patrioten'.«

In Bochum ist die Ausstellung kostenlos zu besuchen und wird von einem Vortragsprogramm begleitet. Alle vierzehn Tage werden Wissenschaftler zu unterschiedlichen Aspekten des Themas »Medizin und Ethik« sprechen. Das Programm der Reihe ist im Internet abrufbar.

Zusätzlich zu den öffentlichen Führungen, die jeden Sonntag um 14.00 Uhr angeboten werden, ist die Ausstellung online zu besuchen.

Weitere Informationen, auch zu Gruppenführungen, gibt es unter der Telefonnummer 0234 / 32-23394. (ts)

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity