Deutsche Sprache Keine Lobby, keine Schüler


In fremden Ländern hat man für die Sprache der Dichter nicht mehr viel übrig. Schuld daran sind zu wenig Geld und zu viel Grammatik. Deutsch ist eine Fremdsprache ohne Sex und ohne Lobby.

Deutsch gerät als zweite Fremdsprache im Ausland zunehmend ins Hintertreffen. "Dies liegt vor allem daran, dass Deutsch den Ruf einer besonders schwer zur erlernenden Sprache hat", sagte der Direktor des Instituts für Auslandsgermanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Professor Hans Barkowski. Immerhin sitzen weltweit etwa 20 Millionen Menschen über Deutschbüchern oder -lernkassetten - nicht gerade wenig, aber auch kein Grund zum Jubeln. "Dies gibt zwar noch keinen Anlass zur Resignation, doch liegt vor allem Spanisch deutlich mehr im Trend." Kein Wunder - hat die spanische Sprache doch immerhin bekennende Fans wie Jennifer Lopez, Ricky Martin, Shakira und Salma Hayek auf ihrer Seite.

Barkowski verlangt in Zeiten der Globalisierung eine "deutsche Sprachenpolitik", die beispielsweise den Deutschunterricht an ausländischen Schulen stärker unterstütze. Und warum pflegen die Deutschen ihre Sprache nicht offensiver, wenn sie im Ausland unterwegs sind? Es sei "nicht einzusehen, dass deutsche Politiker im Ausland ihre Muttersprache nicht ebenso selbstbewusst verwenden wie ihre französischen Amtskollegen - erst recht nicht, wenn sie das Englische nur mangelhaft beherrschen", sagt der Germanist.

Die deutsche Sprache braucht neue Fans

"Deutsch als zweite Fremdsprache nach dem Englischen muss wieder mehr Gewicht erhalten", so die Forderung. Mit diesem Anliegen befasst sich auch der Internationale Deutschlehrerverband bei seinem diesjährigen Treffen in Jena. Zu der Tagung werden bis zum 28. Juli mehr als 80 Teilnehmer aus ebenso vielen Ländern erwartet. Sie wollen unter anderem ein Konzept für eine internationale Deutsch-Olympiade erarbeiten - in der Hoffnung, damit ein wenig sportlichen Ehrgeiz zu wecken.

Die meisten Deutsch-Lernenden im Ausland gibt es laut Barkowski mit 4,65 Millionen in der ehemaligen Sowjetunion. Danach folgten Polen mit 2,2 Millionen und Frankreich mit 1,6 Millionen. "Vor allem in Frankreich ist laut einer Studie zwischen 1995 und 2000 die Zahl der Deutsch-Lernenden um 127.000 gesunken. Das ist ein Rückgang von neun Prozent und damit eine durchaus ernst zu nehmende Entwicklung", sagte der Professor. Ebenso habe in Dänemark und in den USA das Interesse an Deutsch als zweiter Fremdsprache spürbar nachgelassen. Hingegen sei beispielsweise in Finnland, Griechenland, Japan und Mexiko Deutsch als zweite Fremdsprache stark im Kommen.

Deutschen Schulen im Ausland geht es schlecht

Ein Teil des Problems ist hausgemacht, denn den offensichtlichsten Anknüpfungspunkten für deutsche Sprache im Ausland fehlt das Geld: Die deutschen Schulen im Ausland sind nach Ansicht von Pädagogen in ihrer Existenz bedroht. "Wir haben Angst, dass unsere Strukturen kaputtgespart werden", sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Lehrer im Ausland, Waldemar Gries, bei der Hauptversammlung des Verbandes im niederbayerischen Passau. Der Schulfonds für die Auslandsschulen sei seit 1999 um 20 Millionen Euro auf 179 Millionen Euro zusammengeschrumpft.

Für die weltweit 117 deutschen Schulen im Ausland würden normalerweise rund 1300 Lehrer gebraucht. "Im vergangenen Jahr konnten aus finanziellen Gründen aber nur 1055 Lehrkräfte ins Ausland geschickt werden", erklärte Gries. Zudem hätten die Einrichtungen weniger Geld für die Bezahlung der einheimischen Lehrer und die Ausstattung der Schulen zur Verfügung.

In den deutschen Schulen im Ausland werden nach Angaben des Verbandes derzeit rund 60.000 Schüler aus den jeweiligen Gastländern sowie 17.000 deutsche Kinder unterrichtet. Dabei seien die Schulen weit mehr als eine Bildungseinrichtung, sondern Botschafter der deutschen Kulturpolitik.


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