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Anleitung zur Selbsterkenntnis: So verstehen Sie sich und Ihre Familie besser

Möchten Sie verstehen, wie Ihre Familie Sie prägt? Dafür brauchen Sie nicht gleich zum Psychologen zu gehen. stern.de zeigt Techniken, die jeder anwenden kann - um Erstaunliches zu entdecken.

Von Heike Dierbach

Die eigene Familie besser kennenlernen: Mit diesen Techniken klappt's.

Die eigene Familie besser kennenlernen: Mit diesen Techniken klappt's.

Die eigene Familie verstehen - das ist manchmal gar nicht so einfach. Gibt es Muster, die uns unbewusst prägen? Wie tickt die eigene Familie? Und hat das Durcheinander System? stern.de zeigt, mit welchen Techniken Sie auf Entdeckungsreise gehen können - und bei welchen Sie besser vorsichtig sein sollten.

Familienwappen: Wir Schulzes sind Füchse!

"Jeder ist seines Glückes Schmied." "Jeder Gang macht schlank." "Wer den Bogen überspannt, dem zerbricht er in der Hand!" Die nervigen Sprüche von Oma und Opa haben viele noch im Ohr. Für die Technik "Familienwappen" können Sie sie gut gebrauchen. Das Wappen zeigte im Mittelalter, wofür eine adlige Familie stand: Ein Degen bedeutete Freiheit, ein Hahn Wachsamkeit, ein Adler Macht. Heute sind diese Werte oft nicht mehr so leicht erkennbar, dennoch prägen sie uns. Das Familienwappen hilft, ihnen auf die Spur zu kommen.

Sammeln Sie zunächst alle Sprüche und typischen Verhaltensweisen, die sie von Ihren Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln erinnern. Welche Werte werden mit diesen Sprüchen transportiert? Leistung oder Lebenslust? Wagemut oder Vorsicht? Wenn Sie Ihre Familienwerte identifiziert haben, überlegen Sie, welche Symbole dazu passen. Ein Löwe könnte zum Beispiel für Ehrgeiz stehen, ein Dollarzeichen für das Streben nach Reichtum. Zeichnen Sie alle Symbole gemeinsam in ein Wappen. Welcher Eindruck entsteht dadurch von Ihrer Familie? Fühlen Sie sich selbst durch dieses Wappen gut vertreten? Wenn nicht, zeichnen Sie einen Gegenentwurf – Ihr ganz persönliches Wappen.

Genogramm: Ganz die Großtante

Ernest Hemingway nahm sich selbst das Leben, genau wie sein Vater, seine Schwester, sein Bruder und seine Enkeltochter. Nur Zufall? Oder Ausdruck einer problematischen Familiendynamik? Ein Genogramm kann wiederkehrende Phänomene in Familien aufspüren – negative, die man beenden möchte, aber auch positive, die man nutzen kann. Zeichnen Sie zunächst einen Stammbaum Ihrer Vorfahren und Verwandten, einschließlich Liebschaften und unehelicher Kinder. Im zweiten Schritt ergänzen Sie alles, was sie über die Personen wissen: Den frühen Tod von Uroma, die Alkoholsucht von Großonkel Albert, den Erfolg seiner Tuchfabrik...

Betrachten Sie die Gesamtheit dieser Lebensgeschichten. Sind Muster erkennbar? Gibt es Verhaltensweisen, in denen Sie sich wieder erkennen? Manchmal fallen dabei Merkmale auf, die man zwar übernommen hat, aber gern wieder loswerden würde. Andere Lebensgeschichten können auch Mut machen: Wenn Großtante Ilse es allein mit zwei Kindern geschafft hat, kann ich das auch!

Familienbrett: Alles kreist um Mama

In Ihrer Familie herrscht manchmal ein ganz schönes Durcheinander? Betrachten Sie sie einmal aus der Vogelperspektive. Mit dem Familienbrett ist das ganz einfach. Sie brauchen nur einen Tisch und ein paar Figuren, zum Beispiel Schachfiguren oder Playmobil. Geschirr tut es aber auch. Wählen Sie für jedes Familienmitglied, Sie eingeschlossen, eine passende Figur – für den polternden Vater die dicke Teekanne, für die scheue Schwester das Sektglas. Platzieren Sie alle Figuren so auf dem Tisch, wie die Personen auch in Wirklichkeit zueinander stehen oder standen. Sie können Ihre heutige Situation darstellen oder eine aus der Vergangenheit. Versuchen Sie, die Anordnung nicht zu bewerten ("Die arme Oma ist ja ganz allein").

Wenn die Aufstellung komplett ist, lassen Sie sie auf sich wirken. Welche Konstellationen fallen auf? Haben Familienmitglieder eine bestimmte Funktion innerhalb dieses Gefüges? Wie sehen Sie Ihre eigene Position? Vielleicht wären Sie lieber ganz woanders. Probieren Sie neue Positionen aus und beobachten Sie, wie sich die Dynamik verändert.

Familienaufstellung: Nicht ohne Risiko

Dem Familienbrett ähnlich ist die Familienaufstellung, bei der Seminarteilnehmer die Familienmitglieder repräsentieren. Sie wird meist als Gruppenkurs am Wochenende angeboten. Allerdings schwankt die Qualität der Angebote extrem, manche Kurse sind unproblematisch, andere arbeiten mit Esoterik und Schuldzuweisungen. Wenn Sie eine Aufstellung machen möchten, sollten Sie einen Anbieter wählen, der den Titel Psychotherapeut trägt.

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