Gasmarktexperte Anbieter-Wechsel ist Fiktion


Ab April haben Privatkunden der Gaswerke nun die Möglichkeit ihren Anbieter zu wechseln. Nur - zu wem? Denn die Bereitstellungsgebühr, die eventuelle Konkurrenten für den Netzzugang zahlen müssen, macht den Gaspreis kaum billiger.

Die Möglichkeit für Privatkunden, vom 1. April an den Gasanbieter zu wechseln, ist nach Ansicht des Saarbrücker Energieexperten Uwe Leprich eine Fiktion. "Der Anreiz für die Hamburger Stadtwerke, in Saarbrücken Gas anzubieten, ist eher Null", sagte der Wissenschaftler vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.

Kaum alternative Angebote

Grund sei der Preis für die so genannte Beistellung, die der fremde Anbieter dem bisherigen für die Bereitstellung des Gases zahlen müsse. Durch diesen würde sich der Gaspreis der potenziellen Konkurrenz kaum von dem bisherigen Preis unterscheiden. Vielen Gaskunden werde deshalb gar kein alternatives Angebot unterbreitet werden, erwartet Leprich.

Leprich sieht Parallelen zur Öffnung des Strommarktes vor einigen Jahren. Dort sei etwa ein neuer Anbieter wie Yello Strom zwar auf den Markt gelangt, habe allerdings hohe Verluste eingefahren. Für den Gasmarkt sieht Leprich eine solche Entwicklung nur, wenn ein Anbieter unbedingt auf den Markt wolle. "Von der Möglichkeit der Beistellung wird kaum jemand Gebrauch machen." Ohne den Netzzugang, der von der Bundesnetzagentur für den 1. Oktober anvisiert ist, seien die Anbieter hilflos, sagte Leprich.

Behörde eingeknickt

Zugleich äußerte der Energieexperte Unverständnis für das Handeln der Wettbewerbshüter. "Dafür das Verfahren gegen die Gasversorger dreinzugeben, halte ich für ein erstmaliges Einknicken des Kartellamts." Das Bundeskartellamt hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass sich sieben Gasversorger zu einer Marktöffnung verpflichtet haben und im Gegenzug das Kartellamt die Missbrauchsverfahren gegen die Firmen wegen des Verdachts überhöhter Endkundenpreise einstellt. Die Verfahren waren nach den drastischen Preisanhebungen seit Herbst 2005 vom Kartellamt Anfang dieses Jahres eingeleitet worden.

DPA DPA

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