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Handys im Flieger: Bei den Deutschen klingelts nicht

Geht es nach dem Willen der EU, darf künftig auch über den Wolken telefoniert werden. Die deutschen Fluglinien sperren sich jedoch - sie fürchten, ihre Passagiere könnten sich durch das dauernde Klingeln belästigt fühlen. stern.de fragte nach.

Von Claudia Bender

Das Innere eines Flugzeugs war bislang der einzige Ort, wo die Menschen vor enorm wichtigen Fragen wie "Mama, wie geht's Dir?", Ankündigungen wie "Ich komme gleich", oder Ausrufen wie "Kaufen, kaufen, um Himmels willen, kaufen!" verschont blieben. Was für ein Segen. Was für eine Ruhe. Doch damit ist es jetzt vorbei - wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht. Sie setzt sich dafür ein, dass künftig ein jeder auch über den Wolken telefonieren darf. Ein Albtraum? Oder die Ankunft der Fluglinien in der Kommunikationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts?

Tanja Wielgoß, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften, sagte im Café Einstein, dem Video-Interview von stern.de: "Es gibt einen großen Streit zwischen den Fluggesellschaften: Bringt das was oder bringt das nichts? Es gibt einige, die werden es versuchen, wie Air France oder Emirates, die wollen es auf jeden Fall einführen. Andere sind da ein bisschen skeptischer, weil sie sagen: Ich kann mich ja nicht umsetzen im Flieger, insofern wird der Kunde sehr belästigt. Die haben selber Fluggastbefragungen durchgeführt und gesagt: Wir machen es erstmal nicht. Und dazu gehören eigentlich fast alle deutschen Fluggesellschaften" - namentlich Lufthansa und Air Berlin.

Fühlen Sie sich durch Handygespräche im Flugzeug belästigt?

Preise wie bei Auslandsgesprächen

Bisher waren Handys im Flugzeug tabu, weil sie angeblich die Bordelektronik stören können. Dieses Argument sticht jedoch nicht mehr, weil die Geräte robuster geworden sind. Um das Telefonieren an Bord zu ermöglichen, muss in der jeweiligen Flugzeugkabine eine eigene Mobilfunkzelle installiert werden. Sie ist über Satelliten mit dem Netz am Boden verbunden. Einzige Einschränkung: Während Start und Landung darf auch künftig niemand in die Telefontasten greifen.

"Das ist ganz entscheidend", sagt Wielgoß. "Bei Start und Landung darf nicht telefoniert werden, weil es immer noch Interferenzen mit den terrestrischen Strahlungen gibt, und es insofern dann Probleme geben könnte mit der Koordination und auch gefährlich sein könnte." Air France aktiviert den Service deshalb erst ab einer Flughöhe von 3000 Metern, Emirates in 6000 Metern. Zudem soll der Pilot die Mobilfunkzelle, etwa im Fall von Turbulenzen, ausschalten können.

Klicken statt klingeln

Die EU-Kommission hat nun die technischen Standards für die europaweite Handynutzung in Flugzeugen verabschiedet. Zur Frage, was das Telefonieren über den Wolken kosten soll, will sich die EU nicht äußern. "Von Seiten der Betreiber erwarten wir aber eine transparente und innovative Preisgestaltung", sagt Viviane Reding, Brüsseler Wettbewerbskommissarin. Sie werde die Preisgestaltung aber genau beobachten und einschreiten, sollten die Telekommunikationsunternehmen überhöhte Preise fordern. Tanja Wielgoß sagt: "Man kann davon ausgehen, es wird sich wahrscheinlich auf dem Niveau von Auslandsgesprächen bewegen."

Die Anti-Handy-Rebellen von der Lufthansa wollen statt der Telefonie das Surfen im Internet ermöglichen. Ein Test mit Breitband-Internetzugängen während des Flugs, den die das Unternehmen von 2004 bis Ende 2006 durchführte, ist nach Angaben eines Sprechers erfolgreich verlaufen. Der damalige Anbieter - "Connexion by Boeing" - stellt seinen Betrieb jedoch ein. Die Lufthansa sucht derzeit nach einem neuen Partner. Klicken statt klingeln: Vielleicht ist das auch für die Passagiere die angenehmere Variante.

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