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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Was ich im Flieger nach Malle über Sex erfahren musste (nichts Gutes)

Ein Trip in die Sonne über Pfingsten, das klingt nach einer prima Idee. Wenn nicht die Tücke der Anreise gewesen wäre: inmitten betrunkener Freizeitkicker im Billigflieger nach Mallorca. Prost Mahlzeit!

Bierkönig-Halle auf Mallorca

Bumszimmer, Ballermann, Geschlechtskrankheiten, Traumurlaub

Wenn viele gute Dinge zusammenkommen, entsteht manchmal etwas ganz Schlimmes. Etwa, wenn man an Pfingsten (yeah, Urlaub!) einen Billigflieger (yeah, Geld gespart!) nach MALLORCA (yeah, Beachtime!) bucht – und plötzlich in der Hölle sitzt: Quietschgelbe Sitze mit blauen "Ballermännern" darauf, die pinke Poloshirts mit der Aufschrift "Malle ist nur einmal im Jahr" tragen. Hilfeee!

Tatsächlich sitze ich inmitten eines zwölfköpfigen Amateurfußballklubs aus der schleswig-holsteinischen Provinz, die sämtliche Hemmungen daheim bei ihren Freundinnen gelassen haben. Kein normaler Mensch in Sichtweite. Selbst die Flugbegleiter sind in Deckung gegangen, seit aus dem voll (!) aufgedrehten Ghettoblaster "Zehn nackte Friseusen ..." dröhnt. "Ey, Schnecke, mach uns mal zehn Pepsis klar", brüllt ein bärtiges Muskelpaket gen Stewardess. Kriegt er. Aus dem Handgepäck werden nun drei Flaschen Havana Club aus dem Duty Free geholt und gerecht auf vier Dreierreihen verteilt.

Ein Zimmer ist frei

"Ich finde, die sollten schon direkt am Flughafen 'ne Sauf-Flatrate einführen – für 30 Euro so viel tanken wie man will", brüllt einer, der das Antlitz von Bud Spencer als Tattoo auf dem Unterarm trägt. Zustimmendes Gejohle. Der Typ neben ihm, der von allen bloß "Ecki" genannt wird, steht plötzlich auf und richtet das Wort an die übrigen Passagiere. "Ey, Leute, braucht jemand zufällig noch 'n Hotelzimmer am Ballermann? Einer von uns war heute Morgen noch zu besoffen zum Fliegen ..." Wieder wird gejohlt. Ein Dünner mit Brille meldet sich zu Wort: "Bist du irre? Das wird einfach unser BUMSZIMMER!" Applaus der gesamten Mannschaft. Die Brille nochmal: "Sach ma, wie is' dat eigentlich mit Essen?"
Bud Spencer ist amüsiert: "Mensch, Karsten, wir ham' doch Halbpension!"
"Wat ham wir?"
"Haaaaaalbpension – da kriegste Frühstück und Abendessen."
"Und wat is mit Saufen?"
Daraufhin gießt ihm Bud Spencer noch mal kräftig Havana Club nach. Und sich selbst auch. "Wisst ihr was, Jungs? Wir trinken auf Sören. Darauf, dass er sich in diesem Jahr mal KEINEN Tripper einfängt."
Sören nickt. "Vier Tripper hatte ich bisher. Darüber mach' ich echt keine Witze mehr, langsam." Die Brille lacht trotzdem. "Wat pennst du auch immer mit so Dorfmatratzen?! Jana zum Beispiel – ich kenn' allein hier im Flugzeug vierzig Leute, die schon mit ihr gebumst haben." Wieder grölt die gesamte Mannschaft. Ein Klatschkonzert wird angestimmt. Aus dem Ghettoblaster dröhnt: "Sie hatte nur noch Schuhe an ..."

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Das Themenspektrum entspricht dem Alkoholpensum

Mittlerweile erzählt man sich die "geilste Bumsgeschichte" aus dem letzten Jahr. Sören fängt an: "Da kam so 'ne Olle auf Dirk zu und meinte: 'In ten minutes, in my room!' Und Dirk nur so: 'Sorry, ich kann kein Englisch.'" Das Grölen nimmt kein Ende mehr. Man schenkt sich noch mal nach.

Bud Spencer weiß die Story noch zu toppen: "Zu mir und Karsten kam mal so 'ne Finnin und meinte, wir sollen mit ihr an den Strand gehen. Dort mussten wir uns dann auf eine Liege setzen und sie hat uns abwechselnd einen geblasen. Irgendwann kam so ein betrunkener Engländer dazu und fing an, von hinten an ihr herumzufummeln. Da hab' ich gesagt: 'Alter, entweder verpisst du dich jetzt – oder du zahlst mir 20 Euro.' Das hat er tatsächlich gemacht und alle fünf Minuten musste er nachzahlen. Am Ende hatte ich ganze 28 Euro!" "Du alter Zuhälter, du", brüllt das bärtige Muskelpaket und kippt sich vor Lachen versehentlich seine Mische über den Schoß. Nun riecht es noch strenger im Flieger.

Wer übrigens denkt, dass es sich bei den Jungs um gewöhnliche Dorfdeppen handelte, der irrt. Wie ich den Gesprächen entnehmen konnte, waren Karsten, Ecki und Co. im wahren Leben u. a. als Bankkaufmänner und Versicherungsvertreter tätig. Kein Witz. "Ecki" erzählt: "Neulich stand Martina – die mit ohne Haare – bei mir inne Filiale und wolle 'ne Rechtsschutzversicherung. 'Hallo Ecki', sacht se zu mir. Und ich sach: 'HIER und für dich immer noch HERR Ecki. Und 'ne Rechtsschutzversicherung kriegst DU von MIR ganz bestimmt nicht."
Sören, nachdenklich: "Ach, von der hab' ich doch damals meinen zweiten Tripper ... Schlampe."

Jetzt weiß ich, wohin ich nächstes Jahr nicht fliege ...

Kollegah 15:19Endlich – der Landeanflug beginnt gleich. Aber Bud Spencer steht nochmal auf: "Wer von euch Luschen kommt nächstes Jahr mit nach Thailand? Ich will wieder nach Pattong – das Bier und die Weiber sind da fast geschenkt!" Sören quiekt: "Nee, da sind Schlangen. Vor denen hab' ich Angst."
"Und ich hab' Angst vor Ladyboys", gesteht der Dürre mit der Brille, was Bud Spencer so gar nicht nachvollziehen kann. "Wieso – das kriegst du gar nicht mit, wenn so einer vor dir kniet. Du siehst nur das hübsche Gesicht und die Möpse. Ist mir doch egal, ob da unten noch ein Pimmel rumhängt. Solange sie gut lutschen kann!? Sei mal nicht so kleinlich!"

Nur ruhig Blut, gleich ist es geschafft.

Bud Spencer brüllt nochmal in alle Richtungen: "Männer, bereit machen zum Klatschen!" Der Landeanflug beginnt, Zeit für ein letztes Lied: "Palma, Palma, Palma de Mallorca ..." Dazu steht die gesamte Mannschaft (verbotenerweise) auf und veranstaltet eine (O-Ton) "Analsex-Polonaise" im schmalen Gang. Es wird weitergebrüllt: "Malle ist nur einmal im Jahr ..." – bis zur Abwechslung mal der Steward brüllt: "Alle sofort HINSETZEN!" Wir landen. Und jetzt brauch' ICH erstmal einen Havana Club. Ohne Pepsi. Pur, bitte.

Und DAS habe ich auf meinem Flug über Sex gelernt:

1. Solange sie guten Oralsex bekommen, ist (manchen) Männern offenbar egal, von WEM er ausgeführt wird.
2. Es gibt tatsächlich einen Tanz namens "Analsex-Polonaise". Und der kommt scheinbar aus Schleswig-Holstein. 
3. Wer Sex am Ballermann will, sollte zumindest Englisch sprechen. Sonst verpasst er die Hälfte.
4. Wer sich schnellen, bedeutungslosen Sex mit totalen Vollpfosten sowie ggf. daraus resultierende Geschlechtskrankheiten wünscht, bekommt all das nach wie vor relativ unkompliziert in El Arenal.
5. Es gibt offenbar Männer, die andere Männer gegen Geld bei ihrem eigenen Sex MITMACHEN lassen.  

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