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C. Tauzher: Die Pubertäterin Es ist passiert! Die Teenagerin hat zu Hause gefeiert (und wir sind ins Büro geflohen)

Zwei junge Frauen trinken Bier
"Superschööööön" war es
© domoyega / Getty Images
Es ist soweit. Die Teenagerin feiert ihren 16. Geburtstag zu Hause. Christiane Tauzher übernachtet mit ihrer Restfamilie im Büro und fragt sich, was sie bei ihrer Rückkehr wohl erwartet.

Was bisher geschah:

Der coole Olaf hatte seiner Tochter erlaubt, bei uns zuhause eine Geburtstagsparty zu feiern. Ich war dagegen gewesen, was mich zur uncoolsten Mum von allen machte. Mein "Nein" zur Party interpretierte die Wombi als mangelndes Vertrauen in ihre Fähigkeiten als Gastgeberin. "Es wird nichts passieren!", prophezeite sie mit flehender Stimme. Der Olaf sagte, "eben" und "was ist denn schon dabei?" Vater und Tochter drängten mich so weit ins Eck, bis ich platt war. Na, gut. 

Die Teenagerin umarmte mich überschwänglich und versprach, dass ...

  • sich niemand übergeben würde,
  • die Einrichtung (allen voran mein wunderschöner ausgestopfter Pfau) heil bleiben würde,
  • unser Schlafzimmer für die Gäste tabu wäre,
  • neben flüssiger Verpflegung auch eine Unterlage in Form von belegten Broten gereicht werde,
  • die Teenagerin hinterher alles sauber machen würde,
  • sie die Nachbarn über mögliche nächtliche Lärmbelästigung informieren würde.

Jetzt wird es ernst

Eine Nachricht, die mich beruhigte: Lea, ihre bereits 18-jährige Freundin, würde nach dem Rechten sehen, meinen Pfau beschützen und das Schlimmste verhindern.

Die Nachbarn, allesamt ältere bis sehr alte Leutchen, versicherten der Wombi, dass es sie überhaupt nicht störe, wenn lange Musik gespielt werde. Es ging sogar soweit, dass die Wombi explizit darum gebeten wurde, ausgelassen zu feiern: "Endlich wieder einmal was los in der Gasse", sagte eine bald 90-jährige Nachbarin, "wir waren doch auch mal jung, nicht wahr? Lasst euch nicht stören!"

Flohlockend kam die Wombi mit den Zettelchen, auf denen sie ihre Telefonnummer notiert hatte, für den Fall, dass sich jemand beschweren hätte wollen, zurück. Keiner der Nachbarn hatte ein Notfallszettelchen nehmen wollen. Keiner dachte auch nur daran, der Wombi die Party zu verderben. Die waren alle wahnsinnig cool.

Wer trinkt denn Tonic Water pur?

So wie der Olaf, der mit der Wombi den Getränke-Einkauf erledigte. Ich wollte gar nicht so genau wissen, was sich die Partygesellschaft hinter die Binde kippen würde. Oben auf sah ich in den Transportkisten ein paar Packungen Orangensaft, und das war gut für meine Nerven. Leider sah ich in der zweiten Kiste Tonic Water. "Wir trinken das pur", versicherte mir die Wombi, die meinem Blick gefolgt war. Ich sah sie mit schiefem Kopf an und dachte mir, "für wie blöd hält die mich eigentlich?" Aber ich sagte nichts und nahm mir vor, nach der Party mit der Wombi ein paar Gläser Tonic pur zu leeren, jetzt, wo ich wusste, dass sie es so gern hatte.

Den ganzen Tag über war ich damit beschäftigt, das Haus und die Terrasse partytauglich zu machen. Der Wombi war alles mühsam. Sie half ein bisschen mit, stöhnte dazwischen ausgiebig und fand, dass dieser ganze Aufwand (aufräumen, staubsaugen, ein Tischtuch auflegen) nicht nötig sei.

Zwei Stunden bevor die ersten Gäste eintrafen, zog sich die Wombi zur Verschönerung zurück. Ich baute unterdessen auf der Terrasse eine Mega-Lounge für zwanzig Gäste auf. Wenn schon Party, dann ordentlich.

Anruf Lea. Sie stehe im Verdacht sich mit Corona angesteckt zu haben und könne nicht kommen. Oder vielleicht doch, dann aber erst spät, wenn sie das Testergebnis habe. Okay. Alles gut. Bleib ruhig, Christiane. Der Pfau sah besorgt aus.

Auftritt Wombi. In meinem grünen Seidenkleid war sie wunderhübsch. Bis zum Knöchel. An den Füßen trug sie klobige Sneakers. "Warum?", fragte ich und verstand es nicht. Um halb acht erschienen die ersten Partypeople und ich bekam meine Antwort. Alle, ohne Ausnahme, hatten Turnschuhe an. Eine besonders schöne Freundin der Wombi trug sogar ein bodenlanges Abendkleid. Dicke weiße Sohlen kamen auch unter ihrem Chiffon-Saum zum Vorschein.

Flucht ins Büro

Ich saß noch kurz in der von mir aufgebauten Mega-Lounge, plauderte ein bisschen mit den jungen Menschen und machte mich dann vom Acker. Zum Olaf ins Büro, wo wir mit dem kleinen Bruder der Wombi auf zwei unbequemen Ausziehcouchen die Nacht verbrachten und Pizza aus dem Karton aßen.

Nach Mitternacht kam eine Nachricht von Lea: "Alles okay, ruhig, gesittet, und dem Pfau geht es gut."

Anderntags kam ich um die Mittagszeit nachhause. Stolz führte mich die Wombi durchs Haus, an dem keine Spuren von Verwüstung sichtbar waren. Der Pfau stand an seinem Platz, keine Feder war ihm gekrümmt worden.

"Und wie lief es?", wollte ich wissen.

"Superschööööön", seufzte die Wombi, "und nichts ist kaputt gegangen."

"Das ist gut", sagte ich.

"Ich habe es dir ja versprochen", triumphierte sie.

Der Olaf sagte, dass er stolz auf sie sei - als wäre es eine herausragende Leistung, auf einer Party keine Schäden verursacht zu haben.

"Übrigens", sagte die Wombi zum Olaf, "eine Freundin von mir hat sich die Fotos von euch auf der Kommode angeschaut und gesagt, dass du noch immer total super und jung ausschaust. Da hat sie so recht." Olafs Augen leuchteten. 

"Glaubst du", fuhr die Wombi mit sanfter Stimme fort,  "kann ich heuer noch einmal eine Party machen. Es lief ja so gut...?"

"Ja, warum nicht?", sagte der coole, total jung gebliebenen Olaf.

Und ich, die Gealterte,  schenkte mir ein Glas Tonic Water pur ein – den letzten Rest vom Schützenfest.


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