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C. Tauzher: Die Pubertäterin: Wer Mama beklaut, kriegt halt Pickel zu Weihnachten

Die Tochter hat sich unerlaubterweise bei ihrer Mutter im Kosmetikschrank bedient und leugnet das auch noch. Christiane Tauzher dem Kind muss wohl mal die Wahrheit über Gesichtsmasken erzählen ...

Junge Frau entdeckt einen Pickel in ihrem Gesicht

Ein Pickel! Das Leben ist zu Ende! (Symbolbild)

Getty Images

Als ich die Wombi fragte, ob sie meine Gesichtsmaske gegen Falten verwendet habe, stand in ihrem Blick das blanke Entsetzen. "Wie kannst du mich so etwas überhaupt fragen", sagte sie mit einer Theatralik in der Stimme, die jeden Theaterregisseur umgehauen hätte, "natürlich nicht. Ich weiß ja, wie teuer die sind."

Forschend bohrte ich meinen Blick in ihre blauen Augen, und sie hielt dem Test stand. Kein Flattern der Augenlider, kein Augenrollen, kein Augenniederschlagen. Die Wombi war wirklich gut. Hätte sie die Maske nicht noch auf dem Gesicht gehabt, ich hätte ihr geglaubt.

"Ähem", machte ich, "und was ist das hier?" Ich zog an einer Ecke der Maske, bei der es sich um ein hauchdünnes in Antifaltentinkturen eingelegtes Tuch handelte, das ich mir für den Weihnachtstag gekauft hatte. Die Wombi, die mit dem Gesichtsding aussah wie Hannibal Lecter, erstarrte. "Oh", sagte sie, "du meinst DIE Maske?" Sie strich die Stelle, an der ich gezogen hatte, wieder glatt und trat einen Schritt zurück, um ihr Gesicht vor meinen Fingern in Sicherheit zu bringen. "Diese Maske habe ich mir gestern im Drogeriemarkt gekauft." Dazu nickte sie. Ich bat sie, mir die Rechnung zu zeigen, was nicht gut ankam. "Wieso? Stalkst du mich?", plusterte sie sich auf - so gut das eben ging, denn das Mundloch in der Maske war relativ klein. Als ich auch noch wissen wollte, in welchem Drogeriemarkt sie gewesen wäre und wie viel die Maske gekostet habe, zog sie die Luft und mit ihr die Maske scharf ein, was einen Hustenanfall nach sich zog. Ich klopfte der Wombi auf den Rücken und zupfte die Maske wieder an ihren Platz.

"Bist du dir ganz sicher?", bohrte ich nach. "Ich schwöre es bei meinem Bruder", sagte sie und legte sich eine Hand aufs Herz. Ich summte in diesem feierlichen Moment die amerikanische Hymne. Die Wombi hätte genau so gut auf Herrn Wolf, unseren schwerhörigen Nachbarn schwören können, der immer bei offenem Fenster Hansi-Hinterseer-Lieder hört. Ihr kleiner lästiger Bruder und der taube Herr Wolf stehen auf der Beliebtheitsskala der Wombi ungefähr an gleicher Stelle.

"Gut", sagte ich, "ich glaube dir. Du hast dir diese Maske von deinem Geld gekauft, und du kannst mir sicher noch die Verpackung zeigen, damit ich mir dieselbe kaufen kann." Die Wombi nickte so heftig mit dem Kopf wie der Wackelhund auf der Ablage im alten Ford von Herrn Wolf, wenn er über die Garageneinfahrt holpert. "Warte", sagte sie, "ich hole die Verpackung gleich." Ich wartete. Die Wombi kam mit niedergeschlagenen Augen aus ihrem Zimmer. Es tue ihr leid, erklärte sie mir, aber ein Windstoß müsse die Maskenhülle aus dem Fenster geweht haben. Sie habe jetzt alles durchsucht. Schweigen.

"Können wir mit dem Theater aufhören?", fragte ich. "Kannst du zugeben, dass das in deinem Gesicht meine Maske ist?" Die Wombi schüttelte den Kopf und sagte "Ja, okay, es ist deine. Bist du jetzt zufrieden?" Sie zog die Maske ab und hielt mir den verschrumpelten Lappen hin. "Wieso hast du mich nicht gefragt, ob du die Maske verwenden kannst?", wollte ich wissen. "Du hättest ,Nein' gesagt", verteidigte sich die Wombi. "Das stimmt", antwortete ich, "ich hätte sie dir nicht gegeben." Die Wombi schnaubte triumphierend wie ein Pferd, das gerade seinen Reiter abgeworfen hatte. Dabei glänzte ihr Gesicht, das sich Dank meiner Weihnachtsmaske mit den besten Zutaten vollgesogen hatte, rosig und prall. Eine Verschwendung. Die Wombi könnte sich auch mit Rapsöl einschmieren. Ihre Haut ist erst 14 Jahre alt und weder müde noch ausgelaugt.

"Aber", sagte ich, nahm ihr die Maske aus der Hand und faltete sie demonstrativ auf, "nicht, weil ich sie dir nicht gegönnt hätte. Diese Maske ist Gift für junge Haut wie deine. Die Maulghinkogoji-Beere, in der das Tuch eingelegt wurde, glättet zwar Falten, wirkt aber anderseits wie Dünger für Pickel und Mitesser."

Aus dem rosigen Gesicht der Wombi wich alle Farbe. "Was?", sagte sie mit belegter Stimme und ihre Augen flackerten panisch. "Pickel? Mitesser? Ist das dein Ernst?"

Den Rest des Nachmittags schrubbte sie sich mit einem Waschlappen die Maulghinkogoji-Beere aus den Poren.

Ich knüllte die Teufelsmaske zu einem Ball zusammen und warf ihn wie ein Jongleur über dem Mülleimer in die Luft. Treffer!

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