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C. Tauzher: Die Pubertäterin: Warum meine Tochter nicht stricken will und welche Rolle ein Schwuler dabei spielt

Christiane Tauzher möchte ihre Tochter bewegen, die Kunst des Strickens auszuprobieren. "Vielleicht in 40 Jahren", sagt die Teenagerin – und weist ihre Mutter außerdem auf mögliche bizarre Konsequenzen dieser Handwerkskunst hin.

Getty Images

Dass ich mit 14 für den Mann meines jungen Herzens monatelang eine Weste mit Zopfmuster strickte, rang der Wombi einen Seufzer ab, der so mitleidig klang, als hätte sie eben erfahren, ihre Mutter habe in ihrer Jugend an chronischem Herpes gelitten. Als ich mit dem Namen des Mannes herausrückte, konnte sich die Wombi vor Lachen nicht halten. "Der?", prustete sie, "ist der nicht mit einem Mann verheiratet?" Ich nickte.

Wir drifteten vom Thema ab. Ich hatte eine Ode auf die Handarbeit singen wollen. Es hätte in die Richtung gehen sollen, wie erfüllend es sei, ein Werkstück mit eigenen Händen zu schaffen, es wachsen zu sehen, es fertigzustellen. Herausgekommen war: Verschwende deine Zeit in jungen Jahren nicht mit kreativen Geschenken für irgendwelche Männern - denn wer weiß, vielleicht sind sie am Ende schwul.

"Er hat die Weste heute noch und hält sie in Ehren", sagte ich. Die Wombi bezweifelte das. Der besagte Freund, ein großartiger Schauspieler, sei viel zu cool, um Strickwesten an sich ran zu lassen. "Stricken ist toll", versuchte ich es aufs Neue, "du könntest für den Anfang eine Haube versuchen." Das, versicherte mir die Wombi, täte sie wahnsinnig gerne, und sie würde in "sagen wir: vierzig Jahren" bestimmt auf mein freundliches Angebot "How to knit a Beanie" zurückkommen, doch im Moment hätte sie Besseres zu tun. "Was denn?", fragte ich. "Ich gehe nächste Woche auf den Schulball der Altkalksburger."

"Ach", sagte ich, "du bist gar keine Altkalksburgerin. Du bist ja nicht einmal eine Jungkalksburgerin." Die Wombi geht nämlich ganz woanders, weit weg von Kalksburg, in die Schule. "Auf den Ball kann jeder gehen, der sich eine Karte kauft", klärte sie mich auf.

"Du bist 14", sagte ich. "da geht man noch nicht auf Bälle. Mit 14 ist die ideale Zeit, um zu stricken." Augenrollen.

"Was würdest du überhaupt anziehen?", fragte ich. Sofort zückte die Wombi ihr Smartphone und wischte sich das Foto eines schwarzen Kleides herbei, das "nur" 240 Euro kostete. "Wenn ihr mir das Taschengeld für ein halbes Jahr vorstreckt, geht es sich aus." Ich erinnerte die Wombi, dass sie mit ihrem Taschengeld bereits drei Monate im Minus war, da sie sich unbedingt neue Sneakers hatte kaufen müssen. Und zwar solche, die die Fußtaille besser zur Geltung brachten.

"Bitte", flehte sie. Ich sagte, dass ich das erst mit dem Olaf besprechen müsste und dass Bälle keine Kinderveranstaltungen seien. Während wir redeten, machte es "Pling" und die Wombi las mir die Nachricht ihres Vaters vor. "Du wirst sicher die Ballprinzessin sein. Das wird toll." Unschuldsmiene. "Ich dachte", sagte die Wombi, "ich informiere den Papi extra, damit ihr separat überlegen könnt." Luder.

Als der Olaf griffbereit war, beteuerte er, die Nachricht in dem Glauben weggeschickt zu haben, dass ich bereits meine Zustimmung gegeben hätte.

Ich gab mich geschlagen. Eine Woche vor der Ballnacht begann die Wombi mit den Vorbereitungen. Drei Tage lang trimmte sie sich die Augenbrauen - in dieser Zeit hätte sie zwei Hauben stricken können. Drei Tage beratschlagte sie mit der Hauptfreundin, welche Frisur die beste sein würde. Wenigstens beim Kleid bremste ich den Olaf aus. Die Prinzessinnenrobe, die über die Wombi-Bestnote "na, gut, okay" nicht hinauskam, stammte aus meinem Kleiderfundus. Aber in der Not frisst der Teufel auch Pailletten.

Am großen Tag verwandelte sich die Wombi fünf Stunden lang vom Teenager in die Ballkönigin. Dem Olaf kamen fast die Tränen. "Du bist wunderschön", hauchte er. Ein Moment für die Ewigkeit. Die Wombi zog huldvoll winkend ab und versprach um 1 Uhr wieder zuhause sein.

Natürlich schickte sie fünf vor eins eine Nachricht, dass wir bitte nicht böse sein sollten, dass sie sich aber "ein bisschen" verspäten würde. Gekommen ist sie dann um zwei.

Ich war zu müde, um außer mir zu sein und träumte dafür wirres Zeug von einer Prinzessin mit dicken Augenbrauen. Der Olaf sagte anderntags, dass es nicht so schlimm sei und dass ich mich entspannen solle. Das tat ich, kramte mein Strickzeug heraus und stellte mit großer Freude fest, dass ich nicht verlernt hatte, wie man einen Zopf strickt. Der letzte Zopf für den Schauspieler lag doch schon 29 Jahre zurück.

Als die Wombi gegen Mittag in der Küche auftauchte und mich stricken sah, sagte sie lachend: "Na, hoffentlich wird das keine Weste für den Papi."

"Wieso nicht", fragte ich.

"Weil", sagte die Wombi, "er dann vielleicht auch einen Mann heiraten will. So wie der letzte, den du eingestrickt hast."

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