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Daddylicious: Langeweile ist wichtig für die kindliche Entwicklung

Es gibt unzählige Dinge, mit denen Eltern versuchen, die Kreativität ihrer Kinder zu fördern. Kai Bösel setzt ein altbewährtes Mittel: Langeweile.

Drei Kinder schauen durch das Rückfenster eines Autos

Gepflegt gelangweilt: Daraus erwachsen die besten Ideen

Habt ihr auch schon mal gedacht: "Was geht bloß in dem Kopf dieses Kindes vor?", wenn ihr eure Tochter oder euren Sohn beim Spielen beobachtet habt, der Nachwuchs euch einen kernigen Satz entgegenschleudert oder sonst eine abgefahrene Aktion bringt, die euch in euren kühnsten Träumen nicht eingefallen wäre? Die Gedankengänge einer anderen Person nachzuvollziehen oder sogar erklären zu können, bleibt nur wenigen Experten vorbehalten.

Einer von ihnen ist Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen. Gestern bin ich zufällig über ein Video mit ihm gestolpert und habe es mir eine Stunde lang bei Youtube angeguckt. Es ging recht umfangreich um die Schaffung von Bedingungen, die Kinder und Jugendliche in die Lage versetzen sollen, die in ihnen angelegten Potenziale zu entfalten. Wer möchte, der kann sich das komplette Interview hier ansehen.

 Vieles davon erscheint sehr theoretisch und in der Praxis kaum umsetzbar, aber so ist das ja oft in der Forschung. Wer Schulkinder hat, der hat bestimmt schon mal unser Schulsystem angezweifelt. Insofern ist es auch nicht abwegig, darüber nachzudenken. Ich möchte aus dem Video allerdings nur eine einzelne These herausnehmen.

"Langeweile ist wichtig für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen"

Diesen Fakt müssen insbesondere die Eltern verstehen, denn meist steuern sie in solchen Situationen genau gegen und sorgen für Ablenkung. Dabei ist es gerade die Langeweile, die das eigene Hirn anregt, erfinderisch zu sein und aus sich selbst heraus für Action zu sorgen. Kleine Kinder können das noch. Die setzen sich einfach in eine Sandkiste oder mit einem weißen Blatt Papier an den Schreibtisch und spielen drauflos. Mit zunehmendem Alter hören Eltern dann immer häufiger den Satz "Mir ist langweilig". Und oft wird dann schnell etwas herausgeholt, womit sich das Kind beschäftigen kann. Denn Langeweile ist negativ behaftet. Das ist erst vorbei, wenn das erste Smartphone in der Tasche des Kindes steckt. Denn so ein elektronischer Helfer ist sozusagen der Langeweile-Killer der Schulkinder.

Die Kinderzimmer sind vollgestopft mit Geräten, die auf Knopfdruck für Berieselung sorgen. Fernsehen nach der Schule, der PC am Abend – und das Smartphone als Second Screen in der Dauerschleife. Da ist auch nur dann etwas gegen zu sagen, wenn es gar keinen Raum mehr lässt für eigene Hobbys, für Sport, für ein Instrument, für ein bisschen Unterstützung im Haushalt oder eben für ein paar kreative Momente.

Erst wenn es mal so richtig schön langweilig ist, kommen die Synapsen auf der Suche nach Ablenkung in Stimmung. Sollte euer Kind sich also mal wieder über Langeweile beklagen, dann zückt nicht gleich ein Spielzeug oder sorgt für Beschäftigung.

Auch wenn es schwerfällt.

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