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Familienpolitik: Wem das neue Familiengeld nützen würde - und wer sich jetzt schon aufregt

Manuela Schwesig hat ihre Pläne für ein neues Familiengeld vorgestellt. Die Ministerin will dafür sorgen, dass sich Eltern zukünftig die Erziehungsarbeit gerechter aufteilen und nicht mehr so viele Frauen auf die Altersarmut zusteuern. Doch kann sie damit Erfolg haben?

Das Familiengeld soll eine gerechte Aufteilung der Erziehungsarbeit fördern

Geteilte Freude - geteiltes Chaos?

Seit dem Beginn ihrer Amtszeit hat sich Familienministerin Manuela Schwesig eine gerechtere Verteilung der Kinderbetreuung auf die Fahnen geschrieben. Ist sie mit einer reduzierten 32-Stunden-Woche für Eltern noch gescheitert, legt sie nun ein neues Konzept vor. Das Familiengeld soll Eltern unterstützen, die sich die Betreuung ihrer Kinder gerecht teilen. Die wichtigsten Fakten:

So arbeiten Mütter und Väter in Deutschland

Wenn einer der Elternteile wegen der Kinder beruflich kürzer tritt, ist das in einem Großteil der Fälle die Mutter. Gerade einmal 5,9 Prozent der Väter in Deutschland arbeiten Teilzeit. Zum Vergleich: 72,7 Prozent der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren arbeiten weniger als 40 Stunden. In Vollzeit arbeiten hingegen nur 27,3 Prozent der Mütter, so Zahlen des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2014.

Ihren Job komplett an den Nagel hängen immer weniger Frauen: Während 1990 noch über 24 Prozent der Frauen in Westdeutschland Hausfrauen waren, sank die Zahl bis 2014 auf 9,8 Prozent. In Ostdeutschland waren es kurz nach der Wiedervereinigung 2,5 Prozent der Frauen unter 60 Jahren,  2014 nur noch 1,8 Prozent.

So sieht die bisherige staatliche Unterstützung aus

Seit 2007 gibt es in Deutschland das sogenannte Elterngeld. Es unterstützt Mütter und Väter nach der Geburt der Kinder und ermöglicht beiden eine Auszeit vom Job in Form einer Lohn-Ersatzzahlung in Höhe von mindestens 65 Prozent des vorherigen Gehalts.

Während im Laufe der Jahre die Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen, auch immer weiter gestiegen ist, änderte sich leider nichts an der zeitlichen Verteilung. In den meisten Fällen beanspruchen die Männer nur die zwei Vätermonate, während ihre Partnerinnen die übrigen zwölf Monate der Elternzeit ausnutzen.

Hier liegen die Probleme

Dadurch, dass die Mütter meist nur noch Teilzeit arbeiten, sinken ihre beruflichen Aufstiegschancen. Teilzeit ist in Deutschland noch immer ein Karrierekiller. Außerdem ist es auch 2016 noch so, dass Männer - bei gleicher Qualifikation - mehr verdienen als Frauen. Eine frustrierende Situation für die Frauen, die sich langfristig noch zuspitzen wird, denn spätestens im Alter rächt sich die Reduzierung der Arbeitszeit: Durch die verringerte Arbeitszeit zahlen die teilzeitarbeitenden Mütter weniger in die Rentenkassen ein. Kommt es zur Trennung vom Partner, ist die Gefahr der Altersarmut groß.

So soll das neue Familiengeld funktionieren

Familienministerin Schwesig hat es sich zum Ziel gesetzt, die Ungleichheit in der Betreuung zu bekämpfen. Schließlich wünschen sich viele Väter mehr Zeit mit ihren Kindern, während ihre Partnerinnen gerne ihre Arbeitsstunden aufstocken würden. Schwesig will mit dem Familiengeld beide Seiten ermuntern - Mütter zu mehr Zeit für den Beruf, Väter zu mehr Zeit für den Nachwuchs. Väter würden für mehr da sein wollen als nur für den Gute-Nacht-Kuss, sagte die SPD-Ministerin laut der Deutschen Nachrichtenagentur.

Ihr Plan: Väter und Mütter, die in der Woche zwischen 28 und 36 Stunden arbeiten, erhalten vom Staat zwei Jahre lang je 150 Euro. Alleinerziehende bekommen die ganzen 300 Euro. Das Familiengeld soll im Anschluss an das Elterngeld gezahlt werden und bis zum achten Geburtstag des Kindes beantragt werden können. Schwesig schätzt, dass sich 20 Prozent der Familien für die Unterstützung interessieren würden. Das Familiengeld würde den Staat eine Milliarde Euro im Jahr kosten.

Die Reaktionen

Während Schwesigs Vorschlag in der Wirtschaft mit Interesse aufgenommen wurde, zeigen sich Unions-Politiker nur wenig begeistert. "Mit seriöser Familienpolitik hat das nichts zu tun", sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs und bemängelte die fehlende Gegenfinanzierung. Schwesig verspreche pauschal Geldgeschenke für berufstätige Eltern. Die Grünen bemängelten die hohe Zahl der Stunden, die die Eltern leisten müssten, um überhaupt Anspruch auf das Familiengeld zu haben. Das gehe an der Realität der Familien vorbei.

"Wenn beide Elternteile die Aufgaben in Beruf und Familie gut aufteilen, kann das ein Beitrag zur Fachkräftesicherung in den Betrieben sein", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer. Er betonte aber auch, dass flexible Betreuungsangebote noch viel wichtiger seien als Anreize vom Staat.

Und jetzt?

Schwesig betonte bei der Vorstellung des Familiengeldes, dass sie bereit wäre, ihre Idee sofort umzusetzen, auch wenn noch kein konkreter Gesetzesentwurf vorliegt. Angesichts der Kritik aus der Union konterte die Ministerin, dass sie ihr Konzept notfalls auch erst nach der Bundeswahl im kommenden Jahr durchsetzen könne. Ihr Vorschlag gehe über die momentane Legislaturperiode hinaus.

vim

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