HOME

Mobiler Samenspender: 65-facher Vater – in seinem Lieferwagen kommt er immer zweimal

Ein Brite beglückt die Frauen seines Landes – mit einer kostenlosen Samenspende. So kamen zu den eigenen drei Kindern des 62-Jährigen noch 65 hinzu, 14 weitere sind unterwegs. Hat er die 100 voll, macht Clive Schluss.

Ein weißer Lieferwagen auf einer Straße

In seinem Lieferwagen produziert der 62-jährige Clive, was er kurz darauf an Frauen mit Kinderwunsch überreicht: seine Samenspende (Symbolbild)

Getty Images

Früher war Clive Mathelehrer, heute ist er viel mit dem Auto unterwegs. Der glücklich verheiratete 62-Jährige aus Burton-upon-Trent, mitten im Herzen Großbritanniens, hat sich einen neuen Job gesucht, nachdem er in Rente gegangen war. Clive hat drei Kinder und ist bereits neunfacher Großvater. Doch das scheint ihm nicht zu reichen, denn er verteilt seine Spermien im ganzen Land. So ist es schon passiert, dass er für eine Lieferung seiner Spende einen ganzen Tag im Auto gesessen hat, um die Ware persönlich überrreichen zu können. Schließlich handelt es sich um empfindliches Gut.

Ist Clive angekommen, parkt er um die Ecke, klettert in den hinteren Teil seines Lieferwagens und erleichtert seine Lenden. Anschließend füllt er den Erguss in eine Spritze, verpackt sie sorgfältig und klemmt sich das Päckchen unter dem Arm, so bleibt es warm. An der Tür plaudert er fünf bis zehn Sekunden mit der Empfängerin, um sie zu beruhigen. Der "Sun" erzählte der Mann, der seinen Nachnamen nicht preisgeben möchte: "Die Frauen sind oft nervös, so kann ich sie ein wenig beruhigen." Über seine Lieferwagenidee sagte er: "Ich weiß, das ist ungewöhnlich. Aber es hinten im Auto zu machen, macht mich unbeteiligter, bindet mich emotional weniger."

Bald im Fernsehen

Clive ist in Großbritannien bald in einer Dokumentation zu sehen. Channel 4 dreht eine Reihe namens "Super Sperm Donors", in der Samenspender größeren Ausmaßes begleitet werden. Clive ist seine Arbeit nicht peinlich, er nimmt auch kein Geld dafür. Andererseits möchte er seine Identität geheimhalten, weil die Frauen ihn rechtlich verpflichten könnten, für seine Kinder Alimente zu bezahlen. Den Schutz einer offiziellen Samenbank genießt er nicht.

"Zwar ist das bislang noch nicht geschehen, aber das ist einer der Gründe, warum ich den Lieferwagen benutze", erklärte Clive der "Sun". Schließlich möchte er nur helfen, denn er findet, jede Frau mit Kinderwunsch soll ein Baby bekommen dürfen. Hinzu kommt wohl auch ein gewisses Glücksgefühl. "Ich bin so stolz darauf, Vater von 79 Kindern zu sein. Ich liebe die Freude, die es verbreitet. So viele Leute sagen: 'Vielen Dank, Clive, du hast unser Leben verändert.'"

Die Idee entstand schon vor 15 Jahren

Im Jahr 2013 hat Clive mit seinen Samenspenden begonnen, die Idee dazu war bereits zehn Jahre zuvor entstanden, als er über das Thema gelesen hatte. "Die Betroffenen taten mir leid und ich hatte Zeit zu helfen", sagt er. Ursprünglich war er besorgt, dass seine Spermien mit Ende 50 vielleicht nicht mehr hilfreich seien könnten. Die Qualität lässt ab dem 35. Lebensjahr nach und es besteht ein größeres Risiko, etwa ein autistisches Kind zur Welt zu bringen. Clive hatte sich nach Kliniken umgesehen, doch keine akzeptierte Spender, die älter als 45 Jahre sind. Im Schnitt gibt Clive 16 Proben pro Monat ab, aber nur manche führen zu der erhofften Schwangerschaft.

"Ich habe bei Facebook eine Anzeige veröffentlicht", erzählte Clive der "Sun". "Ich bin ein gesunder Mann. Ich fahre Mountainbike und bin sehr aktiv. Ich habe auch keine dauerhaften Krankheiten, von denen ich weiß." Auf die Anzeige reagierten ausschließlich Frauen. "Etwa zwei Drittel der Frauen, denen ich geholfen habe, sind gleichgeschlechtliche Paare. Der Rest sind heterosexuelle Paare und ein paar auch Singles."

Es klappt nicht immer sofort

Wenn eine Samenspende nicht anschlägt, kommt Clive ein paar Wochen später noch einmal vorbei und bringt neuen Stoff. "Bei etwa einem Drittel der Kinder, die ich gezeugt habe, hat die Befruchtung beim ersten Mal geklappt", resümert er. "Beim zweiten Drittel war der zweite Versuch erfolgreich und der Rest hat manchmal bis zu sechs Angänge gebraucht."

Zu Beginn hat Clive sich gefragt, wie ihn die Spenden emotional beeinflussen würden, "man weiß ja nie". Doch in der Hinsicht hatte er kein Problem. "Fünf oder sechs" der Kinder, die durch ihn auf die Welt gekommen sind, sieht er sogar manchmal. Die Mütter wüssten natürlich, dass die Kinder irgendwann Fragen nach ihrem Vater stellen würden, wenn sie alt genug sind. Die Brite glaubt, sie würden dann wahrscheinch antworten: "Du kannst dir denken, wer es ist – der verrückte Clive, der manchmal vorbeikommt."

Seine Frau ist nicht so glücklich

Lediglich Clives Frau ist weniger glücklich mit der Tatsache. "Sie weiß davon, aber sie mag es nicht", gesteht Clive. "Anfangs habe ich es ihr nicht gesagt und sie ein paar Mal angelogen, wenn ich gesagt habe, wo ich hingehe. Nach ein paar Monaten habe ich das Thema Samenspende beim Essen mal angesprochen, aber sie war nicht beeindruckt davon. Also ließ ich es fallen." Eines Tages hat Clive dann mal sein Handy rumliegen lassen und seine Frau hat die Nachrichten gelesen. Dann wusste sie Bescheid. "Das hat mein Leben leichter gemacht", sagt Clive, "aber ich habe nicht aufgehört."

Seinen Kindern musste Clive wegen der Fernseh-Dokumentation davon erzählen. "Ich war besorgt, was meine Tochter sagen würde", so Clive, "aber sie sagte, das sei okay, solange keines der Kinder an ihrer Tür klingelte." Da sei ihm ein Stein von den Schultern gefallen.

Riesige Familie: Samenspender-Tochter reist durch die Welt, um mehr als 40 Geschwister zu treffen

Wissenscommunity