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Panini-Wahn auf dem Schulhof: Schulen verbieten das Tauschen von Fußballbildern

50 Euro war eine Erstklässlerin aus Baden-Württemberg bereit, für drei Panini-Bilder zu zahlen. Ihre Lehrer griffen ein und verboten das Tauschen. Damit steht die Schule nicht allein da. Doch es gibt auch vom Tausch-Wahn begeisterte Lehrkräfte.

Ein Junge zeigt stolz seine Panini-Bilder

Bringen die Fußballbildchen nur Streit und Unruhe auf den Schulhof oder fördert das Sammeln und Tauschen die Kommunikationsfähigkeit? Den meisten Kindern wird das egal sein.

Die neue Währung auf deutschen Schulhöfen: Panini-Bilder. Klar, auch Sammelalben aus dem Star-Wars- oder Eisprinzessin-Universum schaffen es immer mal wieder in die Schultaschen. Doch vor dem Start der Europameisterschaft hat das Sammelfieber anscheinend ganz Deutschland im Griff - einschließlich der Kleinsten. Da reißen selbst diejenigen, die gar kein eigenes Album besitzen, fleißig Tütchen auf und tauschen, was das Zeug hält. Panini-Bilder sind zur Währung für fast alles geworden - Pausenbrote, Schokoriegel, fertige Hausaufgaben, 50-Euro-Scheine.

Transferphase frühzeitig beendet

So viel war eine Grundschülerin aus Esslingen bereit, für drei von ihr sehnsüchtig gewünschte Fußballbildchen zu bezahlen. Grund genug für ihren Rektor, Joachim Steimle, den Tauschhandel an seiner Schule zu unterbinden. "In den Pausen wurde nur noch gefeilscht und getauscht, anstatt sich zu bewegen", sagte er der "Welt". Und statt die Begeisterung für Fußball zu verstärken, entwickelten die Kinder eine Vorliebe für eine Art Glücksspiel: Sie warfen die Bilder in die Luft und abhängig davon, auf welcher Seite sie landeten, wechselten sie den Besitzer. Verständlich, dass dieses Spiel für viel Ärger an der baden-württembergischen Schule sorgte.

Mit seiner Ablehnung des Sammel-Wahns ist Steimle nicht allein, viele andere Schulen in Deutschland haben ähnliche Regeln eingeführt. An der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule am Bingener Weg in Düsseldorf ist das Tauschen von Bildern zum Beispiel nur mittwochs erlaubt. An den anderen Tagen muss das Album samt Stickern zu Hause bleiben.

Panini: Der "Wahn" hat auch Vorzüge

Schulleiter Thomas Wenzel hingegen freut die Begeisterung seiner Schüler für die Sticker. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" lobte er die Vorteile des Panini-Wahns. Durch das Tauschen der Bilder würden Fähigkeiten der Kinder im Zählen, Rechnen und Verhandeln gefördert. An seiner Grundschule nördlich von Hannover darf also fleißig getauscht werden – allerdings nur in den Pausen, bis in den Unterricht haben es die Fußballbilder noch nicht geschafft.

vim

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