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Mehr Selbstbehalt: Ein Faustschlag ins Gesicht der Mütter

Mehr Selbstbehalt ab 2015 kann weniger Unterhalt für Kinder bedeuten. Wenn ein Gesetz diese Kehrseite hat, wie kann es dann verschiedet werden? Mal wieder leben Alleinerziehende mit den Konsequenzen.

Ein Kommentar von Susanne Baller

Bei allen Eltern liegen die Nerven manchmal blank. Wir sollten deshalb dafür sorgen, dass Alleinerziehende besser unterstützt werden. Vor allem finanziell.

Bei allen Eltern liegen die Nerven manchmal blank. Wir sollten deshalb dafür sorgen, dass Alleinerziehende besser unterstützt werden. Vor allem finanziell.

Alles wird teurer, aber geholfen wird nur Vätern: In der vergangenen Woche hat das Oberlandesgericht in Düsseldorf entschieden, wegen gestiegener Lebenshaltungskosten den Selbstbehalt für Unterhaltspflichtige ab 2015 zu erhöhen. Das heißt konkret: Statt wie bisher 1000 Euro steht dem zahlenden Elternteil, das sind in der Regel die Väter, nun 1080 Euro zu. Kein Thema, könnte man denken, selbst 1080 Euro sind ja nicht gerade viel Geld. Aber: Reicht das Gehalt des Vaters nicht aus, um auch den Unterhalt für seine Kinder zu zahlen, wird die Differenz bei ihnen abgezogen. Die Unterhaltssätze der Kinder aber bleiben unverändert, das sei zweifellos "unschön", befanden die Familienrichter. Bähmm. Mama kann sehen, wie sie das hinkriegt.

Bleiben wir bei dem Fall Papa zahlt, Mama hat die Kinder. Alleinerziehende Väter mögen mir das verzeihen, aber von 1,6 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland sind mehr als 90 Prozent Frauen. Sagen wir also Papa verdient 1500 Euro netto, hat zwei Kinder, eins davon unter und eins über zwölf Jahre alt. Das ältere Kind müsste laut Düsseldorfer Tabelle 426 Euro monatlich bekommen, das jüngere 364. Zusammen 790 Euro. Papa hat aber nur 420 Euro zu verteilen, da er selbst 1080 Euro behält. Die Differenz von 370 Euro wird deshalb beim Haushalt der Mutter abgezogen.

Sorge Geldnot

Dabei müssen Mütter eine größere Wohnung bezahlen, immer teurer werdende Lebensmittel, die Kita, den Sportverein, Kleidung, Schulausflüge und, wenn es ganz schlecht läuft, auch mal zwei Paar Winterschuhe pro Kind. Wenn sie nicht arbeiten, hilft das Sozialamt - mit 937 Euro plus Mietkosten zum Beispiel für eine Erwachsene und zwei kleine Kinder. Vier von zehn Alleinerziehenden leben mit ihren Kindern an der Armutsgrenze. Viel zu oft zahlen Väter gar keinen Unterhalt und ab dem zwölften Lebensjahr springt auch die Unterhaltsvorschusskasse nicht mehr ein. Wenn die Mütter arbeiten, oft in Teilzeit, sieht es finanziell kaum besser aus. Selbst bei Vollbeschäftigung müssen sie ständig jonglieren, an persönlichen "Luxus" wie eine Altersvorsorge ist oft gar nicht zu denken. Ein Kind großzuziehen, ist eine teure Angelegenheit. 131.256 Euro teuer, genau gesagt. Und das sind nur die Kosten bis zum 18. Geburtstag.

Was wir uns für unsere Kinder doch eigentlich wünschen, ist eine Mutter, die entspannt genug ist, in der Erziehung ihrer Kinder liebevoll und konsequent zu sein. Die aufmerksam genug ist und merkt, wenn es einem ihrer Kinder nicht gut geht. Natürlich ist eine liebevolle Mutter keine Frage des Geldes, aber eine Mutter mit ständigen Geldsorgen kann es kaum schaffen, entspannt und ausgeglichen zu bleiben. Was am Richtertisch vernünftig klingt, fühlt sich am spärlich gedeckten Abendbrottisch wie Willkür an. Und es stellt sich die Frage, ob ein Erste-Welt-Land wie Deutschland es nicht hinkriegen kann, mehr in seine Zukunft zu investieren - in seine Kinder.

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