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Kriminalität: Schwarzarbeit ist existenzvernichtend

Sparsamkeit bei der Wohungsrenovierung oder dem Hausbau kann auch ein Fehler sein: Denn während für viele Deutsche Schwarzarbeit immer noch ein Kavaliersdelikt ist, geht der Staat mit harten Strafen dagegen vor.

Manchmal kann konsequente Sparsamkeit auch ein Fehler sein. Das ist besonders oft der Fall, wenn es darum geht eine Wohnung zu renovieren oder ein Haus zu bauen. Zumindest immer in jenen Fällen, in denen die Grenzen des Erlaubten überschritten wird. Und das ist vielfach der Fall, wenn es darum geht eine Wohnung zu renovieren oder gar ein Eigenheim zu bauen. Da hämmern, mauern oder tapezieren dann Helfer, die der Gesetzgeber mit dem bösen Begriff "Schwarzarbeiter" beschreibt. Doch trotz heftiger Strafe ist dies den meisten Bundesbürgern ziemlich schnuppe. Ob sie die Grenze zur Schwarzarbeit überschreiten, kümmert laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für den Baufinanzierer BHW nur eine Minderheit.

Freundschaftsdienst oder Schwarzarbeit? Die Bereitschaft, auch einmal ein Auge zuzudrücken, ist groß: 55 Prozent der Bundesbürger stufen Schwarzarbeit in "kleinerem Umfang" als Kavaliersdelikt ein, sechs Prozent sogar generell. 36 Prozent bewerten sie dagegen als Straftat, so das Fazit der BHW-Studie.

Wenn Freunde oder Verwandte aus Gefälligkeit tätig werden, kommt der Bauherr nicht mit dem Schwarzarbeitsgesetz in Konflikt. Der Stuttgarter Baurechtler Hans-Martin Käser erläutert: "Dabei wird aus Gefälligkeit üblicherweise derjenige tätig, der für seine Arbeit keine Vergütung erhält." Wird also mit dem Helfer eine Stundenlohn- oder Pauschalentlohnung vereinbart, gilt die Gefälligkeits-Regel nicht mehr. Allenfalls kleine Aufmerksamkeiten wie eine Packung Zigaretten oder eine Flasche Sekt sind noch legal.

"Hilfe" darf nicht auf Gewinn abzielen

"Entscheidend ist, dass die Hilfsleistungen nicht auf Gewinn ausgerichtet sind", zieht Ines Graf von der Zollabteilung "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" in Köln die Grenzen zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem. Entsprechend darf der Bauherr beispielsweise Aufwendungen der Helfer für Fahrtkosten, Material und Arbeitskleidung begleichen sowie ein kleines Entgelt als Dankeschön zahlen.

Wird einem Bauherrn nachgewiesen, dass er Schwarzarbeiter beauftragt hat, fordern die Finanzbehörden die entgangenen Sozialversicherungsbeiträge ein und verhängen empfindliche Geldstrafen. Doch nicht nur den Fiskus interessiert, wer hämmert. "Die für die Bekämpfung der Schwarzarbeit zuständigen Landesbehörden arbeiten wiederum mit einer ganzen Reihe anderer Behörden zusammen", warnt Baurechtler Käser. So gibt es einen regen Informationsaustausch zwischen der Bundesanstalt für Arbeit, Träger der Krankenversicherung als Einzugsstellen für die Sozialversicherungsbeiträge, Ausländerbehörden, Finanzbehörden, Träger der Unfallversicherung, Arbeitsschutzbehörden und Hauptzollämtern.

Mindestbußgeld 1500 Euro

Die Folgen der Fahndung: wer sich ohne Rechnung die Wände weißen lässt oder die Strominstallation renoviert, steht mit einem Bein im Gefängnis. Mindestens aber 1500 Euro Bußgeld werden fällig, wenn Schwarzarbeiter den Fahndern auffallen. "Vielfach", schildert Anwalt Käser seine Erfahrungen, "bekommen Bauherren unliebsame Post oder sogar Besuch auf dem Bau, weil sie nicht genau wussten, wo die Grenzen zwischen Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfe und Gefälligkeit gezogen sind."

Aber nicht nur mit Blick auf das Gesetzbuch empfiehlt BHW-Fachmann Matthias Schnabel, auf das Bausparen der besonderen Art zu verzichten: "Alle Helfer sollten unbedingt auch bei der Bau-Berufsgenossenschaft angemeldet werden, um gegen die Folgen von Arbeitsunfällen gewappnet zu sein." Für die Absicherung zahlt der Bauherr Versicherungsbeiträge, die je nach Region etwa zwei Euro pro Einsatzstunde und Helfer betragen. Resümee von Anwalt Käser: "Sicherlich spart man mit illegalen Helfern Geld, aber letztlich ist das Risiko unüberschaubar und kann für Auftraggeber wie Auftragnehmer existenzvernichtend sein. Man stelle sich vor, ein unversicherter Schwarzarbeiter ist nach einem Sturz querschnittsgelähmt. Die Kosten für Heilbehandlung und Unterhalt können Millionen verschlingen."

Norbert Michulsky/DDP / DDP
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