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Bayern-Reihe – Corona-Tagebuch

Bei Herrmanns dahoam: Der Mann geht jetzt mit einkaufen. "Orangen! Ich mag Orangen!" War mir bis dato nicht klar

Für den stern erzählt Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" derzeit so zugeht. An Tag fünf der Ausgangsbeschränkung geht der Mann zum ersten Mal mit einkaufen – und rastet aus vor Glück!

Ein Mann trägt eine Stiege Orangen

Claudia Herrmann entdeckt ganz neue Seiten an ihrem Mann: Er mag Orangen! (Symbolbild)

Getty Images

Ich weiß wirklich nicht, wie ich die Ausgangsbeschränkungen 14 Tage oder länger aushalten soll. Mir ist sooo langweilig. Ich habe alles geputzt, was möglich war. Ich habe sogar das Lüftungsgitter des Kühlschranks ausgebaut und das Gewürzregal hab' ich schon zwei Mal sauber gemacht. Außerdem habe ich angefangen, die Socken zu bügeln. Wir haben uns von unserer Tochter in Köln ein Puzzle schicken lassen, dass wir jetzt machen. Wenn das so weitergeht, fange ich noch das Stricken an.

Claudia Herrmann mit Katze

Claudia Herrmann über sich: "Die Kinder sind aus dem Haus und ich bin vor der Menopause. Ich glaub, das ist die beste Zeit meines Lebens! Ich muss nur aufpassen, das ich jetzt nicht zur crazy cat lady mutiere."

Das Positive ist: Mein Mann geht mit mir zu einkaufen. Das ist unser Wochen-Highlight! Wir halten uns ja an die Regeln und bleiben zu Hause. Stay at Home! Ältere Menschen schützen! Deswegen gehen wir nur alle zehn Tage einkaufen. Da muss man wirklich ganz schön planen, wenn das mit der Kocherei auch gut werden soll. Aber ich hab' ja Zeit, mein Mann ist nämlich "Breaking Bad"-süchtig und ich kann den ganzen Abend ultra komplizierte Kochrezepte googleln. Die Priorität, die Essen in unserem Leben eingenommen hat, macht mir auf jeden Fall Sorgen. 

Das Wichtigste derzeit? Essen!

Ein Auszug meines Küchenplanes: Gelbes Kürbis-Rind-Curry mit Basmati-Reis, Lachs auf Spitzkohlrahm, Wiener Schnitzel und Kartoffelsalat mit Feldsalat, Shepherd's Pie, Hähnchenspieße Teriyaki mit Asia-Glasnudel-Salat. Wuhuu! Da man für zehn Tage sehr viele Lebensmittel einkaufen muss, ist der Wagen ganz schön voll, was mir sehr peinlich ist. Nicht, dass noch jemand denkt, wir machten Hamsterkäufe!

Da mein Mann sonst nie mit mir einkaufen geht, ist er über die Auswahl ganz begeistert. "Ui – Landjäger!", ruft er. "Die nehmen wir mit! Und Orangen! Ich mag Orangen!" War mir bis dato nicht klar, denke ich mir irritiert. "Wow! Was sind denn das für Joghurts?" Mein Mann strahlt. "Mmmmmh, ich nehme Vanille uuuuund Haselnuss und Stracciatella. Ist das Erdbeerquark? Wie geil!" 

Wir dürfen auf keinen Fall wie Hamsterer wirken!

Beim Chipsregal geht's mit ihm durch. Am Schluss schmeißt er noch zwei Packungen Klopapier auf den Wagen. "Wir haben genug Klopapier!", mahne ich. "Nur zur Sicherheit! Schadet ja nicht!" Er ist im Einkaufsrausch und wirft gleich noch Katzenfutter für vier Wochen dazu. Zu dem Zeitpunkt werden mir einige gesellschaftliche Probleme klar. "Jetzt hör doch mal auf! Das macht man nicht!", rüge ich ihn. Kopfschüttelnd lege ich das Klopapier und vier Packungen Katzenfutter zurück.

Hamsterkäufe machen geht gar nicht! Auch nicht beim Klopapier. Was mir nicht schlüssig ist, was die Menschen mit all dem Mehl machen?! Backen die jetzt alle Brot daheim? Da man dazu ja Hefe oder etwas Ähnliches bräuchte, verstehe ich das nicht. Ich hab's also gegoogelt und man kann mit Mehl und Wasser einzig folgende Esswaren herstellen: Fladenbrot und Wiener Wasserspatzen. Aber für einen langen Zeitraum? Fladenbrot. Wiener Wasserspatzen??? (Ich weiß gar nicht, was das genau ist.) Aber wie lange kann man das essen?

Was die Leute für absurde Dinge kaufen!

Wussten Sie, dass nicht nur Klopapier und Mehl gehamstert werden? Der Verkauf von Blumenerde hat sich versechsfacht! Wieso Blumenerde? Kann man irgendetwas aus Mehl, Klopapier und Blumenerde machen, das ich nicht kenne??

Leider geht es bei mir langsam in Richtung Lagerkoller. "Wenn ich heute noch eine Folge 'Breaking Bad' sehen muss, werfe ich die Fernbedienung aus dem Fenster", erkläre ich abends meinem Mann. Er hat genickt und schaut jetzt Chuck-Norris-Filme. Ich bin genervt und mache Chuck-Norris-Witze. "Chuck Norris hat bis unendlich gezählt. Zwei Mal!" Halbherziges Nicken von meinem Mann. "Chuck Norris isst keinen Honig – er kaut Bienen!" Genervtes Nicken von meinem Mann. "Chuck Norris kann Drehtüren zuschlagen!" Mein Mann antwortet nicht mehr – er schnauft nur noch. Ich sollte damit aufhören.

Mir ist langweilig, deshalb schnappe ich mir eine unserer Katzen. "Wusstest du, Birdie", frage ich die Katze ernsthaft, "Chuck Norris hat einen Grizzlybär-Teppich! Der Bär lebt, er hat nur Angst, sich zu bewegen!" Birdie schaut mich gelangweilt an. Selbst die Katze ist genervt von mir. Mir ist langweilig. Ich glaub', ich ess noch was. Wir haben schließlich genug da!

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