leipzig Jahns Erben


Die Turnerstadt Leipzig richtete die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Geräteturnen aus.

Die Turnerstadt Leipzig richtete die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Geräteturnen aus.

In der Luft hängt der Geruch von Brühwürstchen und Kartoffelsuppe: Was man eben so als »Erfrischung« oder »kleine Stärkung« anbietet, wenn man es den ganzen Tag warm halten muss. Der wahre Sieger des Tages ist sowieso die Tiefkühltruhe: im Laufe des Tages kaufen alle zahllose Eislutscher. Es ist warm in der Grube-Halle an der Jahnallee, obwohl die Klimaanlage auf Hochtouren läuft. Die rund dreihundert jungen Sportler, die an diesem Wochenende aus ganz Deutschland angereist sind, müssen sich trotzdem konzentrieren: auf die Ringe, den Schwebebalken, das Reck.

Bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Geräteturnen am 25. und 26. Mai geht es nicht nur um Titel und Plätze, sondern auch um die Qualifikation zur Universiade. Die »Olympiade der Studenten« soll im August in Peking stattfinden. Damit auch der Spass nicht zu kurz kommt, stiftet der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) noch einen Cup, um den parallel zur Hochschulmeisterschaft gekämpft wird. Hier sind die Übungen ein kleines bisschen einfacher, dafür aber die Bewertungen besser. Zur Freude der Damen von der Deutschen Sporthochschule in Köln, die den ersten Platz gewinnen.

»47 Aktive haben an dem Cup teilgenommen. Frauen mit guten Figuren«, tönt Kommentator Klaus Köster bei der Siegerehrung. Die Bemerkung, zwar zotig und fehl am Platz, trifft durchaus zu. Die Mädchen sind klein, haben schmale Taillen, kräftige Schultern und Oberschenkel. Ihre Körper sehen schon von weitem hart und muskulös aus. Sie sind gut austrainiert. Und sie sehen gesund aus. Im Unisport sind auch die Turnerinnen keine Nymphchen. Sie sind über 18, und man hat sie nicht daran gehindert, auch so auszusehen. Die Jungen sehen sowieso klasse aus: Wie Artisten aus alten Zirkusfilmen. Mit kurzen Hosen und weitausgeschnittenen Trägerhemden. Und ein bisschen benehmen sie sich auch so: Salti und Flicflacs aus dem Stand, ein bisschen Laufen auf den Händen zur Pausenmusik: das ist alles kein Problem. Oder eben im Bocksprung den Weg zum Siegerpodest antreten, so wie es die Männer aus Karlsruhe tun. Damit, und mit den Pappkronen von Burger King auf den Köpfen, stehlen die Drittplatzierten des adh-Cups den Siegern aus Würzburg fast die Show. Dem strengen Turnvater Jahn wäre das wohl alles zu verspielt gewesen.

Linda Müller von der Universität Leipzig schwingt sich als letzte vom Stufenbarren ab. »Damit hat Linda Müller ihre dritte Goldmedaille gewonnen«, jubelt Klaus Köster, noch bevor die Kampfrichter Gelegenheit haben, Lindas Leistung zu bewerten. Dafür fängt sich der Kommentator prompt eine Rüge ein. Formal sicherlich gerechtfertigt. Aber tatsächlich können die Kampfrichter nur bestätigen, was auch jeder Laie sah: Linda bewältigte alles mit schlafwandlerischer Sicherheit - neben dem Stufenbarren auch Bodenkür, Schwebebalken und Sprung .


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