Mehrwertsteuererhöhung Nicht so schlimm wie befürchtet


Rund vier Wochen nach Erhöhung der Mehrwertsteuer werden erste Folgen für die Konjunktur sichtbar: In vielen Bereichen zogen die Lebenshaltungskosten merklich an. Doch der Dämpfer dürfte ein kurzer bleiben.

Überraschung zum Jahresanfang: Trotz der höheren Steuerbelastung halten Experten den Mehrwertsteuerereffekt etwa auf die durchschnittlichen Verbraucherpreise für unerwartet gering. Die boomende Gesamtwirtschaft dürfte den Dämpfer rasch überwinden. Nur die Einzelhändler stöhnen einer Umfrage zufolge über kräftige Umsatzeinbußen.

Viele Dienstleistungen wurden teurer

Erste Daten aus den Bundesländern zeigen, dass Dienstleister ihre Preise erhöhten. So verteuerten sich etwa Autoreparaturen und Besuche beim Schuster und Friseur. Zudem mussten Verbraucher mehr für Strom und Gas sowie für Zugfahrten zahlen. Allerdings gehen Fachleute davon aus, dass nur ein Teil der höheren indirekten Steuern an die Verbraucher weitergegeben wurde. Nach ersten Berechnungen des Hessischen Landesamtes trieb die höhere Mehrwertsteuer die Verbraucherpreise in dem Bundesland um 0,3 Prozentpunkte nach oben. Damit sei nur rund ein Fünftel der höheren Steuerlast an die Verbraucher weitergereicht worden.

Der Einzelhandel dürfte sich ohnehin zieren, zum Jahresanfang die Preise zu erhöhen. Der Branchenverband HDE geht davon aus, dass Händler, Industrie und Verbraucher die Last der Mehrwertsteuererhöhung je zu einem Drittel schultern. Dieses Verhältnis dürfte sich allerdings zu Ungunsten der Konsumenten verlagern, sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. "Am Ende wird der Verbraucher die Zeche zahlen müssen. Aber es wird dauern, bis alles bei den Leuten ankommt." Viele Ökonomen gehen davon aus, dass Handel und Dienstleister ihre Preise bereits im vergangenen Jahr erhöht haben, um die Steuererhöhung abzufedern.

Erwarteter Rückgang

Einer Umfrage unter 500 Einzelhändlern zufolge erlitt die Branche im Januar empfindliche Umsatzrückgänge. "Die dreiprozentige Mehrwertsteuererhöhung im Januar hatte stark negative Auswirkungen auf die Einzelhandelsumsätze", hieß es zum Bloomberg/NTC-Einkaufsmanagerindex. Zudem hätte ein Drittel der Unternehmen den angepeilten Umsatz verfehlt.

Der HDE hat bisher keine Signale für "dramatische Umsatzeinbrüche im Januar, aber eher für den erwarteten Rückgang". Die Preisnachlässe seien größer als in der Vergangenheit und verzerrten das Bild, sagt Pellengahr. Ein genaues Bild über die Folgen der Steuererhöhung sei erst nach dem Winterschlussverkauf möglich. "Der Handel hat versucht durch massive Rabattaktionen, die Leute ins Geschäft zu locken", sagt DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Preiserhöhungen seien erst mit Auslaufen der Rabatte ab Februar zu erwarten. Allerdings stecke der Handel in einer Zwickmühle: "Reicht er die höheren Kosten nicht weiter, wird die Marge geschluckt, erhöht er die Preise, muss er ein Umsatzminus befürchten."

Handel für 2007 ungebrochen optimistisch

Anzeichen für schwache Einzelhandelsumsätze hatte bereits die geringe Kauflaune der Bürger geliefert. So war das von den Nürnberger GfK-Marktforschern berechnete Konsumklima stark gesunken. Auch in den zuletzt erfolgsverwöhnten Chefetagen der deutschen Firmen hat die höhere Umsatzsteuer Spuren hinterlassen - zumindest vorübergehend. Das Ifo-Geschäftsklima, das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Konjunktur, hatte sich im Januar eingetrübt. Allerdings lag der Index immer noch nahe seiner langjährigen Rekordmarke. Für die Industriekonjunktur rechnen die meisten Volkswirte deshalb nach einer leichten Delle zu Jahresanfang wieder mit deutlichem Wachstum. "Wir sind optimistisch für 2007", sagt Scheuerle.

Klaus Lauer/Reuters Reuters

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