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muenchen: »Wir brauchen ausländische Studenten«

Hehre Ziele - schwierige Bedingungen

Hehre Ziele - schwierige Bedingungen

Die Universität München will ihren aktuellen Anteil an ausländischen Studenten bis zum Wintersemester 2003/2004 um fünfzig Prozent erhöhen. Dieses Ziel gab LMU-Rektor Professor Andreas Heldrich am Montag vor. Derzeit studieren rund 5.700 Ausländer in München. Heldrich wies jedoch auf die keineswegs attraktiven Rahmenbedingungen für deren Studienaufenthalt hin. Ausländerrechtliche Beschränkungen, Finanzierungsprobleme des Studiums und vor allem die Wohnungsnot in München bereiteten vielen Kommilitonen große Sorgen.

»Das geltende Ausländerrecht ist für die Bedürfnisse der Hochschulen zu einengend«, kritisierte Heldrich. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist beispielsweise die Chance für studierende Ausländer beschränkt, in Deutschland durch Jobs Geld zu verdienen. So dürfen die Kommilitonen hier nur drei Monate im Jahr arbeiten. Vor allem Studenten aus Osteuropa hätten Probleme bei der Finanzierung ihres Studiums. Auf das Wissenspotential dieser Studenten will man an der LMU jedoch nicht verzichten. In der Informatik beispielsweise seien die mathematischen Vorkenntnisse der derzeit rund 2.000 Bewerber aus ost- und südosteuropäischen Ländern wie Polen oder Bulgarien vorbildlich.

Das Ziel steht: Rund 8.500 Ausländer sollen im Wintersemester 2003/2004 an der LMU studieren. Für die Visionäre heißt das: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Der Geschäftsführer des Münchener Studentenwerkes, Dieter Maßberg, sagte zum aktuellen Stand der Dinge: »Die Wohnungssituation hat sich zu Beginn dieses Semesters dramatisch verschlechtert. Wir mussten zu drastischen Maßnahmen greifen und Notquartiere mit Matratzenlagern einrichten, um wenigstens die größten Härtefälle aufzufangen.« Als Grund nannte er unter anderem den sprunghaften Zuwachs an ausländischen Studenten in München. Maßberg und Heldrich erhoffen vom Freistaat Bayern Geld zur Verbesserung der Wohnsituation. »Es ist unverzichtbar, weiter zu bauen, sonst ist alle Werbung für den Wissenschaftsstandort München umsonst«, sagte Maßberg. Bis 2005 rechnet das Studentenwerk mit Ausgaben von 262 Millionen Mark für Wohnheimneubauten und Wohnheimsanierungen. Besorgt blickt Maßberg auf den Einbruch des Angebotes an Privatzimmern. Als Gründe hierfür nennt er: »Das hohe Mietpreisniveau und nicht selten Angst und Ablehnung der Vermieter gegenüber Ausländern.«

Der Leiter des Akademischen Auslandsamtes der LMU, Rainer Kohmann, bezeichnete die aktuelle Lage ausländischer Studierender in München als skandalös. Es mangele nicht nur an Wohnraum, sondern auch an Tutoren. Die soziale und fachliche Integration der ausländischen Studierenden an der LMU sei mangelhaft. Beispielsweise dauere es sechs bis acht Wochen, bis die Kommilitonen einen Studentenausweis erhielten.

Maßberg und Heldrich verkündeten indes: »Es geht um unseren guten Ruf im weltweiten Vergleich der Universitäten« - und - »Wenn der Wissenschaftsstandort Deutschland konkurrenzfähig bleiben will, dann brauchen wir ausländische Studenten.« Im kommenden Jahr vergibt die LMU aus ihren eigenen Mitteln 15 Stipendien an Studenten aus Osteuropa. LMU-Rektor Heldrich sagte dazu: »Wir bemühen uns, stoßen aber an Grenzen.« (mb)

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