HOME

muenchen: Ich mache keinen IQ-Test, ich habe Abitur

Ein wenig intelligenter Kommentar

Ein wenig intelligenter Kommentar

Der »Focus« hat es herausgefunden. Unter einem Bild mit büffelnden Studenten stand kürzlich zu lesen, dass manche der Studenten sich ob ihrer IQ-Zahl erst gar nicht hätten einschreiben sollen. Denn: ein Handwerk könne man auch ohne Magistertitel erlernen. Richtig, liebe Zeitschrift - manchen Studenten auf dem Bild sieht man direkt an, wie dumm sie wahrscheinlich sind.

Wie dumm genau, das wird uns der Showmaster Günther Jauch zeigen. Der bittet nämlich ganz Deutschland zum IQ-Test. Beziehungsweise alle Deutschen, die es schaffen, am Samstag, 8. September, ihren Fernseher zu finden. Nur mit Stift und Zettel bewaffnet könne man seine intellektuelle Leistungsfähigkeit messen, verspricht der Sender mit den drei Buchstaben. Wie das gemacht wird? Ganz einfach: Man nehme das Verhältnis von Intelligenzalter zum Lebensalter mal Hundert. Verstanden? Nein? Egal. Dann wird die mediale Reise bis ans Ende des eigenen Verstandes eben nur ein Kurzausflug – um mit Harald Schmidt zu sprechen.

Ferien sind Intelligenzkiller

Auch ich werde meinen Kurzurlaub vor dem Fernseher verbringen – wahrscheinlich zusammen mit tausend anderen Münchner Studenten. Mein Gott, dabei wollte ich meinen IQ doch gar nicht wissen. Noch vor ein paar Monaten habe ich gerufen: »Ich mache keinen IQ-Test! Ich habe Abitur. Was ist, wenn die rauskriegen, ich bin völlig bescheuert? Was war ich dann all die Jahre? Ein Vollidiot mit starkem Willen?«

Und jetzt das. Es hat mich gepackt. Ich will es wissen. Aber was passiert wohl, wenn mein IQ irgendwie bei 84 rumkrebst, während meine Kommilitonen alle lustig bei 130 rumturnen? Was mach ich denn dann? Selbstmord? Outing? Oder doch lieber Vertuschung? Vielleicht schiebe ich es auf diese überzogen langen Semesterferien. Denn Ferien sind gefährlich für die Intelligenz.

Dumm wie Brot

Das sagt ein Erlangener Psychologe. Der hat herausgefunden, dass nach drei Wochen Nichtstun der Intelligenzquotient eines durchschnittlichen Studenten um über 20 Punkte absinkt. Das heißt also: Nach zwölf Wochen Semesterferien bin ich summa summarum und drei im Sinn bei 80 Punkten unter dem Anfangswert. Wo soll das enden? Da werde ich mir meine Platon-Lektüre wohl eher auf den Kopf hauen müssen - anstatt sie zu lesen. Ich könnte sie auch einfach aufessen. Schnurzpiepegal. Bin ja dann dumm wie Brot.

Auch das mit dem Arbeitsplatz kann ich vergessen. Denn egal ob DNS-Analyse oder der Zettel vom Jauch - irgendwas oder -jemand wird mich verraten. Und ich kann nichts dagegen tun. Denn den IQ auffrischen, womöglich noch mit Büchern, nützt nichts. Hat der Erlanger Forscher auch herausgefunden. Also: Kein Abschluss, kein Doktortitel und keine Quizmillion, die mir meinen Lebensabend versüßt. Oh Gott. Dann muss ich wohl doch Moderator werden. Den Jauch hat nämlich noch niemand testen können – denn der hat die Antworten ja immer vor sich. (cw)

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity