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muenchen: Polizei-Einsatz - Räumung

Eine Ausstellung der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf dem Unigelände sorgt für Proteste und Universitäts-Besetzung.

Eine Ausstellung der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf dem Unigelände sorgt für Proteste und Universitäts-Besetzung.

Demonstration, Chaos, Polizei-Einsatz: Der Streit um eine Ausstellung der Sudentendeutschen Landsmannschaft (SL) im Hauptgebäude der Universität ist eskaliert. Gut 30 Studenten stürmten während der Ausstellungs-Eröffnung die Große Aula und hielten sie für 45 Minuten besetzt. Universitätsrektor Andreas Heldrich machte daraufhin von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies die Demonstranten aus dem Saal - 15 Polizisten, teilweise mit Schlagstöcken am Gürtel, begleiteten sie ins Freie.

Die Studenten und Mitglieder des Münchner Bündnisses gegen Rassismus skandierten »Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg«, »Ja zum Potsdamer Abkommen« oder »Ja zu den Benes-Dekreten«. Mindestens ein Student wurde wahrscheinlich kurzfristig festgenommen. Es kam zu Handgreiflichkeiten und Pöbeleien zwischen Demonstranten, Sudentendeutschen und dem Vorsitzenden der Münchner CSU-Fraktion, Hans Podiuk.

Schon im Vorfeld zur Ausstellung hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (AstA) die SL scharf attackiert. Deren Dokumentation »ODSUN« behandelt die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. In Werbeprospekten zur Ausstellung wird mit Blick auf die Vertreibung der Sudetendeutschen behauptet: »Diese unschuldigen Seelen wurden Opfer der schlimmsten ethnischen Säuberungen in der ganzen Weltgeschichte.« Eine der schwersten kulturellen Ausrottungen »traf vor 55 Jahren die Deutschen«. Für den AstA-Vorsitzenden Philip Bauer ist das eine »unerträgliche Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus«. Denn Holocaust und andere Gräueltaten der Nationalsozialisten werden im Prospekt mit keinem Wort erwähnt. Philip Bauer: »Der Holocaust wird hier mindestens verharmlost.«

Schon Stunden vor dem Festakt der Sudentendeutschen demonstrierten einige Dutzend Studenten auf dem Geschwister-Scholl-Platz. Im Lichthof der Universität beschrifteten AstA-Sympatisanten ein Transparent »Stoppt die Holocaust-Verharmloser«. Zwischen AstA und anreisenden Sudetendeutschen wurde die Stimmung dann zunehmend aggressiver, laute Wortgefechte zwischen beiden Gruppen entwickelten sich. Philip Bauer meint: »Die Sudetendeutschen haben ein Problem damit zu sagen, dass auch Deutsche Unrecht begangen haben.« Der Rückblick auf selbst erlittenes Leid verneble den Blick auf den Nationalsozialismus.

Lange stand nicht fest, ob die Ausstellung durch die Universitätsleitung überhaupt genehmigt wird. Laut AstA wurde den Studentenvertretern im Rektoratskollegium verbindlich zugesagt, »ODSUN« nicht in die Uni zu lassen. Später aber ein Rückzieher. Philip Bauer vermutet, dass auf die Universitätsleitung politischer Druck ausgeübt wurde. Denn auch der Präsident des Bayerischen Landtags sei Sudetendeutscher. (af)

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