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Pflegereport: Jeder Zweite braucht im Alter Pflege

Das Risiko, zum Pflegefall zu werden, ist wesentlich höher als allgemein angenommen. Nach einer aktuellen Studie war etwa jeder Zweite, der 2007 in Deutschland gestorben ist, im Todesjahr pflegebedürftig. Besonders bemängelt der Pflegereport die fachärztliche Versorgung in Heimen.

Nahezu die Hälfte der Deutschen hängt im Alter von Pflege ab. Außerdem muss nach dem am Montag erstmals veröffentlichten Pflegereport der Gmünder Ersatzkasse (GEK) die fachärztliche Versorgung in Pflegeheimen dringend verbessert werden. Heimbewohner mit psychischen Störungen oder Parkinson-Syndrom sähen den Facharzt durchschnittlich 2,5 Mal statt wie empfohlen vier Mal im Jahr. Defizite zwischen 30 und 50 Prozent im Vergleich zu nicht Pflegebedürftigen gebe es bei Kontakten zu Augenärzten und Orthopäden.

Der Report untersuchte, wie hoch der Anteil der 2007 verstorbenen GEK-Versicherten war, die im Todesjahr Pflegeversicherungsleistungen in Anspruch genommen haben. Bei den Männern lag der Anteil demnach bei mehr als 40,9 Prozent, bei den Frauen bei mehr als 50,7 Prozent. Der Durchschnitt wurde mit 44,1 Prozent angegeben. GEK-Vorstandsvorsitzender Rolf-Ulrich Schlenker sagte dazu: "Wir müssen über Pflegetrends, Pflegeverläufe und Pflegedefizite mehr wissen." Die nächste Pflegereform sei absehbar.

Der Autor des Reports, Prof. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen, wurde mit den Worten zitiert: "Pflege geht uns alle an! Aber Pflege ist keine Einbahnstraße, es kommt auch zu Rückstufungen. Einem kleinen Personenkreis gelingt sogar die Rückkehr in die selbstständige Lebensführung."

Bereits zwei Millionen Pflegebedürftige

Derzeit erhalten rund zwei Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Seit 1996 - einem Jahr nach deren Start - hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen um gut 25 Prozent erhöht. Die mittlere Pflegedauer beträgt für Männer 15,8 Monate, für Frauen 40,3 Monate und damit mehr als drei Jahre.

Als alarmierend bewertete Rothgang eine Tendenz: "Diejenigen, die professionelle Pflegesachleistungen und Kombinationsleistungen in Anspruch nehmen, kommen früher in Pflegeheime als Pflegegeldempfänger. Deshalb sollte die Pflege im häuslichen Umfeld weiter gestärkt werden." Rothgang ist auch Mitglied im Beirat des Bundesministeriums für Gesundheit zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

Pflege im häuslichen Umfeld stärken

Für die Studie wurden den Angaben zufolge sowohl die Pflegedaten der Kasse als auch die amtliche Statistik ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen zwei Trends: Zwischen 1996 und 2006 ist der Anteil der Pflegebedürftigen in Pflegestufe 1 von 40 auf 52 Prozent gestiegen, in stationären Pflegeeinrichtungen von 23 auf 30 Prozent. Dagegen sank der Anteil der Pflegegeldempfänger, die keine professionelle Pflege in Anspruch nehmen, von 61 auf 50 Prozent.

AP/DPA / AP / DPA
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