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Schule: Haschisch-Kuchen: Wir wünschen "guten Appetit"

Ein Haschisch-Kuchen setzte zehn Lehrer eines Gymnasiums in Lüneburg vorübergehend außer Gefecht. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Körperverletzung.

Ein Haschisch-Kuchen hat zehn Lehrer eines Gymnasiums in Lüneburg (Niedersachsen) vorübergehend außer Gefecht gesetzt. Die Pädagogen der Herderschule aßen am Mittwoch ahnungslos von einem Schokoladenkuchen, der vor dem Lehrerzimmer abgestellt worden war. Kurze Zeit später klagten Lehrer über Schwindel und Wahrnehmungsstörungen. Sie kamen ins Krankenhaus. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Körperverletzung.

Wer den mit Cannabis versetzten Kuchen gebacken hatte, war bislang nicht bekannt. Es lag nur ein Zettel dabei mit den Worten: "Vielen Dank für alles - guten Appetit". Dem oder den Tätern droht im schlimmsten Fall der Verweis von der Schule, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung am Donnerstag.

Eine "relativ dramatische" Stimmung

Der Schulleiter Horst Homburg erzählte, es sei eine "relativ dramatische" Stimmung aufgekommen. Ein Lehrer "hatte das Gefühl, neben sich zu stehen". Ein anderer rief vom Bahnhof an und sagte, er finde sich nicht mehr zurecht und brauche Hilfe. Am Donnerstag waren alle zehn Lehrer wieder zu Hause. Einige erholten sich noch von dem Schock und kamen nicht zum Unterricht. Schulleiter Homburg sagte, es handle sich um einem "Einzelfall, der die familiäre Atmosphäre an der Schule und das Vertrauen in die Schüler nicht erschüttern wird".

Der Kuchenschmaus ist am Herder-Gymnasium seit sechs Jahren guter Brauch. Schüler und Eltern backen zum Preis von 50 Cent bis 1,50 Euro regelmäßig eine bunte Kuchen-Palette für die 65 Lehrer. Der Erlös - pro Jahr sind es rund 1.000 Euro - komme einer Messstation für Radioaktivität in Tschernobyl zu Gute, sagte Studiendirektor Hans-Christian Höhne. "Meistens nehmen die Kollegen das Backwerk an der Tür des Lehrerzimmers in Empfang." Dennoch sei niemand misstrauisch geworden, als der Kuchen plötzlich vor dem Lehrerzimmer lag.

Die Leiterin des Gesundheitsamtes, Friederike Raithel, sprach von einer Gefahr, weil Cannabis unterschiedlich wirke. "Es sind durchaus Reaktionen des vegetativen Nervensystems denkbar, die das Verhalten nicht beherrschbar machen, besonders für Autofahrer."

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