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Stella Awards 2006: Bizarre Klagen vor Gericht

Die Vorliebe der US-Bürger für Schadensersatzklagen über astronomische Summen führte zu den "Stella Awards": Damit werden die absurdesten Fälle prämiert. Dieses Jahr geht es um Rasenmäher, Eichhörnchen und eine entfernte Ähnlichkeit.

Von Karin Spitra

Die in den USA weit verbreitete Angewohnheit, ständig alles und jeden für unfassbar hohe Schadensersatzsummen vor den Richter zu ziehen, hat sogar einen eigenen Preis hervorgebracht. Jedes Jahr prämiert eine Jury um den umtriebigen Randy Cassingham die bizarrsten Fälle, "welche die US-Gerichte verstopfen" und die Richter davon abhalten, sich mit den wirklich wichtigen Prozessen zu befassen. Die "Stella Awards" - so heißt der Preis - ehren somit US-Bürger, die schlicht den Hals nicht voll bekommen können und Forderungen stellen, die dem gesunden, europäischen Menschenverstand spotten.

Auslöser für die Stella Awards war im Jahr 1992 der Fall der damals 79-jährigen Stella Liebig. Diese nette, alte Dame kaufte sich bei McDonalds einen Becher Kaffee, setzte sind ins Auto ihres Enkels und klemmte den Kaffeebecher zwischen ihre Beine und fuhr los. Nicht genug damit, Kaffeeliebhaberin Stella wollte noch Zucker und Sahne zufügen und fing deshalb an, am Deckel des Bechers herumzufummeln. Es kam wie es kommen musste: Der Becher ging kaputt, der immer noch sehr heiße Kaffee verbrühte Stellas Schenkel und versaute ihrem Enkel das Auto. Das reichte der rüstigen Rentnerin, um mit Hilfe ihrer Anwälte McDonalds zu verklagen. Ihrer Meinung nach hat der Burgerbrater es versäumt, ausreichend darauf hinzuweisen, dass sein Kaffee wirklich heiß ist - und man ihn gefälligst nicht zwischen den Schenkeln transportieren sollte. Ein Gericht sah das tatsächlich auch so und sprach Stella Liebig darauf 2,9 Millionen Dollar Schadensersatz zu.

Dies wiederum erregte den Journalisten Randy Cassingham dermaßen, dass er seitdem besonders absurde und sinnlose US-Prozesse ausgezeichnet. Zusätzlich listet er ständig aktuelle Skurrilitäten der amerikanischen Rechtsprechung auf und veröffentlicht sie auf seiner Homepage "True Stella Awards" publik. Dort kann man auch den Weg der spektakulärsten Fälle durch die verschiedenen Instanzen verfolgen - und wie die geforderten Summen langsam sinken. Denn die meisten mit den Stella Awards prämierten Fälle sind gerade mal in erster Instanz verhandelt worden. "In den weiteren Instanzen bleibt meist deutlich weniger von den Urspungsforderungen übrig", so Cassingham. Auch wenn ihn jedes Jahr wieder das Grauen packt, was für unmögliche Fälle es gibt - "und womit die Leute tatsächlich durchkommen."

So absurd die Klage - ohne Anwalt geht nix

So hat Cassingham auch kein Verständnis für Leute, die sich hinter den Erstplatzierten der diesjährigen Stella Awards stellen - es sei doch schließlich nichts passiert. "Mit einer Klageschrift in Höhe von 832 Millionen Dollar MUSSTEN sich Jordan und Knight Anwälte nehmen, egal wie absurd ihnen der Fall auch vorgekommen sein mag. Natürlich wäre der Prozess nicht zu Gunsten des Klägers ausgegangen, aber dennoch brauchten sie erstmal juristischen Beistand - und der kostet nicht wenig", empört sich Cassingham.

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