Suchtgefahren Haschischwelle an deutschen Hochschulen


Jeder fünfte Studierende an deutschen Unis leidet laut einer Studie unter psychischen Auffälligkeiten von Essstörungen bis hin zu Depressionen und Angstzuständen. Häufiger Grund: Exzessives "Rauschtrinken" und der leichtfertige Umgang mit Drogen.

Exzessives "Rauschtrinken" und Drogenkonsum nehmen nach Ansicht des Würzburger Suchtexperten Jobst Böning an deutschen Hochschulen wieder zu. Knapp 30 Prozent der Studierenden rauchen einer repräsentativen Umfrage zufolge gelegentlich Haschisch, sagte der Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Rande einer Tagung in Würzburg. Acht Prozent konsumierten regelmäßig Cannabis. Deshalb müsse die Suchtprävention dringend verbessert werden, forderte Böning. "Das Problem darf nicht länger aus falscher Scham heraus tot geschwiegen werden."

"Leichtfertiger Umgang mit Drogen"

Jeder fünfte Studierende ist nach einer Studie der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen in Köln wegen einer durchzechten Nacht schon einmal nicht zu den Vorlesungen gegangen. Hinzu komme der leichtfertiger Umgang mit Drogen. Es gebe auch an den Unis eine neue Haschischwelle, sagte Böning, der die Klinische Suchtmedizin an der Psychiatrischen Uniklinik Würzburg leitet. "Haschisch ist nicht mehr die ’ideologische’ Droge wie in den 70er Jahren, sondern eine Freizeitdroge in einem erlebnis- und konsumorientierten Lebensstil", meinte Böning. Oft würden die damit verbundenen Gefahren für die Gesundheit heruntergespielt. "Aber Haschisch hat gerade ein psychisches Abhängigkeitspotenzial. Außerdem schädigt regelmäßiger Konsum die kognitiven Fähigkeiten", erläuterte der Suchtexperte.

Jeder fünfte Studierende an deutschen Hochschulen leide unter psychischen Auffälligkeiten von Essstörungen bis hin zu Depressionen und Angstzuständen. Dennoch seien die Probleme bei Studierenden nicht ausgeprägter als bei anderen Gleichaltrigen, erklärte Böning. Ein Grund für den Griff zu Zigaretten, Alkohol oder Drogen sei unter anderem, dass Studierende wie Berufstätige Probleme aus der Arbeitswelt mit nach Hause nähmen. "Der Stress endet nicht mit dem Feierabend."

"Das Thema nicht allein anderen überlassen"

Ebenso wie in Betrieben müssten Suchtprävention und Gesundheitsvorsorge auch in Hochschulen verbessert werden. "Beide sind mitverantwortlich für den Nachwuchs und sollten das Thema nicht allein anderen überlassen", forderte der Suchtexperte. An der Universität Würzburg gebe es beispielsweise eine ambulante Suchtberatungsstelle für Mitarbeiter und Studierende. Sie werde von einem beratenden Arbeitskreis aus Professoren verschiedener Fachrichtungen unterstützt und durch eine studentische Beratungsstelle ergänzt.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker