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Uni-Abschluss: Schwabe erstreitet Juristen-Diplom

Bayerns Jurastudenten dürfen sich freuen. Die Universitäten verleihen künftig nach dem ersten Staatsexamen den Titel "Diplom-Jurist".

Dies verdanken sie Christian Bewart aus Gersthofen bei Augsburg, der mittlerweile Assistent an der juristischen Fakultät in Augsburg ist. Er hatte seinen Arbeitgeber, die Universität, auf Verleihung des Titels vor dem Verwaltungsgericht verklagt. Zwar wurde der Prozess nicht zu Ende geführt, gewonnen hat der schwäbische Jurist dennoch. Der Titel wurde auf Landtagsbeschluss eingeführt, als die Klage von Bewart noch anhängig war.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Visitenkarten von Jura-Absolventen, die nach dem ersten Staatsexamen direkt ins Berufsleben einsteigen, ohne nachweisbare akademische Titel bleiben mussten. "Jurist" durfte man sich bisher in Bayern erst nach zweijährigem Referendariat und dem abschließenden zweiten Staatsexamen nennen. Dagegen hatte es immer wieder Klagen von Betroffenen gegeben, die sich nach dem ersten Staatsexamen ohne Titel auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt gegenüber der akademischen Konkurrenz von Diplom-Betriebswirten, Diplom-Mathematikern und Diplom-Politologen behaupten mussten. 2001 reagierten deshalb einige Bundesländer mit der Einführung des akademischen Titels "Diplom Jurist". Nicht so Bayern.

Ministerium kam mit der Änderung einer Verurteilung zuvor

Der Verzicht auf einen Titel steht nach Ansicht von Bewart, Juraabsolvent an der Universität Augsburg, in krassem Gegensatz zu dem anspruchsvollen Studium mit einer Durchfallquote von rund 35 Prozent. Dennoch sah das Wissenschaftsministerium keinen Handlungsbedarf. 2002 machte die Uni Augsburg, die der Einführung des Titels eigentlich positiv gegenüberstand, einen Rückzieher. Ein Antrag auf Satzungsänderung für ein Juristen-Diplom beim Wissenschaftsministerium verschwand wieder in der Schublade.

In einem Landtagsbeschluss vom Februar 2003 wurde dann das Wissenschaftsministerium aufgefordert, den Universitäten die Verleihung des Titels zu genehmigen. Damit hatte sich das Verfahren von Bewart eigentlich erledigt. Ob seine Klage die Mühlen des Gesetzgebers beschleunigt hat, beurteilen die Beteiligten unterschiedlich. Bewart ist überzeugt, "dass das Ministerium mit der Änderung einer Verurteilung zuvorkommen wollte". Für ihn war die Klage deshalb ein voller Erfolg.

Ansturm auf Diplom-Urkunden blieb bisher aus

Das Wissenschaftsministerium sieht in der Entscheidung schlicht das Ende einer "ergebnisoffen geführten Diskussion". "Die Klage des Studenten", versichert der Pressesprecher des Ministeriums, "hätte keine Aussicht auf Erfolg gehabt". Zumal die meisten Jurastudenten ohnehin das zweite Staatsexamen anstrebten.

Einen Ansturm auf die juristischen Diplom-Urkunden kann Alexander Drechsler von der juristischen Fakultät der Universität Augsburg derzeit noch nicht erkennen. Alle, die seit 1990 ihr erstes Staatsexamen abgelegt haben, können nachträglich einen Antrag auf den Diplomtitel stellen. Wie erfolgreich die Einführung sein wird, werde sich erst in zwei Jahren zeigen. Selbstverständlich war Christian Bewart der erste bayrische Juraabsolvent, der die Urkunde mit dem Titel "Diplom-Jurist" erhielt. Sie lag ganz profan in seinem Postfach.

Heidrun Schenk, dpa

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