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NIKI DE SAINT PHALLE: Schöpferin der »Nanas« gestorben

Die Schöpferin der riesigen Plastik-Matronen, der »Nana«-Figuren, Niki de Saint Phalle, ist im Alter von 71 Jahren nach schwerer Krankheit in San Diego gestorben.

Unauffälliges hat die Künstlerin Niki de Saint Phalle, die jetzt nach schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in San Diego in den USA gestorben ist, nie geschaffen. Ihre Monster-Frauen, die »Nanas«, sind überdimensionierte, ebenso bunte wie üppig verlockende weibliche Figuren. Die gebürtige Französin, die als Zweijährige mit ihrem Vater, einem Bankier, nach New York zog, ist mit solchen Arbeiten zu einer der bekanntesten Pop-Artistinnen der internationalen Kunstszene geworden.

Die »größte Hure der Welt« liegt in Stockholm

Die unförmigen Plastik-Matronen, mit denen die 1964 zum ersten Male von sich reden machte, stehen oder liegen fast überall: In Paris, New York, Brüssel, Genf, Tokio, Luzern, Amsterdam und Los Angelos. Für die große Halle des Moderna Museet in Stockholm schuf die Künstlerin 1966 die »Größte Hure der Welt« - das liegende Überweib ist sechs Tonnen schwer und 27 Meter lang. Durch die »keineswegs geheime Öffnung« zwischen den Schenkel strömen täglich rund 2 000 Besucher in ihr komfortables, mit Bar und Bibliothek ausgestattetes Inneres. Das »fantastischste Unternehmen ihres Lebens« nannte die Künstlerin diese berühmteste ihrer »Nanas«.

Im Sommer des Jahres 2000 übereignete Niki de Saint Phalle dem Sprengel Museum in Hannover mehr als 300 ihrer Werke, die dann unter dem Titel »La fete. Die Schenkung Niki de Saint Phalle« drei Monate lang zu sehen waren. Mit dem großzügigen Geschenk kehrt die Künstlerin gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück, denn 1969 hatte sie in Hannover eine ihrer ersten großen Ausstellungen.

Bevor die Komtesse mit den breithüftigen und großbrüstigen Frauenskulpturen international populär wurde, hatte sie in der Fachwelt bereits wegen ihrer »Schießbilder« einen Namen. Robert Rauschenberg und Jasper Johns ließen ihren aggressiven Instinkten freien Lauf, wenn sie auf die von der Künstlerin geschaffenen Gipsfiguren mit Farbbeuteln schossen.Die Schöpferin der Figuren nannte sich damals eine »Terroristin der Kunst« und versuchte offensichtlich, sich von schrecklichen Kindheitserlebnissen zu befreien. »Ich schoss gegen Daddy, gegen alle Männer«, meinte sie dazu.

1972 zielte Niki mit ihrem surrealen Filmversuch »Daddy« zum letzten Mal auf die verhassten Väter. Danach begann sie mit ihren Riesenfrauen an ihrem Mythos des Matriarchats zu arbeiten. »Männer waren sehr erfinderisch. Sie haben alle diese Maschinen erfunden, das Industriezeitalter, aber keine Ahnung, wie man die Welt verbessert«, sagt sie in dem Porträtfilm »Niki de Saint Phalle« von Peter Schamoni (1996).

Gesundheit ruiniert

Für ihre »Nanas« gefährdete sich die Künstlerin gesundheitlich sehr, denn sie atmete jahrelang gefährliche Dämpfe ein und litt schließlich unter einem lebensgefährlichen Emphysem, einer Aufblähung der Lunge. Seit sie in der Toskana an der frischen Luft arbeitete, ging es ihr dann besser. Ihren großen Garten in Capalbio verwandelte sie in einen Zaubergarten mit bewohnbaren »Nanas«. Ihr zweiter Mann, der Schweizer »Maschinenpoet« Jean Tinguely, arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1991 intensiv daran mit.

Den Garten versteht die Künstlerin als ihr Lebenswerk. »Tod«, »Pferd« oder »Teufel« heißen ihre Monster - Trumpfkarten des Tarock- Kartenspiels. In den »Tarock-Garten« investierte sie mehr als 4,5 Millionen Euro. »Ich habe für diesen Garten alles geopfert. Meinen Geliebten und mein Privatleben«, sagte sie einmal.

Sabine Glaubitz