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Klimawandel Bangladesch steht mehr und mehr unter Wasser, die Landwirte müssen umdenken und bauen auf schwimmende Beete

Kinder sortieren ihre Ernte
Weil der Boden in Bangladesch dem Wasser mehr und mehr weicht, wird geerntet was in und auf dem Wasser wächst.
© Zakir Hossain Chowdhury/ / Picture Alliance
Steigender Meeresspiegel, Monsun, Überschwemmungen - Bangladesch leidet unter dem Klimawandel und kämpft gegen das Wasser. Immer mehr Boden geht für die Landwirtschaft verloren. Eine Lösung könnten schwimmende Beete sein.

Bijoy Kumar ist eigentlich Reisbauer. Ein Job, den ihm das Wasser genommen hat. Weil Bangladesch zunehmend an den Folgen des Klimawandels leidet, das Wasser immer höher steigt und damit mehr und mehr Boden für den Ackerbau unbrauchbar wird, musste er neue Wege finden, um sein Leben zu bestreiten. Anstelle weiter gegen die Wassermassen zu kämpfen, arbeitet er nun mit ihnen und nutzt schwimmende Gärten, wie es einst schon seine Vorfahren taten.

Bangladesch gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Das Land liegt nur wenige Meter über den Meeresspiegel und der steigt immer schneller. Zudem ist das Land von einer Vielzahl Flüssen durchzogen. Bangladesch kämpft mit Überschwemmungen, Monsun, Schneeschmelze und Wirbelstürmen. Große Teile des Landes stehen schon jetzt etwa acht Monate im Jahr unter Wasser und auch das Näherkommen des Meeres und die Versalzung von Küstengebieten sorgen dafür, dass es immer schwerer wird, landwirtschaftlich zu arbeiten.

Hydrokultur: Zwischen Tradition und Moderne

Ganze Ernten gehen in den Wassermassen verloren und auch die Häuser der Menschen stehen immer häufiger unter Wasser. Laut Prognosen wird bis 2050 einer von sieben Menschen in Bangladesch nicht mehr in seinem Haus leben können. Immer mehr Bauern besinnen sich daher auf eine jahrhundertealte Tradition des Landes.

Da der Boden rar ist, müssen die Landwirte umdenken und machen die Rolle rückwärts, um ihre Zukunft zu sichern. Sie setzen wieder vermehrt auf Hydrokultur und schwimmende Beete. Was nach innovativer Technologie klingt, umschreibt in Wahrheit eine Anbauweise, die in Zentralbangladesch schon seit Hunderten Jahren betrieben wird. Auch in Kaschmir, Myanmar und Mandalay setzen Landwirte auf Beete auf dem Wasser. 

Die Bauern dort legen künstliche Inseln an, sogenannte dhap. So erzählt Haseeb Irfanullah aus Dhaka, der als unabhängiger Umwelt- und Klimaberater arbeitet, der "BBC" davon, dass die schwimmenden Inseln früher ganz selbstverständlich zur Kultur gehörten. "Das war etwas so Gewöhnliches wie ein kleiner Terrassengarten in der Stadt." Aus einer Selbstverständlichkeit wird nun mehr und mehr eine Notwendigkeit.

Auch Kumar steht inzwischen für sein Gemüse knietief im Wasser. Auf seinen Inselbeeten baut er zwar keinen Reis mehr an, aber Kürbisse und Okraschoten. Gegenüber "BBC" sagt er: "Das hat mein Leben sehr verändert." Der Anbau ermögliche ihm, auch bei Überschwemmungen genug zu essen zu haben. Der Ertrag reiche sogar, um auch Nachbarn und Verwandten etwas abzugeben. 

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Schwimmende Inseln aus Unkraut

Gemacht sind diese Beete aus nichts anderem als Unkraut wie Wasserhyazinthen und Reisstroh, das die Landwirte während der Monsun-Saison sammeln. Diese Pflanzen bilden die schwimmende Grundlage, darauf meist Kuhdung und Schlamm. Es entsteht ein Beet, das auf dem Wasser Bestand hat und fruchtbar ist. Vor allem Pflanzen, die mit wenig Boden auskommen, wachsen in den schwimmenden Gärten gut. Dazu gehören Okraschoten und Gelbwurz, aber auch Kürbis und Blattgemüse. 

Ob die schwimmenden Inseln eine Alternative zum schwindenden Boden sein können, wird schon länger getestet. Bereits seit 2005 testen Organisationen vor Ort die Funktionalität der Flöße. 2013 stieg sogar die Regierung ein und machte Geld für ein landesweites Projekt zur Förderung der Landwirtschaft auf dem Wasser locker, von dem 12.000 Familien profitierten. 

Das Manko allerdings: "Stille, vor Wellen und Gezeiten geschützte Gewässer in Kanälen, Flüssen und Lagunen sind die besten Orte für diese schwimmenden Gärten", erklärt Irfanullah der "BBC". Hoher Wellengang oder zu starke Regenfälle setzen den Flößen zu, im schlimmsten Fall fleddern sie auseinander und werden unbrauchbar.

Nicht überall im Land sind sie daher eine echte Alternative. So berichtet auch Irfanullah, dass es an langfristigen Studien mangele. Wie widerstandsfähig die Inseln tatsächlich sind und ob sie auch in Gegenden mit schwierigeren Umwelteinflüssen eine Chance sein können, bleibt abzuwarten. 

Quellen: BBC


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