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Ernährungsexpertin Annika Fuchs Richtig essen im Homeoffice: "Ab und zu ist eine Tiefkühlpizza völlig in Ordnung"

Snacken bei der Arbeit
Im Homeoffice zu oft das Falsche zu snacken, kann sich nicht nur aufs Gewicht auswirken, sondern auch auf die Leistungsfähigkeit.
© Yuliya Apanasenka/getty images
In Zeiten von Corona und Homeoffice ist das Thema Essen oft kompliziert. Ernährungsexpertin Annika Fuchs verrät, warum wir gerade jetzt unsere Ernährung umstellen sollten, wie man Snacking-Fallen entgeht und wann Feelgood-Food tatsächlich Feelgood-Food ist.
Von Tina Pokern

Aus dem Bett, zum Schreibtisch, zum Sofa, ins Bett ­– von großem Bewegungsradius kann derzeit keine Rede sein. Können wir in der Corona-Homeoffice-Zeit genauso weiter essen wie zuvor?

Ganz klar, die aktuelle Situation bedeutet auch für unseren Körper Veränderungen. Der Bewegungsradius ist eingeschränkt. Verschiedene Bewegungsabläufe wie der Weg zur Arbeit, zum Bäcker und zur U-Bahn fallen weg. Weniger Bewegung bedeutet auch weniger Energieverbrauch. Wichtig ist daher, dass sich Energieaufnahme und Energieverbrauch die Waage halten. Ansonsten würde das eine Auswirkung auf unser Gewicht bedeuten.

Und wir nehmen alle zu ...

So pauschal kann man das nicht sagen. Aber es ist schon so, dass das Homeoffice uns komplett aus den normalen Ernährungsgewohnheiten heraus reißt. Das kann eine Chance sein, zum Beispiel, indem die Corona-Zeit für bewusstere Ernährung genutzt wird. Aber es kann natürlich auch in die andere Richtung gehen, weil man beispielsweise vermehrt in die Knabber-Falle gerät, zu ungesunden Snacks greift und mehr isst. Das kann sich dann negativ aufs Gewicht auswirken.

Dieser Artikel ist Teil einer Themenwoche der Bertelsmann Content Alliance unter dem Motto "Packen wir‘s an!  Gesund leben. Gesund bleiben." Mit dabei sind die Sender, Plattformen und Marken der Mediengruppe RTL, RTL Radio, die  Penguin Random House Verlagsgruppe und der Verlag Gruner+Jahr, in dem auch der stern erscheint. Sie alle setzen vom 22. bis zum 28. März einen Schwerpunkt auf unterschiedliche Aspekte des Themas Gesundheit, beschäftigen sich etwa mit Vorsorge und Früherkennung, mit medizinischem Fortschritt oder dem deutschen Gesundheitssystem.
Dieser Artikel ist Teil einer Themenwoche der Bertelsmann Content Alliance unter dem Motto "Packen wir‘s an!  Gesund leben. Gesund bleiben." Mit dabei sind die Sender, Plattformen und Marken der Mediengruppe RTL, RTL Radio, die  Penguin Random House Verlagsgruppe und der Verlag Gruner+Jahr, in dem auch der stern erscheint. Sie alle setzen vom 22. bis zum 28. März einen Schwerpunkt auf unterschiedliche Aspekte des Themas Gesundheit, beschäftigen sich etwa mit Vorsorge und Früherkennung, mit medizinischem Fortschritt oder dem deutschen Gesundheitssystem.

Nun, der Kühlschrank in der eigenen Wohnung ist nah und verleitet zum schnellen Happen zwischendurch. Welche Knabbereien sollten dann dort bestenfalls warten, welche nicht?

Das Snacken ist ein Thema, mit dem zur Zeit wohl so gut wie alle im Homeoffice zu tun haben. Ideal ist es, zu gucken, welcher Snackingtyp man selbst ist, wie viel und wie oft man am Tag etwas zwischendurch isst. Am besten sind Snacks mit wenig Kilokalorien und geringem Zuckergehalt. Klassiker sind die Gemüsesticks. Auch selbstgemachte Müsliriegel oder Nüsse wie Mandeln sind eine gute Option, wenn sie in Maßen genossen werden. Weniger oft sollte man allerdings zu Schokoriegeln oder Chips greifen. 

Gemüsesticks sind gut und schön, aber ist nicht gerade jetzt die Zeit für Feelgood-Food?

Es kommt darauf an, was Sie als Feelgood-Food definieren. Für mich ist es ein Essen, das superlecker ist, eines mit dem ich mir und meinem Körper gut tun kann. Das heißt ja nicht zwangsläufig, dass gesunde Ernährung kein Feelgood-Food ist. Auch ein Gemüsestick mit einem leckeren Kichererbsen-Zitronen-Dip kann Feelgood und gleichzeitig gesund sein.

Die Zeit, in der mal jemand sagt, dass Schokolade für uns besser ist als Rohkost, wird wohl nie kommen …

Bei einer ausgewogenen Ernährung geht es ja auch nicht um den kompletten Verzicht, sondern um das richtige Maß. Natürlich, wenn man die beiden Lebensmittel rein ernährungsphysiologisch bewertet, hat Rohkost mehr Nährstoffe wie Vitamine und Ballaststoffe als Schokolade.

Und wie findet man das richtige Maß?

Als erstes muss man sich bewusst machen, wie stark sich die eigene Ernährung in der jetzigen Situation verändert hat: Esse ich mehr, esse ich anders, esse ich fettreicher oder esse ich vielleicht sogar bewusster? Gleichzeitig schaue ich mir an, was sich bei meinem Energieverbrauch tut: Wie viel bewege ich mich noch? Baue ich zusätzliche Bewegung in meinen Alltag ein, mache ich vielleicht Online-Sportkurse? Und dann schaut man, dass man eine Schnittmenge aus beidem hinbekommt. 

Das Kalorienzählen ist nicht nötig?

Nein, definitiv nicht. Gerade wer an seiner Ernährung nicht viel ändern will, der baut einfach zusätzliche Bewegung in seinen Alltag ein – Kniebeugen beim Wäscheaufhängen oder öfter in den Keller laufen, um Vorräte zu holen.

Aktuell gilt die Devise, so selten wie möglich, so oft wie nötig in den Supermarkt. Haltbare Lebensmittel sind der Schlüssel. Aber was ist mit frischem Obst und Gemüse?

Obst und Gemüse gehört zur ausgewogenen Ernährung und ist nicht wegzudenken. Durch Lagerbedingungen kann man die Haltbarkeit optimieren. Außerdem muss das Obst und Gemüse nicht frisch sein, optional gibt es auch das Tiefgekühlte, das eine gute Ergänzung darstellen kann. Das Gemüse wird frisch nach der Ernte gefrostet. Nährstoffe wie Vitamine bleiben erhalten.

Ihre Aufgabe als Ernährungsexpertin beim Food Start-up Juit ist das Erstellen von ausgewogenen Gerichten für Mitarbeiter in Büros. Was würden Sie sagen, ist das perfekte Homeoffice-Essen?

Ob Homeoffice oder Büro, das unterscheidet sich nicht so stark. Was ich wichtig finde, ist, dass das Essen superlecker sein sollte. Auf Grund der Gegebenheiten muss es schnell zuzubereiten sein und es muss glücklich machen, im Sinne von, dass es mir gut geht, ich nicht zu vollgegessen bin, aber trotzdem ausreichend und anhaltend gesättigt.

Macht mich glücklich, macht mich satt ­– erinnert mich an Tiefkühlpizza. Die meinen Sie wahrscheinlich eher nicht?

Ab und zu ist eine Tiefkühlpizza völlig in Ordnung. Die Ernährung sollte aber in Summe nicht zu kaloriendicht, nicht zu fettig sein. Wichtig ist das Thema Ausgewogenheit, dass im Essen viel frisches Gemüse enthalten ist, aber auch eine Protein- oder Stärkeeinlage. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Gemüse-Reis-Bowl, optional erweitert mit Hähnchen oder Bohnen.  

Fitness-Tipps fürs Home-Office: Bauch- und Rückenübungen.

Stichwort glücklich: Wie wichtig ist die Ernährung für die Psyche?

Sehr wichtig. Körperliches Wohlbefinden und auch Psyche sind in sehr vielfältiger Weise mit Ernährung verknüpft. Emotionen können unser Essverhalten beeinflussen und umgekehrt. Eine unausgewogene oder falsche Ernährung kann sich auf unsere Aufmerksamkeit und unser Wohlbefinden auswirken.

Die Kantine ist zu, die Restaurants dicht und die Zeit rennt. Wie klappt's trotzdem mit dem ordentlichen Mittagessen?

Zunächst einmal gilt auch jetzt: Pausen bewusst nehmen, das Essen genießen und nicht dazwischen schieben und runter schlingen. Allen, die wenig Zeit am Mittag haben, empfehle ich daher, vorzuplanen. Wer frisch kochen will, kann beispielsweise vorschnibbeln, damit dann alles nur noch in die Pfanne geworfen werden muss. Oder man kocht sogar ganz vor. 

Ernährungsexpertin Annika Fuchs
Annika Fuchs arbeitet als Ernährungsexpertin beim Food Start-up Juit, das sich darauf spezialisiert hat, Mitarbeiter in Büros mit ausgewogenem Essen zu versorgen.
© Juit

Gibt es ein No-Go in Sachen Mittagessen im Homeoffice?

Schwierig ist immer das Thema des Überessens oder der sogenannte Zuckerflash. Wenn zu viele kurzfristige Kohlenhydrate, zu viel Fett aufgenommen wird und insgesamt die Menge des Mittagessens zu viel ist, fällt man in dieses Mittagstief – eben das will man ja vermeiden.

Und wenn das Mittagstief doch einmal da ist, mit welchem Energieboost lässt es sich bekämpfen?

Ich kann einen Apfel-Karotten-Smoothie mit Ingwer empfehlen. Der bringt Energie durch die Süße vom Apfel, aber auch durch den Gemüseanteil.


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