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Exklusiver Club Ob Queen, Biden oder Macron: Diese Köche arbeiten für die Mächtigsten der Welt – und kennen deren geheime Gelüste

Koch beugt sich besorgt über einen Tisch
Es ist nicht immer leicht, die Mächtigsten der Welt zufrieden zu stellen. (Symbolbild)
© FG Trade / Getty Images
Sie arbeiten im Verborgenen im Dienste ihres Landes. Ihr Können kann über Krieg und Frieden entscheiden. Das sind die Köche, die Monarchen wie Präsidenten kulinarisch bei Laune halten.

Winston Churchill soll einmal gesagt haben, dass die Welt ganz anders aussehe, wenn er und Stalin mehr Zeit am Esstisch verbracht hätten. Er muss Vertrauen in die Künste seines Kochs gehabt haben. In die Küchen der Staatsoberhäupter schaffen es nur wenige. Es ist ein Job auf der kleinen Bühne, der auf Verschwiegenheit fußt, und wo der Ruhm immer einem anderen gebührt. Im exklusiven Club "Chefs des Chefs" jedoch zählen einzig und allein die Köche selbst. Lange Zeit klüngelte der Club im Verborgenen, Diskretion war das oberste Gebot. Inzwischen wurde der strenge Krawattenknoten des Elitarismus etwas gelockert. Immer wieder gewähren die Köche nun Einblick in ihren Arbeitsalltag − dabei plaudern sie mitunter auch aus dem Nähkästchen wie jetzt beim Jahrestreffen in Madrid.

Ins Leben gerufen wurde der Club von Gilles Bragard. Das war 1977. Es begann im kleinen Rahmen mit dem damaligen Koch von Jimmy Carter und seinem französischen Pendant sowie Bragard. Obschon letzterer eigentlich kein Koch ist, sondern Produzent von Kochjacken. Seither ist der Club kontinuierlich gewachsen. Die Aufnahmekriterien aber sind wie gehabt streng. Mitglied wird nur, wer einem Staatschef den Magen füllt. Bevorzugt werden Köche von Monarchen und Präsidenten, zur Not auch vom Premierminister.

"Es ist die exklusivste kulinarische Vereinigung der Welt", behauptet Bragard im Gespräch mit "The Telegraph". Es sind vor allem weiße Männer mittleren Alters, die dem exklusiven Club angehören, dem "Männerverein" wie Elmarie Pretorius ihn nennt. Sie kocht für den südafrikanischen Staatschef und ist neben Cristeta Comerford, die im Weißen Haus kocht, eine von zwei Frauen im Club. Ebenso gehören Köche aus Luxemburg, Ecuador, Island und Indien dazu. Mark Flanagan, der Chefkoch der Queen ist dabei, wie auch Ulrich Kerz aus Deutschland. Die Liste lässt sich fortsetzen. 

Die Köche der Staatsoberhäupte treffen sich zum Tratsch

Um Chanty Chen beispielsweise. Ein Mann, hinein geboren in ein Mangelleben. Als Sohn kambodschanischer Flüchtlinge wuchs er in einer Sozialwohnung auf, mit Brüdern, Eltern, Tanten und Onkeln. Geschlafen wurde auf dem Boden. Schon mit neun, erzählt er dem "Telegraph", arbeitete er in der Küche. Chen kocht noch immer, aber inzwischen für den wichtigsten Mann Kanadas, Premierminister Justin Trudeau. Als queere BIPOC-Person (Anm.d.Red.: schwarze, indigene und farbige Personen), habe er immer einen besonderen Blick für die Diversität einer Gruppe, der er zugehörig ist. "Wegen dem, was ich erlebt habe, und wegen der meisten Küchen, in denen ich gearbeitet habe", sagt er. "Aber hier hat das keinen Unterschied gemacht. Alle haben mich sehr akzeptiert."

In diesem Jahr frönen die Chefs des Chefs in Spanien der Kulinarik, besuchen Restaurants und testen Produkte, aber vor allem tratschen sie. Darüber, dass die Queen auf Stopfleber steht, Prinz Charles aber nicht. Da klopft man sich auch mal selbst auf die Schulter, dafür dass Ex-US-Präsident Barack Obama einst einen Brief schrieb, um das Essen zu loben, dass ihm in Italien vorgesetzt wurde. Der Koch des Präsidenten, Massimo Sprega, hatte ihm Ragù bianco mit Pecorino und Fenchel serviert. Und es wird aus dem Leben erzählt. Aus dem von Joseph Korson zum Beispiel, der einst von Israel nach Hollywood floh, um mit der Schauspielerei das Trauma seines Militärdienstes zu überwinden. Der in die Heilige Stadt zurückkehrte, ein Café eröffnete und wieder aufgab, nachdem er vom Balkon aus mitansehen musste, wie Raketen auf Bethlehem fielen. Der in England neu startete, bis die Finanzkrise ihn wieder nach Jerusalem trieb und dort in die Arme von Bibi, wie Korson Benjamin Netanjahu nennt. Der damalige israelische Ministerpräsident war einst Stammgast in Korsons Teestube gewesen, er bot ihm einen Job an. 

Ab dann kochte er seinen Tee unter anderem für Prinz William, allerdings mit israelischen Aromen. Er habe die Stelle angenommen, ohne zu wissen, worauf er sich einlasse. "Es war eine verrückte Erfahrung", berichtet Korson. Schließlich habe er einen Platz in der ersten Reihe gehabt, als Geschichte geschrieben wurde. Inzwischen ist Bibi in der Opposition und Korson arbeitslos. Den Club beschreibt er als eine "echte Bruderschaft", als eine Vereinigung von Menschen, die verstehen, was es bedeutet zu dienen, und für die Bescheidenheit kein Fremdwort ist. "In unserer Branche hat der Boss das Ego, nicht wir", sagt er. "Du verrichtest deine Arbeit im Dienste des Landes." 

Quelle: The Telegraph, Club Chefs des Chefs

tpo

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