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Anti-Abercrombie-&-Fitch-Kampagne: Obdachlose empört über Fitchthehomeless

Nun bekommt die Fitchthehomeless-Kampagne Gegenwind. Obdachlose in Los Angeles empören sich in einem US-Blog darüber, dass sie von den Machern instrumentalisiert und "entmenschlicht" werden.

Von Niels Kruse

Umstrittenes Interview geben: kostenlos. Jacke Elise (erhältlich bis Größe L): 390 Euro. Social-Media-Shitstorm: unkontrollierbar. Mit seiner unfreundlichen aber deutlichen Ansage, er wolle gefälligst keine uncoolen, also vor allem dicke Leute in seinen Klamotten sehen, hat Mike Jeffries, Chef der Modekette Abercrombie & Fitch aus New Albany, Ohio, einen Sturm der Entrüstung losgetreten. Fitchthehomeless heißt die Kampagne, mit der Gutmeinende das Image der Firma auf den Kopf stellen wollen. Motto: Verschenkt Eure A&F-Sachen an Obdachlose und zeigt, was ihr von dieser Arroganz haltet.

Zahllose Videos und Bilder laufen seit einigen Tagen bei Twitter, Youtube und Facebook ein, die zeigen, wie mutmaßlich unattraktiven Menschen mit Pullovern, Jacken und T-Shirts der US-Marke zugeschüttet werden. Zuletzt schrieb die US-Bloggerin Jes Baker (Kleidergröße 54) Herrn Jeffries einen gepfefferten Brief und posierte lasziv (und bekleidet mit einem A&F-Shirt) mit dem Männermodel John Cameron Shay. Und dann hing sich in Hamburg eine andere Modemarke an den Shitstorm-Zug ran und ließ eine Horde "Männer mit Ecken und Kanten" (Eigenwerbung) vor dem dortigen Abercrombie-Laden aufmarschieren. Kurzum: Mit und gegen die Buhmarke der Stunde lässt sich derzeit hervorragend Aufmerksamkeit erhaschen.

Und was sagen die Obdachlosen?

Mittlerweile haben sich auch die anderen Adressaten der #fitchthehomeless-Kampagne zu Wort gemeldet: die Obdachlosen selbst. Deren Urteil fällt, gelinde gesagt, unfreundlich aus. Für die Onlineseite des US-Magazins "Relevant" hat die Sozialarbeiterin Rachel Karman aus Los Angeles Stimmen von Betroffenen eingesammelt. Natürlich sind die Äußerungen nicht repräsentativ, aber nahezu jeder beklagt die Instrumentalisierung durch die Macher von Fitchthehomeless.

So sagt einer: "Wir mögen obdachlos sein, aber bedeutet das auch, dass wir zweifelhafte Klamotten tragen müssen? Entmenschlicht uns das nicht noch mehr, als wir es ohnehin schon sind?" Ein anderer regt sich darüber auf, dass die Macher des Videos offenbar nicht einmal gefragt hätten, ob sie filmen dürften. "Glaubt er, er ist im Zoo?" Ein dritter meint: "Ich wäre ziemlich angepisst, wenn da einer kommen würde, mich fotografiert und mein Bild ins Internet stellt." Streetworkerin Rachel selbst unterstützt zwar das Ansinnen, Abercrombie & Fitch einen mitzugeben, sie stört sich aber an dem menschenunwürdigen Unterton von Fitchthehomeless. "Die Macher suggerieren doch nichts anderes, als dass Obdachlose das Niederste vom Niederen sind."