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Gutes aus dem Küchengarten: Gärtnern neben der Autobahn und mein Flieder trägt Gurken

Gestern brachte ARTE im Journal nach 19 Uhr eine Reportage zu denillegalen Küchengärten in Portugal. Allein in Lissabon soll es mehr als 70.000 solcher Gemüsegärten geben, die auf für Immobilienspekulation uninteressanten Flächen angelegt wurden. Teils gesundheitlich bedenklich, neben der Autobahn platziert, mit Gießwasser aus dem Oberflächenwasser der Fahrbahnen. Egal, ein Fünftel der Portugiesen lebt in Armut. Die Gärten helfen, die Familien zu ernähren. Und, wie immer das selbe Thema: Wer Langzeit arbeitslos ist, der jobbt dann halt im eigenen Gemüsegarten.

Ich will ab jetzt vermehrt auf solche Projekte achten. Denn anscheinend geht vielen die Kohle aus, weil die Mietpreise steigen. Und die Haushaltseinkommen für Wohnen und Energie verwendet werden müssen. Dumm gelaufen also, wenn ein Pärchen beispielsweise in Wien 1000 Euro Miete zahlt, beide freiberuflich sind und ihnen die Aufträge abhanden kommen. Auch davon erfuhr ich in dieser Woche. Was mich in meinem Schreiben übers Küchengarteln nur noch mehr motiviert. Und damit komme ich auf das eigentliche Thema des heutigen Beitrages. Ich wage einen Garten-Rückblick auf diesen kalten, herbstlichen August.

"Gurken-Schmäh": Nicht russisch, dafür Gurke aber. Foto: Wohofsky-Images

Einerseits wurde aus Karfiol und Kraut nicht wirklich etwas zum Ernten. Die Schnecken wuchsen zu bedenklicher Größe heran. Andererseits bin ich froh, verschiedene Bohnensorten gesetzt zu haben. So gab es doch noch eine Ernte, genug für Suppe und Salat. Neben vielen Kräutern und beginnender Tomatenreife.

Dann muss ich ein wenig ausholen. Denn es gab auch Überraschungen. Im Frühjahr kaufte ich mir eine Gurkenpflanze. Am Schildchen stand: Russische Gurke, Bio. Laut diesem sollten die Gurken eine mittelbraune, Melonen artige Schale bekommen. Ich dachte: interessant, ich probier das aus.

Die Gurke setzte ich in eine 15 Zentimeter tiefe Wanne. Die Pflanze rankte dann zwei Monate im angrenzenden Fliederbusch herum. Blühte mal hier, mal dort. Aber Gurken zeigten sich keine.

Jetzt, beim Umschichten meines Komposthaufens (der ist unterm Flieder, weil hier schattig) hingen mir plötzlich vier Gurken ins Gesicht. Was für eine Freude. Das komische Ding trägt also wirklich und blüht nicht nur. Und irgendwie ist das jetzt nicht russisch, sondern einfach europäisch, gurkig. Normale Einlegegurke eben.

Aus Eins mach Sechs. Kartoffeln aus dem Blumentopf. Foto: Wohofsky-Images

Still und heimlich wuchs am Zaun noch ein anderes Gemüse heran. Im Frühjahr fand ich nämlich ein paar Kartoffeln, die ausgetrieben hatten. Jeglicher Platz zum Setzen war bereits belegt. Aber ich hatte noch ein paar tiefe Blumentöpfe, mit einem Durchmesser von gut 25 Zentimetern. Und – gute nährstoffreiche Komposterde.

Also ab mit den Kartoffeln in die Töpfe, dachte ich. Es wurde zweimal aufgehäufelt und am Zaun stehend die Saat dem Wachsen überlassen. Jetzt erntete ich und staunte nicht schlecht. Aus einer Kartoffel wurden sechs junge schöne mittelgroße Knollen. Es funktioniert also, der Kartoffelanbau im Blumentopf.

Das war's für den August. Ich wünsch ein schönes Wochenende. Wir lesen uns im nächsten Monat wieder! Ich brauch jetzt eine Pause.

  • Angelika Wohofsky
    Angelika Wohofsky